Liebe Leserinnen und Leser, Wie in jedem EU-Land herrschen in Frankreich für Bürger anderer EU-Staaten erleichterte Arbeits- und Aufenthaltsbedingungen. Grundsätzlich gilt, dass alle EU-Bürger gleiche Chancen auf einen Arbeitsplatz haben sollen, für sie ist eine Arbeitserlaubnis nicht erforderlich. Bei der Besetzung von Stellen besteht eine gesetzlich garantierte Chancengleichheit zwischen den EU-Bürgern. Selbstverständlich muss der Bewerber die fachlichen Qualifikationen besitzen, die für die Besetzung der Stelle erforderlich sind. Der Aufenthalt in Frankreich zum Zwecke der Stellensuche ist während einer Frist von drei Monaten ohne weitere Formalitäten möglich. Dieser Zeitraum der Arbeitssuche kann unter Umständen verlängert werden - wenn man nachweisen kann, dass die Fortsetzung der Arbeitssuche Aussicht auf Erfolg hat. Will man sich länger als drei Monate in Frankreich aufhalten, benötigt man eine Aufenthaltsgenehmigung, die von den örtlichen Behörden ausgestellt wird. Die Aufenthaltserlaubnis wird jedem erteilt, der ein Beschäftigungsverhältnis nachweisen kann (sowie dessen Familienangehörigen). Bei einer (voraussichtlichen) Beschäftigungsdauer von weniger als einem Jahr wird die Aufenthaltserlaubnis auf diese Zeit beschränkt. Ist die Beschäftigungsdauer länger, wird eine Aufenthaltserlaubnis über fünf Jahre erteilt, die gegebenenfalls auch verlängert wird. Der Zugang zum Arbeitsmarkt gestaltet sich in Frankreich ähnlich wie in Deutschland. Üblich sind Bewerbungen direkt bei den Unternehmen - Initiativbewerbungen - genauso wie Bewerbungen auf Stellenausschreibungen aus der Presse. Auch hier sind die Strukturen vergleichbar: Stellenannoncen finden sich besonders in der überregionalen und lokalen (Tages-) Presse sowie in den jeweiligen Fachpublikationen. Auch professionelle (und kommerzielle) private Arbeitsvermittlungen und Zeitarbeitsunternehmen gibt es in Frankreich. Auf die Vermittlung von Führungskräften ist die APEC ("Association pour l'Emploi des Cadres") spezialisiert. APEC gibt die Wochenzeitschrift "Courrier Cadres" fü r Hochschulabsolventen und Führungskräfte heraus. Informationen zur Stellensuche kann man sich auch über die Berufsverbände beschaffen - die Dachverbände in Deutschland haben in der Regel Kontakt zu den jeweiligen Partnerverbänden in Frankreich und können Adressen weitergeben. Die offizielle staatliche Einrichtung zur Arbeitsvermittlung ist die staatliche Arbeitsverwaltung ANPE ("Agence nationale pour l'Emploi"). Die ANPE unterhält in jeder Stadt Dienststellen (ALE - "Agence Locale pour lŽEmploi"). Beratung und Vermittlung durch die ANPE erhält man, wenn man sich bei der zuständigen lokalen Dienststelle meldet - dazu muss man jedoch seinen Wohnsitz bereits in Frankreich haben. In Paris hat die ANPE eine Niederlassung, die auf die internationale Stellensuche spezialisiert ist, hier gibt es entsprechende Beratungsmöglichkeiten. In einigen Städten unterhält die ANPE spezielle Beratungsstellen für Führungskräfte. Beratung zur Stellensuche in Frankreich gibt es außerdem über die "Zentralstelle für Arbeitsvermittlung" (ZAV) der Bundesanstalt für Arbeit, die auch für die internationale Vermittlung zuständig ist. In diesem Jahr veranstaltete die ZAV mehrere Kompaktseminare zur Vorbereitung auf eine Auslandstätigkeit. In einwöchigen Seminaren erhielt man hier Informationen über den Arbeitsmarkt und Bewerbungsbedingungen im jeweiligen Zielland. Ob es auch 2003 wieder ein vergleichbares Seminarangebot geben wird, steht nach Auskunft der ZAV momentan noch nicht fest. Definitive Informationen darüber gibt es frühestens im März 2003. Die Bundesanstalt für Arbeit gibt im Rahmen der europäischen Kooperation im EURES-Netzwerk (European Employment Services, EU-weite Koordination der nationalen Arbeitsverwaltungen) Merkblätter zu allen EU-Ländern heraus. Die aktuelle Frankreich-Ausgabe stammt vom November 2001 und enthält neben allgemeinen Informationen Tipps zur Stellensuche und zur Bewerbung sowie Angaben über notwendige Formalitäten, außerdem eine sehr empfehlenswerte Linkliste und ein ebenfalls interessantes Literaturverzeichnis. Im Rahmen der EURES-Kooperation gibt es außerdem spezialisierte Berater, die auch bei der Stellenvermittlung behilflich sein können. Nach Angaben des genannten Merkblattes werden in Frankreich die Hälfte der freien Stellen nicht öffentlich ausgeschrieben, ein Drittel der Stellenbesetzungen wird über persönliche Kontakte angebahnt. Das zeigt, wie wichtig bei der Stellensuche in Frankreich das persönliche Networking ist. Etwaige Kontakte sollte man unbedingt nutzen. Das Internet-Informationsportal "Eurograduate" veröffentlicht ebenfalls Tipps und Informationen zu Stellensuche und Bewerbung in Frankreich. Dort heißt es, dass Unternehmen in Frankreich häufig allgemeinere Anzeigen ohne konkrete Stellenausschreibung veröffentlichen, in denen Interessenten aufgefordert werden, sich initiativ zu bewerben. Rund 30 % der Stellenbesetzungen in Frankreich sollen auf diesem Wege zustande kommen. Eine weitere interessante Information stammt vom EU-Informationsdienst "Dialog mit den Bü rgern": Vielfach werden in Stellenangeboten die Ausbildungseinrichtungen genannt, deren Absolventen bevorzugt geworben werden sollen. Das ist jedoch eher als Beispiel für die gew ünschte Qualifikation zu verstehen, Absolventen anderer Institutionen sollen sich dadurch nicht abschrecken lassen. Die üblichen und erwarteten Bewerbungsunterlagen in Frankreich weisen im Vergleich zu den Anforderungen in Deutschland deutliche Unterschiede auf: Das Anschreiben wird in der Regel handschriftlich abgefasst. Es enthält Namen und Anschrift des Bewerbers in der linken oberen Ecke, oben rechts wird stichwortartig auf die Ausschreibung oder (bei Initiativbewerbungen) die gewünschte Tätigkeit Bezug genommen. Inhaltlich sollte das Schreiben sehr gezielt auf die gewünschte Stelle fokussiert sein - besondere Eignung und Beweggründe des Bewerbers sollen knapp und pointiert dargestellt werden, der Umfang sollte eine Seite nicht überschreiten. Der Lebenslauf sollte ebenfalls nicht zu umfangreich sein, hier sind ein bis zwei, höchstens drei Seiten üblich. Die Anordnung im Lebenslauf kann entweder thematisch oder chronologisch erfolgen - jeweils mit dem aktuellsten Ereignis an erster Stelle und "absteigend" sortiert. Es ist nicht üblich, Kopien von Zeugnissen, Arbeitsbescheinigungen oder anderen Dokumenten einzureichen, so dass entsprechende Angaben (z.B. über Abschlussnoten) möglichst präzise im Lebenslauf gemacht werden sollten. Ein Bewerbungsfoto ist nicht zwingend erforderlich, es wird aber dazu geraten, eines einzureichen. Immer beliebter wird in Frankreich ein so genanntes "projet professionnel", ein Anhang, mit dem man der Bewerbung eine individuelle Note verleihen kann. Neben einer zusammenfassenden Analyse bisheriger Tätigkeiten und Erfahrungen werden hier die Vorstellungen über die künftige Berufslaufbahn formuliert. Urkunden und Zeugnisse werden üblicherweise zum Vorstellungsgespräch mitgebracht. Werden hier Referenzen genannt, muss man damit rechnen, dass bei den betreffenden Personen telefonisch Auskunft eingeholt wird. Bevor es zu einem Vorstellungsgespräch kommt, wird häufig eine graphologische Untersuchung des Anschreibens vorgenommen. Besondere Merkmale, die dort herausgefunden wurden, können als Gesprächsgrundlage im Vorstellungsgespräch dienen. Diplome oder ähnliche Urkunden und Bescheinigungen, die bestimmte Berufsabschlüsse bestätigen, müssen in Frankreich anerkannt werden, wenn man einen "reglementierten" Beruf ausüben will, also einen Beruf, für den gesetzlich vorgeschriebene Diplome, Prüfungen oder Lizenzen erforderlich sind. Diese Anerkennung erteilt in Frankreich die jeweilige Behörde, die für den entsprechenden reglementierten Beruf zuständig ist. Dort erfährt man auch, welche Unterlagen genau für diese Anerkennung vorgelegt werden müssen. Die Urkunden müssen in der Regel durch einen zugelassenen Übersetzer übertragen worden sein. Als Arbeitnehmer ist man in Frankreich sozialversicherungspflichtig. Der Arbeitgeber muss bei einer Neueinstellung den Arbeitnehmer bei der Sozialversicherung anmelden, von dort erhält man dann einen persönlichen Sozialversicherungsausweis. Abgedeckt werden von der Versicherung folgende Bereiche: Krankheit und Mutterschaft, Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten, Invalidität, Rentenversicherung und Todesfall, Arbeitslosigkeit und Familienleistungen. Die fälligen Beiträge zieht der Arbeitgeber vom Gehalt ab und ü berweist sie mit dem Arbeitgeberanteil direkt an die Sozialversicherung. Die Einkommensteuer wird hingegen nicht vom Gehalt abgezogen. Man muss sich selbst beim zuständigen Finanzamt melden, dort erhält man auch detailliertere Informationen über seine Pflichten. Grundsätzlich muss man mehrmals im Jahr Vorauszahlungen leisten, die endgü ltigen Steuersätze werden nachträglich aufgrund der Steuererklärung berechnet. Die für die Vorauszahlungen veranschlagten Steuersätze ergeben sich aus den Steuersätzen der vorherigen Veranlagung. Abschließend sei darauf hingewiesen, dass Sprachkenntnisse in Französisch praktisch unverzichtbar sind - sowohl für das Berufsleben als auch im privaten Alltag. ANPE (Arbeitsvermittlung in Frankreich)
ANPE, internationale Vermittlung
ANPE International
69, rue de Pigalle
75009 Paris
APEC (Vermittlung für Führungskräfte)
Bundesanstalt für Arbeit, internationales
EURES (European Employment Services)
Hier findet sich auch eine europaweite Online-Stellenbörse
Broschüre "Arbeiten in Frankreich"
Download-Adresse für das Informationsblatt "Arbeiten in Frankreich" (PDF-Dokument). Viele nützliche Tipps, Links und Literaturangaben
Dialog mit den Bürgern I
EU Informationssystem zu Arbeits- und Lebensumständen. Länderinformationen zu Frankreich (das Informationsangebot ist sehr umfangreich, zum Teil leider etwas unübersichtlich strukturiert)
Dialog mit den Bürgern II
Bewerbung in Frankreich
Dialog mit den Bürgern III
Anerkennung der Diplome in Frankreich. Auflistung verschiedener Berufsgruppen mit detaillierten Informationen zur Anerkennung der Berufsabschlüsse in Frankreich
Dialog mit den Bürgern IV
Kostenlose Beratung durch Experten bei konkreten rechtlichen Problemen - z.B. Anerkennung von Diplomen etc.
Dialog mit Bürgern und Unternehmen
Ein weiteres EU-Informationssystem, teilweise mit ähnlichen Inhalten wie "Dialog mit den Bürgern". Hier die Informationsseite für Frankreich
DESTIA-Projekt der EU zur Förderung der Mobilität - Informationen zu Frankreich
Auswärtiges Amt - Länderinformationen
Umfangreiche Informationen vom Auswärtigen Amt zu Frankreich
France Diplomatie
Das französische Außenministerium mit eher allgemeinen Informationen über Frankreich (in deutscher Sprache)
Eurograduate
Die Informationen zur Bewerbung in Frankreich beim Karriereportal "Eurograduate"