Stolz ist man auf die Auszeichnung: "Der Virtuelle Arbeitsmarkt - Bundesanstalt für Arbeit gewinnt eGovernment Wettbewerb 2001" liest der Internetsurfer als erstes, wenn er die Arbeitsmarkt-Seiten der Bundesanstalt für Arbeit - einen untergeordneten Bereich auf www.arbeitsamt.de - besucht. Wer die Schlagzeile anklickt, erfährt weitere Einzelheiten (die Auszeichnung wurde im Rahmen der CeBit 2002 verliehen) und man bekommt die Urkunde über die Auszeichnung präsentiert. Ein wenig erinnert das an Handwerksbetriebe, die hinter dem Verkaufstresen Meister- und Gesellenbriefe oder Ehrenbekundungen ihrer Innung in Gold und Silber für die Qualität ihrer Produkte ausgehängt haben. Wer die Arbeitsmarkt-Seiten im Internetangebot der Bundesanstalt für Arbeit (BA) gefunden hat, der hat schon die erste Hürde überwunden. Übersichtlichkeit und klare Strukturen können nicht die Gesichtspunkte sein, welche dem "Arbeitsamt online" zum Gewinn des "eGovernment"-Wettbewerbs verholfen haben. Der Preis wurde eher für Konzepte und Ideen verliehen als für das bestehende Angebot. "Die BA beginnt nun umgehend mit der Aufstellung eines Realisierungskonzepts zur Umsetzung des Virtuellen Arbeitsmarktes", heißt es. Dabei hat mit dem Beginn der Aufstellung eines Konzeptes zur Umsetzung wohl auch der Amstschimmel noch seine Finger mit im Spiel gehabt. Zur Umsetzung scheinen die preisgekrönten Konzepte jedenfalls noch nicht gelangt zu sein. Zur Umsetzung scheinen die preisgekrönten Konzepte jedenfalls noch nicht gelangt zu sein. Das Internetangebot "Arbeitsamt online" enthält - schon auf der Einstiegsseite - verschiedene Navigations- und Menüsysteme, die das systematische Navigieren deutlich erschweren. Das, was bislang an "virtuellem Arbeitsmarkt" vorhanden ist, erreicht man durch Anklicken des Wörtchens "Markt" in der oberen horizontalen Menüleiste. Hier wird bereits ein weiteres Problem deutlich: Uneinheitliche Begriffswahl einerseits und die Verwendung bedeutungsverwandter Bezeichnungen für ganz unterschiedliche Elemente andererseits erschweren das Zurechtfinden erheblich. Neben dem "Markt" ist gleichzeitig vom "virtuellen Arbeitsmarkt", in einem Fall gar vom "virtuellen Arbeitsamt" die Rede, außerdem gibt es noch ein "Arbeitsmarktportal"; der "Markt" wird auch als "Hauptseite Vermittlung" bezeichnet. Abgesehen von diesen formalen Kritikpunkten ist - auf inhaltlicher Ebene - der "Online-Arbeitsmarkt" der Bundesanstalt für Arbeit absolut empfehlenswert. Unter der rot hervorgehobenen Meldung vom März 2002 über den Gewinn des eGovernment-Wettbewebs sind die verschiedenen unmittelbar Arbeitsmarkt-relevanten Angebote der Bundesanstalt für Arbeit aufgelistet: AIS - Der Arbeitgeber-Informations-Service Dieser Bereich richtet sich an Arbeitgeber, die in der Datenbank nach Bewerbern suchen oder freie Stellen an das Arbeitsamt übermitteln wollen. SIS - Der Stellen-Informations-Service Das Gegenstück zum AIS. Bewerber können hier in der Datenbank die dem Arbeitsamt gemeldeten freien Stellen durchsuchen. Auch wenn viele sich bei der Jobsuche im Internet eher auf die bekannten Online-Stellenbörsen (wie Monster, Jobpilot etc.) verlassen, sei dieser Service des Arbeitsamts nachdrücklich empfohlen. Die Datenbankrecherche ist aufgrund der verschiedenen Suchoptionen etwas kompliziert, doch lässt sich die Suche dadurch fast beliebig eingrenzen oder ausweiten. Trotz der hohen Arbeitslosigkeit ist die Zahl der gemeldeten freien Stellen hier immer noch beträchtlich. Manche der Kontaktadressen zu den Firmen werden nur über Arbeitsvermittler des Arbeitsamts vergeben, viele Firmen auf Mitarbeitersuche geben hier aber auch direkt Telefonnummern, E-Mailadressen und Ansprechpartner an. So ist auch für Personen, die nicht arbeitslos gemeldet sind, eine direkte Kontaktaufnahme problemlos möglich. ASIS - Der Ausbildungs-Stellen-Informations-Service Entspricht weitgehend dem SIS mit dem Unterschied, dass hier Lehr- und Ausbildungsstellen vermittelt werden. Praktikumsbörse Eine eigene Praktikumsbörse bei "Arbeitsamt online". Das ganze funktioniert wie bei den bekannten Online-Stellenbörsen: Anbieter können freie Praktikumsplätze eingeben, Bewerber ihre Gesuche. Die Suche lässt sich nach Branche, Einsatzbereich, Region, Land und Eingabedatum des Gesuchs oder Angebots eingrenzen. Außerdem kann man nach Schlagworten suchen und den betreffenden Personenkreis angeben: "Schüler", "Studenten", "Studenten mit Diplomarbeit (während des Praktikums)" oder "Sonstige". Die Anzahl freier Praktikumsplätze scheint hier allerdings nicht besonders hoch zu sein. JOB-Vermittlungsbörse Weitgehend identisch aufgebaut wie die Praktikumsbörse. Vermittelt werden sollen hier die klassischen Nebenjobs, also die sogenannten geringfügigen Beschäftigungen, Teilzeittätigkeiten, befristete Tätigkeiten, Jobs die nur ein geringes Qualifikationsniveau erfordern usw. Auch hier scheint die Trefferquote bei den Stelenangeboten leider nicht besonders hoch. MARKT+CHANCE Die Online-Version des wöchentlichen Stellenanzeigenblattes, das die Bundesanstalt für Arbeit kostenlos herausgibt und in Arbeitsämtern und Behörden auslegt. Man kann sich die aktuelle Ausgabe als PDF-Datei herunterladen. Das Magazin enthält nach Berufsgruppen sortierte Stellenangebote und -gesuche, Hinweise auf vom Arbeitsamt geförderte "Berufliche Weiterbildungen" und einige kurze Meldungen oder Tipps. In der Rubrik wird außerdem erläutert, wie man Stellenanzeigen und -gesuche in "MARKT+CHANCE" veröffentlichen kann. Auch Personen, die nicht arbeitslos gemeldet sind, können ein Stellengesuch aufgeben. Arbeitsmarktportal Eine besonders ergiebige Quelle für alle, die auf Stellensuche sind. Hier werden nochmals die spezifischen Vermittlungsangebote der Bundesanstalt für Arbeit aufgelistet (SIS, ASIS, Vermittlungsbörse für Existenzgründungen, Vermittlungsbörse für IT-Fachkräfte, Bewerberbörse für Ingenieurinnen und Ingenieure, Job-Vermittlungsbörse, Praktikumsbörse, Internationale Vermittlung, Managementvermittlung und Künstlerdienste). Außerdem findet sich hier eine hervorragende Linkliste zu Online-Stellenbörsen und anderen Online-Ressourcen, die bei der Stellensuche behilflich sein können. Die Links sind systematisch nach folgenden Kategorien gegliedert: - Stellensuchmaschinen
- Große Stellenbörsen
- Berufs- und branchenspezifische Stellenbörsen
- Sonstige spezielle Stellenbörsen
- Internationale Stellenbörsen
- Homepages privater Arbeitsvermittler
- Weitere Informationsquellen für die Stellensuche

Es finden sich einige hundert Links zu wirklich relevanten Internetangeboten. Besonders empfehlenswert sind die Berufs- und Branchenspezifischen Stellenbörsen. Alphabetisch nach Berufsgruppen sortiert, findet sich hier zu fast jedem Beruf mindestens ein Verweis auf spezifische Stellenbörsen. Erwähnenswert ist außerdem die Rubrik "Sonstige spezielle Stellenbörsen" mit Links zu Börsen für verschiedenste Personen- und Interessensgruppen (von "anthroposophischen Jobs" über Forschungsstellen, Hochschulabsolventenstellen und Studentenjobs bis zu Zweisprachler-Jobs). Besonders viele Links gibt es außerdem zu den "Homepages privater Arbeitsvermittler". Sie sind nach Regionen (Postleitzahl) sortiert, so dass sich auch hier der passende Anbieter problemlos finden lässt. Dass sich bei der Fülle der Links auch vereinzelt Verweise finden, die nicht mehr aktuell sind, ist sicherlich zu entschuldigen. Es findet sich beispielsweise noch ein Verweis auf das Portal jobversum.de, dessen Service mittlerweile eingestellt wurde. Vermittlungsbörse für IT-Fachkräfte Dies Angebot ist ähnlich aufgebaut wie die Job- und die Praktikumsbörse. Es richtet sich in erster Linie an Bewerber aus dem Ausland im Rahmen des Greencard-Programms. Die Suchoptionen sind hier sehr fein untergliedert - nach Programmiersprachen, Betriebssystemen, Hardware- und Netzwerkkenntnissen etc. Auch hier ist die Zahl der Stellenangebote nicht besonders hoch. Bewerberbörse für Ingenieurinnen und Ingenieure Der Aufbau entspricht den schon beschriebenen spezifischen Stellenbörsen. Hier handelt es sich jedoch um ein Angebot ausschließlich für Arbeitgeber. Sie können hier Stellenangebote eingeben und nach Bewerbern suchen. Arbeitsuchende Ingenieurinnen und Ingenieure werden an den SIS und an ihren Arbeitsvermittler verwiesen. Managementvermittlung Enthält ebenfalls eine spezifische Stellenbörse, allerdings mit nur wenigen Angeboten. Außerdem wird über den speziellen Service der Bundesanstalt für Arbeit bei der Managementvermittlung informiert. So finden sich beispielsweise Kontaktadressen der zuständigen Berater bei der Zentralstelle für Arbeitsvermittlung (ZAV) in Bonn. Zusätzlich gibt es ein Diskussionsforum, das jedoch nicht sehr intensiv genutzt wird. Vermittlungsbörse für Firmennachfolgen, Kooperationen und Existenzgrü ndungen Neben allgemeinen Hinweisen zu Selbständigkeit und Existenzgründung findet man die entsprechende Vermittlungsbörse. Sie gleicht im Aufbau allen anderen spezifischen Stellenbörsen. Die Suche lässt sich beispielsweise nach Branche und Region eingrenzen. Es finden sich verhältnismäßig viele Einträge, man sollte jedoch die Seriosität der Angebote sorgfältig prüfen. Es werden teilweise dubios klingende Erfolgsversprechungen gemacht wie: "Lukrativer Nebenverdienst in Heimarbeit - kein Risiko!". Hier sollte man nicht zu viel erwarten. Doch es gibt auch seriöse und solide Angebote. Künstlerdienste Vermittelt werden hier Musiker (auch ganze Orchester und Bands), Models sowie Künstler aus den Bereichen Show, Artistik und Entertainment. Die entsprechenden Künstler präsentieren sich mit einem Foto. Informiert wird außerdem über die Tätigkeit der Künstlerdienste unter dem Dach der Bundesanstalt für Arbeit. Ergänzt wird dieses Angebot durch ein Diskussionsforum. ZBF - Zentrale Bühnen-, Fernseh- und Filmvermittlung Zuständig für alle künstlerischen und technischen Berufe in den Bereichen Schauspiel, Musiktheater, Film und Fernsehen. Das Onlineangebot enthält neben Diskussionsforum und allgemeinen Informationen eine Vermittlungsbörse, in der sich Film- und TV-Schauspieler präsentieren. ZIHOGA - Zentrale und internationale Management- und Fachvermittlung für Hotel- und Gaststättenpersonal Wie Managementvermittlung, Künstlerdienst und ZBF ist dies kein spezifisches Onlineangebot, sondern ein bestehender Service der Bundesanstalt für Arbeit. Die gebotenen Informationen sind sehr ausführlich und beziehne sich auch auf eine Beschäftigung im Ausland. Außerdem werden die Kontaktadressen der zuständigen Berater bzw. Vermittler genannt. Eine spezifische Stellenbörse gibt es nicht, Interessenten werden an den SIS verwiesen. Internationale Vermittlung Wie die Managementvermittlung ist die Internationale Vermittlung bei der ZAV in Bonn angesiedelt. Man erhält hier in erster Linie Informationen über die ZAV ("Ihre InterNationale Vermittlung"). Vermittelt werden Fach- und Führungskräfte. Unternehmen und Bewerber finden ihre passenden Ansprechpartner. Europäische Arbeitsverwaltungen Verweis auf das Netzwerk der europäischen Arbeitsverwaltungen (EURES). Angeschlossen sind die EU- bzw. EWR-Länder. Neben Beratung und Information zur Berufstätigkeit in den Ländern Europas gibt es beim EURES-Netzwerk eine internationale Bewerber- und Stellendatenbank. Der "Virtuelle Arbeitsmarkt" der Bundesanstalt für Arbeit entpuppt sich als ein Sammelsurium verschiedener spezifischer Stellenbörsen und weiterer "konventioneller" Vermittlungsangebote für bestimmte Berufsgruppen. Die Menge der Informationen und Serviceangebote lässt einen wuchernden Behördenapparat erkennen. Doch in dem Wust aus - zudem oft redundanten - Informationen und Verweisen finden sich einige sehr hilfreiche oder informative "Enklaven". Insbesondere die Linklisten des "Arbeitsmarktportals" bieten einen hervorragenden Einstiegspunkt in die Internet-Stellensuche. Dass die Stellenausschreibungen in den spezifischen Online-Jobbörsen der Arbeitsämter zur Zeit nicht besonders zahlreich sind, liegt vor allem an der desolaten Arbeitsmarktsituation. Die Nutzung dieser Serviceangebote ist trotz der schlechten Aussichten zu empfehlen - es wäre doch äußerst ärgerlich, die Chance auf eine Praktikumsstelle, einen Job oder eine Festanstellung nur deswegen zu verpassen, weil man das entsprechende Angebot nicht gelesen hat. Die komfortablen Suchmöglichkeiten erlauben eine sehr flexible Eingrenzung oder Ausweitung der Suchkriterien, so dass relativ schnell herausgefunden werden kann, ob passende Angebote in der Datenbank vorhanden sind. Die Unübersichtlichkeit und die schwer durchschaubare Systematik sind vermutlich auf die gewachsenen und weiter wachsenden Strukturen zurückzuführen. Hoffentlich besteht schon ein "Realisierungskonzept zur Umsetzung" des preiswürdigen "Virtuellen Arbeitsmarktes", so dass mit der eigentlichen Umsetzung möglichst bald begonnen werden kann. Es ist schade um die zahlreichen nützlichen Inhalte, die in der bestehenden Struktur leicht übersehen werden können. Markt (Arbeitsamt online) Der aktuelle "virtuelle Arbeitsmarkt" - von hier aus wird auf alle besprochenen Rubriken verwiesen http://www.arbeitsamt.de/hst/markt/index.html