Die Zahlen zeigen ein anderes Bild: Obwohl die Zahl der Gründungen seit 2006 insgesamt zurückgeht, steigt der Prozentsatz der Gründerinnen an. Vor allem Frauen in der Lebensmitte seien deutlich mutiger und dynamischer als Männer. 2005 gründeten laut KfW-Gründungsmonitor 36 Prozent Frauen, 2008 waren es bereits 41 Prozent. Tendenz steigend.

Die Bewerbungstrainerin Heidrun Walter aus Freiburg und die Partizipationsberaterin Claudia Zinser aus Berlin haben "frauen-typisch" gegründet. Beide nahmen keinen Kredit auf und sind mit ihrem jeweiligen Know-how in die Selbstständigkeit gegangen. Heidrun Walter kündigte vor vier Jahren ihre Festanstellung – und wollte sich Zeit mit der Neuorientierung lassen. Ihr Mann unterstützte sie finanziell und ideell. Ihre Bewerbungstrainings liefen irgendwann so gut, dass sie sich entschloss, den Gründungszuschuss bei der Agentur für Arbeit zu beantragen. Heute teilen sich die Ehepartner ihre Arbeit wieder 50:50.

Claudia Zinser sprang 2007 ins kalte Wasser. Die Erziehungswissenschaftlerin und Sozialpädagogin war 2007 arbeitslos geworden, ihre Unterstützung von der Arbeitsagentur wäre bald ausgelaufen und die Hoffnung auf eine Professur hatte sich zerschlagen. Die heute 45-Jährige erkannte ihr Alleinstellungsmerkmal und gründete innerhalb von zwei Monaten das Unternehmen "Ein Blick von außen." Es ist spezialisiert auf politische Partizipation von Jugendlichen, Teamentwicklung, Coaching für Beruf und Privatleben.

In wenigen Fällen arbeitet Claudia Zinser mit Kollegen zusammen. Sie schätzt die Teamarbeit und hätte gerne mehr davon. Doch Teams werden selten von den Auftraggebern finanziert. Keine direkten Ansprechpartnerinnen bei der Arbeit mehr zu haben fand auch Heidrun Walter erst mal hart. "Existenzgründung ist eher eine einsame Angelegenheit." Deshalb hat sie sich schnell mit anderen vernetzt.

"Unterhalte dich mit anderen Gründerinnen", rät auch Karsten Kohn. Frauen, die Netzwerke nutzen, haben gute Chancen. Heidrun Walter bekam darüber ihre ersten Aufträge vermittelt. Längst ist sie in der komfortablen Lage, Arbeit abzugeben, wenn ihre Kapazitäten nicht ausreichen. Rückblickend hat sich für sie das "Risiko" der Existenzgründung gelohnt.