Ich möchte einem Mitarbeiter fristlos kündigen. Was muss ich dabei beachten?, fragt Gerhard Mayer

Sehr geehrter Herr Mayer ,

Jeden Mittwoch beantwortet der Berliner Arbeitsrechtler Ulf Weigelt Fragen zum Arbeitsrecht auf ZEIT ONLINE

die fristlose Kündigungen ist für Ihren Mitarbeiter finanziell verheerend: Sie beenden das Arbeitsverhältnis von "heute auf morgen", stellen die Lohnzahlung ein, und die Agentur für Arbeit verhängt meist eine Sperrzeit.

Eine fristlose, auch bezeichnet als außerordentliche Kündigung ist aber nur möglich, wenn Ihnen als Arbeitgeber eine Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses bis zum Ablauf der regulären Kündigungsfrist nicht mehr zuzumuten ist.

Im Regelfall müssen Sie Ihren Mitarbeiter zuvor zunächst abmahnen – es sei denn, die Pflichtverletzung war schwerwiegend oder eine Abmahnung wäre von vornherein nicht Erfolg versprechend.

Zudem müssen Sie die fristlose Kündigung innerhalb von zwei Wochen nach dem Bekanntwerden der Pflichtverletzung aussprechen.

Leider schildern Sie nicht, was konkret Ihr Mitarbeiter "angestellt" hat. Deshalb hier einige von der deutschen Rechtsprechung anerkannte Gründe für fristlose Kündigungen:

Gründe, die sich auf das Vertrauen beziehen

1. Ist das Vertrauensverhältnis zwischen Ihnen und Ihrem Mitarbeiter nachhaltig zerstört, dann ist eine fristlose Kündigung möglich. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn Ihr Mitarbeiter bei seinem Jobwechsel versucht, Kollegen zum "Mit-Wechseln" zu bewegen – und damit den betrieblichen Ablauf stört.

2. Auch bei einem Verstoß gegen das Wettbewerbsverbot droht die fristlose Kündigung, beispielsweise darf Ihr Mitarbeiter nicht parallel für Ihre Konkurrenz arbeiten.

3. Strafanzeigen gegen Sie zum Zwecke der Schädigung, grobe Beleidigungen oder Rufschädigungen – insbesondere solche mit nachweisbaren Auswirkungen auf Ihre Geschäftsverhältnisse – können ebenfalls Gründe für eine außerordentliche Kündigung sein.

4. Ein gegen den Willen der Gewerkschaft und des Betriebsrats streikender Mitarbeiter kann ebenfalls fristlos entlassen werden.

5. Und bei einem vorsätzlichen Spesen- oder Stempelbetrug, wiederholtem und schwerwiegenden Missbrauch von Vertretungsvollmachten sowie grobem Verstoß gegen Verschwiegenheitspflichten kann ein Mitarbeiter ohne Vorwarnung vor die Tür gesetzt werden.

Gründe, die sich auf die Ausübung des Berufs beziehen

1. Alkoholismus kann ebenfalls ein Kündigungsgrund sein, wenn Ihr Mitarbeiter zu einer Gefahr für seine Kollegen und den Betrieb wird.

2. Die wiederholte Verletzung von Arbeitsschutzbestimmungen rechtfertigt ebenso eine fristlose Kündigung.