Ich bin als Auszubildende seit ein paar Monaten bei meinem Arbeitgeber beschäftigt. Leider sind mir in dieser kurzen Zeit schon einige Missgeschicke passiert. Um nicht auch noch auf der Weihnachtsfeier in das eine oder andere Fettnäpfchen zu treten, würde ich dieser Veranstaltung gern fernbleiben. Geht das so einfach?,
fragt Isabelle Küstner

Sehr geehrte Frau Küstner,

Arbeitgeber veranstalten Weihnachtsfeiern, um den betrieblichen Zusammenhalt zu stärken. Die Teilnahme an der Weihnachtsfeier ist allerdings nicht gesetzlich geregelt, somit also vom Grundsatz her freiwillig.

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Findet die Veranstaltung aber zu der regulären Arbeitszeit statt, müssen Sie theoretisch nicht teilnehmen, jedoch aber arbeiten. Denn Ihre arbeitsvertragliche Hauptpflicht besteht in der Erbringung der Arbeitsleistung. Ist dies nicht möglich, weil beispielsweise alle Kollegen zur Feier gehen und sie dementsprechend nicht arbeiten können, dürfen Sie nach Hause gehen, allerdings erst nach Zustimmung Ihres Dienstvorgesetzten. Mein Rat an Sie: Bevor Sie diesen Aufwand betreiben, gehen Sie zur Feier hin. Sie können sich dann immer noch nach einer Stunde unauffällig entfernen.

Ihre Bedenken sind jedoch berechtigt. Denn viele Arbeitnehmer vergessen, dass trotz der Feierlichkeit auch alle arbeitsvertraglichen Nebenpflichten weiter bestehen. So sind Beleidigungen oder Belästigungen zu unterlassen, denn sie können eine verhaltensbedingte und sogar eine fristlose Kündigung nach sich ziehen. Ich hatte einmal einen Fall zu vertreten, in dem eine Mitarbeiterin im Eifer des Gefechts ihre Geschäftsführerin als "blöde Kuh" betitelte. Es folgte prompt die fristlose Kündigung, der Fall beschäftigte zwei Instanzen.

Ich rate deshalb immer zu mäßigem Alkoholkonsum. Und gibt es den einen oder anderen Streithahn im Kollegenkreis, würde ich um diesen einen sehr großen Bogen machen. Denn das eigene korrekte Verhalten nützt nicht viel, wenn anderen Kollegen auf Krawall gebürstet sind und einen Streit provozieren.

Ihr Ulf Weigelt

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