Als hart und "oft wenig sinnvoll" haben Jobvermittler die Sanktionen für Jugendliche eingestuft, die Arbeitsangebote oder einen Ausbildungsplatz ablehnen. Vor allem die komplette Streichung von Hartz IV zwinge die jungen Leute oft zur Verschuldung oder fördere die Kleinkriminalität, geht aus einer nun veröffentlichten Studie des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervor.

Manche jungen Arbeitslose tauchten nach der Streichung der Grundsicherung auch einfach ab und entzögen sich damit dem Einfluss ihres Vermittlers oder Fallmanagers; die Integration in die Arbeitswelt werde damit zusätzlich erschwert. Die IAB-Studie basiert auf ausführlichen Interviews mit 26 Jobvermittlern.

Einen größeren erzieherischen Effekt bei den Jugendlichen hätte nach Einschätzung der Jobvermittler ein abgestuftes Sanktionssystem, wie es bei erwachsenen Arbeitslosen üblich sei. Stattdessen zwinge das Gesetz die Vermittler schon frühzeitig zur kompletten Streichung von Hartz IV für zunächst drei Monate.

Bei wiederholter Ablehnung eines angebotenen Ein-Euro-Jobs, eines berufsvorbereitenden Kurses oder einer Lehrstelle droht den Jugendlichen zudem die Streichung von Miet- und Heizkosten. Beim Verlust aller Leistungen hätten die Jugendlichen zudem nur noch einen Mindestanspruch auf medizinische Leistungen. In den vergangenen Monaten hatte es auch von politischer Seite immer wieder Rufe nach härteren Sanktionen gegen junge Hartz-IV-Empfänger gegeben.

Nach IAB-Erkenntnissen werden Jugendliche, auch aus pädagogischen Gründen, nicht nur besonders scharf, sondern auch vergleichsweise häufig sanktioniert. Im Schnitt wird jeder zehnte arbeitslose Jugendliche wegen einer Job-Ablehnung sanktioniert; die Sanktionsquote liegt damit etwa dreimal so hoch wie bei erwachsenen Erwerbslosen. Die Arbeitsmarktforscher führen dies auf die intensivere Betreuung junger Arbeitsloser zurück.

Im Jahr 2009 hatten die Arbeitsagenturen und Jobcenter 295.000 Sanktionen gegen junge Hartz-IV-Bezieher festgesetzt. Komplett gestrichen wurde die Grundsicherung in 8279 Fällen.

Die Bundesagentur für Arbeit (BA) betonte am unterdessen, die Grundsicherung würde nur in extremen Fällen verweigert, wenn Jugendliche jegliche Zusammenarbeit mit den Vermittlern ablehnten. So gebe es Fälle, in denen sich Jugendliche durch permanentes Krankschreiben der Jobvermittlung entzögen, berichtete eine BA-Sprecherin. Vor jeder "Voll-Sanktion" gebe es ein Anhörungsverfahren.

Zudem werde in der Praxis immer nach einem wichtigen Grund gesucht, um nicht zu scharf zu sanktionieren, betonte die Sprecherin. Das Problem sei allerdings, dass es unter den von den Jobcentern betreuten Jugendlichen immer mehr Totalverweigerer geben; Jugendliche träten immer aggressiver auf und seien immer anspruchsvoller.