Eine meiner Angestellten ist sehr neugierig. Immer, wenn ein Computer (auch meiner) an ist, liest sie die dort geöffneten Dokumente und E-Mails, selbst wenn es private Nachrichten sind. Ich habe nun von einem Urteil gehört, dass ich meiner Mitarbeiterin in solch einem Fall fristlos kündigen kann. Stimmt das?, fragt Carsten Maleke

Sehr geehrter Herr Maleke,

Mitarbeiter kann es den Job kosten, wenn sie unerlaubt die E-Mails ihrer Chefs lesen. Das von Ihnen angesprochene Urteil sprachen die Richter des Landesarbeitsgerichts München. In diesem Fall hatte jedoch ein EDV-Administrator seine Stellung missbraucht und sich eigenmächtig Zugang zu den E-Mails seines Vorgesetzten verschafft – und diese sogar auch noch ausgedruckt. Da dieser Mitarbeiter bereits vorher wegen ähnlicher Vorfälle mehrfach abgemahnt worden war, sprach das Unternehmen nach diesem Vorfall die fristlose Kündigung aus. Zu Recht, wie ich meine.

So nicht, dachte sich aber der EDV-Administrator, und erhob Kündigungsschutzklage vor dem Arbeitsgericht. Die Richter des Landesarbeitsgerichts München als Berufungsinstanz gaben jedoch dem Unternehmen Recht und entschieden, dass die fristlose Kündigung gerechtfertigt war.

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Grund: Ein solcher Missbrauch von Zugriffsrechten stellt einen schwerwiegenden Verstoß gegen die arbeitsvertraglichen Pflichten dar. Und durch diesen schweren Vertrauensbruch ist es dem Arbeitgeber nicht mehr zuzumuten, bis zum Ende der Kündigungsfrist weiter mit dem Mitarbeiter zusammenzuarbeiten.

Einen ähnlichen Fall habe ich einmal vor dem Arbeitsgericht Berlin vertreten. Hier hatte ein Mitarbeiter nachts das Büro der Geschäftsführung durchwühlt und zudem auch noch Briefpapier mitgenommen. In diesem Büro hatte er aber arbeitsmäßig nichts zu suchen. Die ganze Aktion wurde mehrfach videoüberwacht, was der Mitarbeiter aber nicht wusste. Die Geschäftsführung kündigte ihn fristlos. Auch hier wehrte sich der Arbeitnehmer mit der Kündigungsschutzklage. Das Arbeitsgericht Berlin gab dem Mitarbeiter Recht und erklärte die fristlose Kündigung für unwirksam, weil die Videoaufzeichnungen einem Beweisverwertungsverbot unterliegen würden. Auf meine Berufung hin sah es das Landesarbeitsgericht aber anders, weil der Büroraum nicht Arbeitsplatz des Klägers war. Letztendlich haben sich die Parteien dann verglichen.

Zu Ihrem Fall: Das Verhalten Ihrer Mitarbeiterin ist natürlich indiskutabel. Bei dem nächsten Vorfall sollten Sie der besagten Angestellten eine Abmahnung für Ihr Fehlverhalten aussprechen. Sie sind schließlich der Chef und können auch schon vorab klare Weisungen erteilen. So hat diese Mitarbeiterin die Chance, ihr Fehlverhalten abzustellen. Tut sie dies nicht, sondern geht weiterhin an fremde Computer, können Sie fristlos kündigen. So sollte diese Kündigung vor Gericht auch wirksam sein, weil letztendlich nicht nur eine Pflichtverletzung nach erfolgter Abmahnung begangen wird, sondern zudem auch noch Arbeitszeit nicht effektiv eingesetzt wird.

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