Die Nominierung von Christian Wulff als Bundespräsidenten-Kandidat hat Bundeskanzlerin Angela Merkel erneut als Machtpolitikerin entlarvt. Merz, Koch, Rüttgers, Wulff. Die Konkurrenten sind weg. Ihr Machtwille wird zum Medienthema. Sie habe die CDU "entmannt" , schreiben die einen. Von einem "geheimnisvollen Muster der Macht, einem tödlichen Kuss der Spinnenfrau, die jeden umbringt, der ihr zu nahe kommt ," die anderen.

Die Medienwissenschaftlerin Miriam Meckel thematisiert die Strategie in ihrem Blog sogar als Feminismus : "Das ist der Merkel-Feminismus: Alle mächtigen Männer der CDU solange wegzuloben oder zu befördern, bis sie selbst gehen, lahm gelegt oder jenseits des entscheidenden politischen Einflussradius angelangt sind." Eine Tücke habe diese Strategie: Im Windschatten der Kanzlerin gibt es fast keine jüngeren Frauen, die nachkommen können. Langfristig seien die Aufstiegskanäle für Frauen so verstopft.

Dieses Verhalten ist nicht neu: Immer wieder stellen Studien über den Umgang von Frauen mit der Macht fest, dass sie versäumen, ein Netzwerk mit jungen, loyalen Nachfolgerinnen aufzubauen. "Ich hatte es auch schwer, warum sollte es eine Jüngere leichter haben?", ist eine häufig genannte Antwort von Frauen, die durch die gläserne Decke gestoßen sind. Den Old-Boys-Networks stehen somit nur wenige weibliche Karrierenetzwerke gegenüber.

Auch Angela Merkel hat eher durch einen historischen Zufall die gläserne Decke durchstoßen. Erst als diese einen Sprung hatte, war es für eine Frau möglich, hindurchzubrechen. Und zwar, weil sie sich völlig emanzipiert hatte. Darum ist auch der Begriff des "Vatermords" falsch. Nein, Angela Merkel hat nicht ihren Mentor Helmut Kohl "ermordet", sie hat schlicht die Karrierechance genutzt, die sich ihr bot. Ohne Rücksicht auf geschlechtsspezifisches Rollenverhalten. Ein Mädchen tut so etwas nicht? Oh doch.

Nur mit Feminismus hat der Machtwille der Kanzlerin nichts zu tun. Geschlecht spielt für Angela Merkel keine Rolle. Und das ist auch gut so. Angela Merkel ist völlig emanzipiert von Rollenstereotypen. Weder ist sie "vermännlicht" durch i hr Berufsleben in den Männerdomänen Wissenschaft und Politik , noch hängt sie an der Sache der Frau. Die Einführung des Elterngelds unter ihrer Kanzlerschaft muss als Teil ihrer asymmetrischen Politikstrategie verstanden werden, die darauf ausgerichtet ist, Wählerinnen anzusprechen, die sonst nicht CDU wählen. Warum sollte sich Angela Merkel auch für die Sache der Frau einsetzen? Etwa weil sie Brüste hat ?

Dieser Schluss ist genauso falsch wie die Forderung, eine Frau dürfe nur Macht haben wollen, wenn sie diese auch zum Wohle aller nutze. Warum müssen Frauen besser sein? Damit Männer endgültig zu Defizitwesen werden? Gleichberechtigung ist, wenn alle machtgeil sein dürfen, wenn jeder – unabhängig vom Geschlecht – das Recht hat, mit dieser Macht auch Fehler zu machen.

Was ist Ihre Meinung? Unterscheiden sich Männer und Frauen im Umgang mit der Macht und wenn ja, wie? Diskutieren Sie mit uns!