Ich arbeite im Büro einer Druckerei. Unser Büro liegt in einem stickigen Altbau und im Sommer wird es hier so warm, dass wir vor Hitze kaum denken können. Über 30 Grad haben wir an besonders heißen Tagen gemessen! Unser Büro ist auch noch so gelegen, dass selbst die geöffneten Türen und Fenster nicht viel bringen, weil durch sie nur die Hitze der Maschinen herein kommt. Nun fragen meine Kolleginnen und ich uns, ob es ab einer gewissen Temperatur hitzefrei gibt oder ob unser Chef wenigstens verpflichtet ist, für eine gewisse Kühlung im Büro zu sorgen, beispielsweise durch Ventilatoren? Und können wir ab 30 Grad im Büro die Kleiderordnung lockern und barfuß im Büro laufen?, fragt Sabine Schulze.

Sehr geehrte Frau Schulze,

hitzefrei können Sie von Ihrem Arbeitgeber leider nicht erwarten. Zwar besteht die arbeitgeberseitige Pflicht, die Arbeitsräume so einzurichten, dass Arbeitnehmer "gegen Gefahr für Leben und Gesundheit soweit geschützt sind, als es die Natur der Dienstleistung gestattet". Auch verlangt die sogenannte Arbeitsstättenverordnung am Arbeitsplatz eine "gesundheitlich zuträgliche Raumtemperatur". Konkrete Angaben werden in den Gesetzen jedoch nicht gemacht.

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Lediglich die ausführende Arbeitsstätten-Richtline nennt eine schwammige Obergrenze: "Die Lufttemperatur in Arbeitsräumen soll plus 26 Grad Celsius nicht überschreiten. Bei darüber liegender Außentemperatur darf in Ausnahmefällen die Lufttemperatur höher sein." 

Arbeitsrechtlich, wie ich meine, können Sie diese Raumtemperatur also kaum durchsetzen. Sie ist "nur" ein Sollwert. Und auf keinen Fall können Sie daraus ein Recht zur Verweigerung der Arbeitsleistungen ableiten und sich etwa selbst beurlauben. Weisen Sie Ihren Arbeitgeber auf die Problematik hin und versuchen Sie, mit ihm gemeinsam eine Lösung zu finden. Viele Unternehmen reagieren auf die enorme Hitze und verteilen kostenlose Getränke sowie Ventilatoren oder Raumluftbefeuchter. 

Bestimmte Personengruppen wie Schwangere und stillende Mütter können in der Praxis auf strengere Regeln zurückgreifen. Voraussetzung: Sie weisen ein ärztliches Attest vor, das die Einhaltung bestimmter Raumtemperaturen fordert. Kann der Arbeitgeber das nicht ermöglichen, so haben Schwangere und stillende Mütter Anspruch auf Beschäftigung an einem anderen (kühleren) Ort oder sogar auf Freistellung.