Kunden sollen sich von fünf bis zehn Anbietern gleichzeitig ein unverbindliches Angebot einholen, empfiehlt Meunier. Denn hat eine Versicherung den Kunden abgelehnt, steht diese Information im "Hilfsinformationssystem" (HIS), der zentralen Datenbank aller Versicherungen – und das mindert die Chance, überhaupt einen Versicherer zu finden. Heuschnupfen, Nackenschmerzen, ein paar Stunden Psychotherapie reichen vielen Anbietern bereits als Grund, den Antragsteller als Kunden abzulehnen. Ob man mit seinen bereits bestehenden Problemen überhaupt eine BU bekommen kann, klärt eine anonyme Risikoanfrage über einen Versicherungsmakler. Darin sind alle Daten bis auf den Namen des Kunden genannt, die Versicherung kann also keinen Vermerk über den Kunden im HIS machen.

Die eingegangenen Versicherungsangebote sollte der Verbraucher miteinander vergleichen, sagt Susanne Meunier. Wichtig sei, dass die Versicherung bis zum Renteneintritt mit 67 laufe. "Gerade junge Kunden machen oft den Fehler, dass sie die Versicherung nur bis zum 50. oder 60. Lebensjahr abschließen – danach kommt aber erst die kritische Phase." Wie hoch die monatliche Rente sein soll, muss jeder Versicherte selbst überlegen, im Internet gibt es Formulare, die bei der Berechnung helfen. Die Inflation der nächsten Jahre sollte berücksichtigt werden. Damit die monatliche Rente auch im Nachhinein noch angepasst werden kann, zum Beispiel wenn der Versicherte eine Familie gründet, muss der Vertrag eine "Nachversicherungsgarantie" enthalten.

Wie viel eine BU monatlich kostet, entscheiden der Beruf des Versicherten, der Gesundheitszustand, das Alter – und auch das Geschlecht: Frauen zahlen derzeit noch mehr, da sie rein statistisch häufiger berufsunfähig werden. Das hat der Europäische Gerichtshof allerdings als diskriminierend befunden , ab dem 21. Dezember 2012 müssen die Versicherungen einen Unisex-Tarif anbieten. Grundsätzlich stufen die Unternehmen alle Berufe in ein vier-, manchmal auch fünfstufiges Raster: Steuerberater und Wirtschaftsprüfer fallen in die Kategorie "geringes Risiko", Dachdecker haben laut Versicherung ein "sehr hohes Risiko", berufsunfähig zu werden. "Das ist eigentlich unfair, die weniger Verdienenden müssen auch noch mehr für ihren Berufsschutz zahlen", sagt Meunier. Manche Berufe, wie zum Beispiel Lehrer und Busfahrer, lassen sich grundsätzlich nur bis zum 55. oder 60. Lebensjahr versichern, andere gar nicht, zum Beispiel Sprengmeister .

So unterschiedlich wie jeder Versicherte sind auch die Angebote der Versicherungen. In einem Beispiel des aktuellen Stiftung Warentest-Berichts variieren die Angebote an eine 30-jährige Diplomkauffrau, die sich bis zum 67. Lebensjahr mit einer monatlichen Rente von 2.000 Euro absichern möchte, zwischen 870 Euro und 2.282 Euro monatlichem Beitrag.

Tritt der Ernstfall tatsächlich ein und der Versicherte wird berufsunfähig, muss ein Arzt die 50-prozentige Berufsunfähigkeit für mindestens sechs Monate attestieren. Bis vor wenigen Jahren hatten die Versicherungen dann die Möglichkeit der "abstrakten Verweisung", das heißt, sie konnten den Versicherten an einen anderen, gleichwertigen Beruf verweisen, in dem er noch fähig war, zu arbeiten. Heute gibt es meist nur die "konkrete Verweisung", das heißt, die Versicherung darf den Versicherten ausschließlich an einen Beruf verweisen, der dem eigenen sehr ähnlich ist. Ein Rechtsanwalt könne also nach einem Schlaganfall nicht gezwungen werden, als Künstler zu arbeiten, erklärt Köster.

Hat der Versicherte die Berufsunfähigkeit gemeldet, "wird die Versicherung versuchen, einen Grund zu finden, die Leistung zu verweigern", sagt Köster. Sie werde prüfen, ob der Kunde richtige Angaben beim Vertragsabschluss gemacht hat. Deswegen ist es entscheidend, beim Antrag absolut ehrlich zu sein und nichts zu verschweigen, rät Meunier – sonst verweigere der Versicherer die Zahlung wegen vorsätzlicher Täuschung und alle jahrelangen Beiträge waren vergebens. Hat ein Vermittler den Antrag ausgefüllt, sollte der Kunde in jedem Fall alle Angaben nocheinmal kontroliieren und eine Kopie aufbewahren.

Schließlich gibt es Risiken, die keine Versicherung absichert: Reist man auf eigenen Wunsch in verstrahlte Gebiete wie derzeit Fukushima und wird berufsunfähig, zahlt keine Versicherung.