Rund sieben Cent Zinsen bringt jeder in die eigene Bildung investierte Euro in Deutschland, schätzt die Industrieländerorganisation OECD. Das ist viel, auf keinem Sparbuch gibt es mehr. Die Rechenspiele der Organisation haben jedoch einen Haken: Es handelt sich um Durchschnittswerte, nicht jeder kriegt so viel raus.

Die Ökonominnen Daniela Glocker und Johanna Storck vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) haben nun untersucht, wie stark sich die späteren Nettolöhne zwischen den Fächern unterscheiden. Sie stützen sich dabei auf Daten des Mikrozensus der Jahre 2005 bis 2008. Auf Basis von mehr als 100.000 Befragten schätzen die beiden Forscherinnen, mit welchem Nettolohn die Absolventen verschiedener Fachrichtungen im Durchschnitt vom Einstieg in den Arbeitsmarkt bis zur Rente rechnen können. Es ist die bisher umfangreichste Untersuchung in Deutschland. Die Ergebnisse liegen ZEIT ONLINE vor.

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Demnach klaffen zwischen den Nettolöhnen enorme Lücken (siehe Grafik). Mit einem durchschnittlichen Stundenlohn von 19,33 Euro für Männer und 15,50 Euro für Frauen schneiden Zahnmediziner am besten ab. Danach folgen die klassischen Universitätsfächer Betriebswirtschaftslehre, Jura und andere medizinische Fachrichtungen. Sozialarbeiter, Historiker und Architekten rangieren hingegen am Ende der Skala. Ein männlicher Sozialarbeiter mit Universitätsabschluss erhält im Durchschnitt nur 8,90 Euro netto die Stunde – also etwa die Hälfte eines Mediziners.

Auch technische und naturwissenschaftliche Fächer zählen nicht zu den bestbezahlten Fachrichtungen. Für die Autoren ist das ein Hinweis darauf, dass sich der Fachkräftemangel noch nicht bemerkbar macht. Zumindest habe er sich noch nicht in "besseren Verdienstmöglichkeiten" niedergeschlagen, schreiben sie. Der DIW-Ökonom Karl Brenke hatte zuletzt den Fachkräftemangel unter Ingenieuren grundsätzlich in Zweifel gezogen.

Die Zahlen der Forscher zeigen auch: Hochschulabsolventen verdienen in der Regel besser als Nichtakdemiker. Allerdings nicht immer. Die Stundenlöhne von männlichen Versicherungskaufleuten und Buchhaltern mit beruflicher Ausbildung etwa liegen höher als jene von Lehramtsabsolventen und Geisteswissenschaftlern. Auch Politikwissenschaftler, Mathematiker und Erziehungswissenschaftler verdienen schlechter als im Durchschnitt aller Abiturienten. Die Ergebnisse belegen zudem einen altbekannten Missstand: Frauen bekommen in fast allen Fachrichtungen weniger Geld als Männer.

Hier können Sie alle Ergebnisse der DIW-Forscher in einem Google-Dokument einsehen.

Johanna Storck, eine der Autorinnen der im Artikel zitierten Studie, beantwortet im Kommentarbereich Ihre Fragen.