Lange hatte EU-Justizkommissarin Viviane Reding eine gesetzliche Frauenquote für Aufsichtsräte der börsennotierten Unternehmen in der EU angedroht , jetzt könnte die Regelung offenbar kommen: Im Oktober will die Kommissarin einen entsprechenden Gesetzesvorschlag vorlegen, berichtet das Handelsblatt . Der Vorschlag sieht vor, bis zum Jahr 2020 einen Frauenanteil von 40 Prozent in den Aufsichtsräten  zu erreichen. Innerhalb der Kommission habe der Vorschlag Rückendeckung, hieß es. Derzeit schätze die Kommission die Folgen des geplanten Gesetzes ab.

Das Gesetz soll europaweit für Führungsgremien gelten. Wo, wie in Deutschland, zwischen Aufsichtsrat und Vorstand unterschieden wird, soll die Quote für den Aufsichtsrat gültig sein, nicht aber für den Vorstand. In den Aufsichtsräten werden allerdings die Personalentscheidungen für die Vorstände getroffen.

Reding hat für den Sommer weitere konkrete Vorschläge angekündigt. Eine dreimonatige öffentliche Anhörung dazu sollte Ende Mai ablaufen. Im März hatte Reding kritisiert, dass freiwillige Selbstverpflichtungen nicht das gewünschte Ergebnis gebracht hatten.

Frauenanteil zuletzt leicht gestiegen

Eine von der EU-Kommissarin initiierte Selbstverpflichtung, bis 2015 den Frauenanteil in der Spitze auf 30 und bis 2020 auf 40 Prozent zu erhöhen, hatten in ganz Europa bis März nur 24 Unternehmen unterschrieben. 

In Deutschland ist der Frauenanteil in den Kontrollgremien zuletzt leicht gestiegen , stellt der Women-on-Board-Index fest, den die Initiative Frauen in die Aufsichtsräte (FidAr) erhebt.

Ob die gesetzliche Frauenquote im Herbst aber wirklich kommen wird, ist noch ungewiss. Geltendes Gesetz wird der EU-Vorschlag nur, falls EU-Länder und Europaparlament ihn verabschieden. Hierzulande ist die Politik uneins, ob eine starre gesetzliche Quote realisierbar ist. Während Bundesfamilienministerin Kristina Schröder eine verpflichtende Quote ablehnt und eine flexible Quote ("Flexiquote") für die Unternehmen und jeweiligen Branchen befürwortet, setzt sich Arbeitsministerin Ursula von der Leyen für die fixe Quotenregelung ein.