Während in Brüssel und Berlin noch über eine Frauenquote für die Wirtschaft gestritten wird, macht Hamburgs Justizsenatorin Jana Schiedek ( SPD ) Nägel mit Köpfen: Die Senatorin will ein Gremienbesetzungsgesetz auf den Weg bringen, das eine Quote von 40 Prozent Frauenanteil in den Aufsichtsräten und Beiräten städtischer Unternehmen vorsieht. Auch sollen alle öffentlichen Gremien – also Gremien, in denen die Stadt Vertreter entsendet wie die Ärztekammer oder Ethikkommission der Hansestadt – mit 40 Prozent Frauen besetzt sein. Der Senat wolle so der Gleichstellung Rechnung tragen, berichtet das Hamburger Abendblatt.

Beschlossen ist die Quote freilich noch nicht. Der Vorschlag könnte dennoch wegweisend sein. Hamburg wäre das erste Bundesland, das eine Frauenquote für die Wirtschaft einführt.

Unter den Stadtstaaten scheint es beliebt zu sein, in kontroversen Fragen gesetzliche Vorstöße auf Landesebene zu unternehmen. Erst kürzlich hatte Bremen einen landesweiten Mindestlohn auf den Weg gebracht. Er gilt für alle Unternehmen, an denen das kleinste Bundesland beteiligt ist sowie für jene Firmen, die öffentliche Aufträge erhalten.

Von der Frauenquote für Hamburg wären rund 350 Unternehmen betroffen, berichtet die Tageszeitung Die Welt .

Aktuell liegt der Frauenanteil in den Führungsetagen dieser Firmen bei rund 20 Prozent – und damit sogar höher als der Frauenanteil in den Kontrollgremien der 160 börsennotierten Unternehmen bundesweit. Der Women-on-Board-Index stellte Mitte Juli einen kumulierten Frauenanteil in den Führungsgremien von 9,5 Prozent fest (Vorstand und Aufsichtsräte). Gegenüber den Vorjahren war das eine leichte Verbesserung .

Gesetzesregelung aus Brüssel angekündigt

Die Hamburger Justizsenatorin gilt als große Befürworterin der Frauenquote. Bereits Ende Mai hatte sie im Bundesrat eine Initiative für eine Frauenquote für die Aufsichtsräte börsennotierter Unternehmen eingebracht .

Der Entwurf sieht eine schrittweise Erhöhung von 20 Prozent bis zum Jahr 2018 und 40 Prozent bis zum Jahr 2023 vor. Erfüllen Unternehmen die Quote nicht, sollen sie nach dem Beispiel Norwegens steuerlich sanktioniert werden. In dem skandinavischen Land wurde bereits 2006 eine Frauenquote eingeführt. Der Bundesrat soll im Herbst über die Initiative abstimmen.

Ebenfalls im Herbst will EU-Kommissarin Viviane Reding einen Gesetzesentwurf für eine europaweite Frauenquote vorlegen. Wann über das Hamburger Gremiengesetz abgestimmt wird, ist indes noch unklar.