Jedem ist mittlerweile klar, dass sich die Zeiten geändert haben. Der militante Führungsstil ist ebenso aus der Mode, wie der Karrierepfad von Ausbildung bis Rente in ein und demselben Unternehmen. Von Führungskräften wird heute einerseits erwartet, dass Sie Ergebnisse bringen und hart in der Sache sind. Andererseits wollen die Mitarbeiter, dass der Umgang "menschlich" bleibt. Manager wollen von diesem Ponyhof-Verhalten meistens nichts hören. Vor allen Dingen dann nicht, wenn die Organisation unter Druck steht, und die Ergebnisse hinter Plan liegen. Mitarbeiter empfinden das Verhalten der Manager dagegen als dominant bis arrogant. Wie lässt sich dieser Konflikt lösen?

Die Art und Weise, wie wir auf andere Menschen wirken, hängt vor allem von unserer Körpersprache ab. Doch wie verhält sich eine Führungskraft in der Praxis? In unser Analyse von mehr als 6.500 Teamsituationen haben wir beobachtet, dass Menschen mit Verantwortung typische körpersprachliche Mikromuster zeigen. Ihre Stimme ist monoton und flach. Am Satzende geht die Betonung runter. Dabei sinkt manchmal das Kinn ein bisschen mit nach unten. Der Kopf wird gerade und ruhig gehalten. Sie kennen dieses Verhalten von Piloten: "Hier spricht der Captain! ... Bleiben Sie am Platz!"

Menschen, die weiter unten auf der Karriereleiter arbeiten, zeigen meistens eine ganz andere Körpersprache. Ihre Stimme bewegt sich auf und ab. Am Satzende geht die Betonung hoch. Der Kopf bewegt sich beim Sprechen hin und her. Ähnlich wie bei einer Stewardess: "Herzlich Willkommen an Bord... Milch und Zucker zum Kaffee?"

Analogie von Hund und Katze

Durch ihre Körpersprache wirken diese Menschen unterschiedlich auf uns. Piloten empfinden wir als glaubwürdig. Sie senden Informationen. Stewardessen wirken zugänglich auf uns. Sie erfragen Informationen. Wir sprechen wegen dieser Unterschiede von der "Analogie von Hund und Katze":

  • Piloten verhalten sich wie Katzen. Sie sind autark. Und wenn man sie ruft, liegt es an der Katze, ob und wann sie reagiert. Katzen sind Ergebnisse am wichtigsten.
  • Stewardessen verhalten sich dagegen wie Hunde. Wenn Sie einen Hund rufen, kommt er zu Ihnen. Denn ihm liegt die Beziehung am Herzen.

Diese körpersprachlichen Muster sorgen in der Praxis immer wieder für Turbulenzen: Der Chef fragt (mit der Stimme eines Piloten): "Was halten Sie davon, wenn wir das Muster in blau gestalten?". Die Frage ist vom Chef als Vorschlag gemeint. Sie wirkt jedoch auf den Mitarbeiter wie ein Befehl, da er im Vergleich zum Chef ein Hund ist.

Oder ein Teammitglied wird zum Teamleiter befördert. Seine Körpersprache verändert sich: entsprechend seiner Position wird er mehr zur Katze. Das hat Auswirkungen. Seine Kollegen tuscheln in der Mittagspause: "Den Jürgen erkenne ich gar nicht mehr wieder, seit er die neue Position hat...". Dagegen beschwert sich der beförderte Manager bei seiner Frau: "Seit ich die neue Position habe, bekomme ich gar nichts mehr von der Front mit".

Oder ein Mitarbeiter klopft beim Chef an die Tür. Er fragt vorsichtig: "Chef, darf ich Sie mal kurz stören? ... Es dauert auch nicht lange... Ich hoffe, Sie hatten ein schönes Wochenende...". Dabei rollt der Chef bereits die Augen und denkt (oder sagt): "Mensch, kommen Sie zur Sache!"