Nach Feierabend grillen auf dem Firmendach – das IT-Unternehmen Cortado AG setzt bei seinen Mitarbeitern auf eine gute Arbeitsatmosphäre. Deshalb setzt die Geschäftsführung auch seit drei Jahren auf eine direkte Mitarbeiterbeteiligung am Erfolg

Seither ist Cortado eine Aktiengesellschaft. 25 Prozent des Unternehmens gehören den Mitarbeitern als Aktie. Dieses Jahr ist das Unternehmen zu einem der beliebtesten Arbeitgeber in Berlin gewählt worden. "Wir profitieren von der Mitarbeiterbeteiligung", sagt Vorstandsmitglied Sven Huschke. Die Mitarbeiter seien stärker motiviert, auch die Bindung ans Unternehmen sei gestiegen, sagt er. In Vorstellungsgesprächen erkundigten sich Bewerber immer wieder nach dem Angebot.

Solche Beteiligungen haben für Unternehmen viele Vorteile, sagt Henrich Beyer, Geschäftsführer des Bundesverbandes Mitarbeiterbeteiligung. "Dies führt zu einer Unternehmenskultur, in der sich die Mitarbeiter mit ihren Ideen und eigener Initiative einbringen können." Höhere Gewinne und eine größere Attraktivität des Unternehmens als Arbeitgeber seien die Folge. Auch habe der frühere Bundespräsident Horst Köhler schon auf diese Wirkung hingewiesen, als er 2005 für eine stärkere Beteiligung der Beschäftigten am Erfolg der Unternehmen warb.

Die Skepsis vieler Arbeitgeber ist jedoch groß. Die Zahl der Mitarbeiterbeteiligungen stagniert seit Jahren. Es sind vor allem größere, börsennotierte Unternehmen, die ihre Mitarbeiter beteiligen – immerhin ein Drittel setzt Erfolgsbeteiligungen ein – kleine Firmen sind dagegen eine Seltenheit. Insgesamt machen nur neun Prozent der Unternehmen hierzulande von einer Erfolgsbeteiligung Gebrauch, gerade einmal zwei Prozent setzen Kapitalbeteiligungen ein.   

Kleinere Unternehmen bieten Beteiligungen kaum an

Die Kleineren scheuen die hohen Verwaltungskosten. Denn mittelständische Unternehmen sind meist Gesellschaften mit beschränkter Haftung (GmbH) und keine Aktiengesellschaften, die einfach Beteiligungsaktien ausgeben können. Sollen bei einer GmbH die Angestellten Mitgesellschafter werden, müssen diese einzeln notariell ins Handelsregister eingetragen werden – ein enormer Aufwand.

Viele Unternehmer fürchten zudem, dass die Mitarbeiter durch die Beteiligungen zu viel Mitspracherecht erhalten, was Entscheidungen lähmen könnte.

Die Firma Brohl Wellpappe GmbH & Co. KG aus Brohl in Rheinland-Pfalz hat die Erfahrung gemacht, dass diese Sorge unbegründet ist. Vor 235 Jahren gegründet, arbeiten in dem Unternehmen mittlerweile rund 600 Mitarbeiter. Seit zehn Jahren können sich diese mit ihrem privaten Kapital am Unternehmen beteiligen. Dafür hat das Unternehmen eine Beteiligungsgesellschaft gegründet, die ihrerseits an der Hauptgesellschaft als stille Gesellschafterin beteiligt ist. An dieser Gesellschaft wiederum sind die Mitarbeiter als stille Gesellschafter beteiligt. "Diese Form war für uns die beste Lösung", sagt Geschäftsführer Maximilian Boltersdorf. Das eingesetzte Kapital der Mitarbeiter wurde in den vergangenen Jahren mit durchschnittlich acht Prozent verzinst.

Und was ist mit dem Risiko? Gewerkschaften kritisieren, dass bei solchen Beteiligungen ein doppeltes Risiko für die Mitarbeiter bestehe. Wenn das Unternehmen insolvent wird, verliert der Mitarbeiter nicht nur seinen Job, sondern auch sein eingesetztes Kapital.