Hakan und Tim sind gleich alt, haben beide die gleich guten Noten, sie haben beide schon ein Praktikum im späteren Wunschberuf gemacht und sie stehen kurz vor dem gleichen Schulabschluss an der gleichen Schule. Sie unterscheiden sich letztlich nur durch den Namen – und dadurch, dass Tim häufiger zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen wird als Hakan. Warum? Forscher des Sachverständigenrats Deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR) kommen in ihrer Studie zu den Jobchancen von Jugendlichen mit Migrationshintergrund zu der Schlussfolgerung, dass der für die Studie erdachte Bewerber "Hakan" aufgrund seiner Herkunft benachteiligt wird.

Die Forscher hatten für ihre Untersuchung die Bewerber "Tim" und "Hakan" erfunden. Sie wollten herausfinden, ob es für Jugendliche mit türkischem Namen tatsächlich schwieriger ist einen Ausbildungsplatz zu finden als für Jugendliche mit deutschem Namen. Mehr als 3.500 Bewerbungen verschickten sie an gut 1.750 Unternehmen. Jede Firma bekam eine Bewerbung sowohl von "Tim" als auch eine von "Hakan". 

Beschränkt hatten sich die Wissenschaftler ausschließlich auf zwei Ausbildungsberufe, die von männlichen Jugendlichen besonders häufig gewählt werden: Automechaniker und Bankkaufmann. Für den Bürojob erfanden sie die Bewerber "Lukas Heumann" und "Ahmet Aydin". Für die Mechaniker-Stellen schickten sie "Tim Schultheiß" und "Hakan Yilmaz" ins Rennen.

Das Ergebnis: Für eine Lehrstelle als Automechaniker musste "Hakan" sieben Bewerbungen verschicken, bis er zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen wurde, "Tim" hingegen kam nach vier Bewerbungen zum Jobinterview. Für die Ausbildung als Bankkaufmann erhielt Bewerber "Lukas" nach sechs Bewerbungen, Ahmet aber erst nach sieben.  

Anonyme Bewerbungen könnten für mehr Fairness sorgen

Dabei gab es zwischen den fiktiven Bewerbern keinerlei Unterschiede. Sie sind 16 Jahre alt, haben die deutsche Staatsangehörigkeit, machen demnächst den Realschulabschluss und können ein Praktikum in der jeweiligen Branche vorweisen. Die Anschreiben waren nicht vollkommen identisch, aber gemeinsam mit Berufsberatern so formuliert, dass kein Bewerber einen erkennbaren Vorteil hatte. 

Die Autoren der Studie befürworten auf Grundlage der Ergebnisse die anonyme Bewerbung ohne Angaben von Name, Alter, Geschlecht oder Foto.  Ob allein die anonyme Bewerbung der ungleichen Auswahl ein Ende setzt, ist fraglich. Ein Blick in die Ausbildungsstatistik zeigt: Nicht einmal 30 Prozent der ausländischen Bewerber mit mittlerem Schulabschluss bekamen 2011 einen Ausbildungsplatz, bei den deutschen Bewerbern waren es fast 50 Prozent.