Frage: Herr Mankoff, Sie verantworten seit 1997 die Auswahl der Cartoons der Zeitschrift New Yorker. Sind Sie ein lustiger Mensch?

Bob Mankoff: Bei mir ist Humor ein ständiger Begleiter. Viele Amerikaner sind so. Sie sind in jedem Moment bereit, umzuschalten und einen Witz zu machen. Das kann sehr hilfreich sein. Humor sorgt für eine Pause, für ein Durchatmen. Zum Beispiel, wenn sich Menschen in verschiedenen Positionen verrannt haben. Humor kann das überwinden.

Bob Mankoff, Chefcartoonist des Magazins "New Yorker"

Frage: Die politische Landschaft in den USA war nie so gespalten wie heute. Linke und Rechte können kaum noch miteinander reden. Kann Humor das Eis brechen?

Mankoff: Es hängt davon ab, wie weit Menschen voneinander entfernt sind. Wenn sich ein Ehepaar streitet, dann sind die Gräben möglicherweise nicht sehr tief. Wahrscheinlich dreht sich der Streit um lächerliche Dinge des Alltags. Eine witzige Bemerkung, über die beide lachen müssen, kann hier Wunder wirken. Aber je tiefer die Gräben sind, umso weniger bringt Humor. Ich kann mir keine humorvolle Bemerkung von George W. Bush vorstellen, die die Taliban bewogen hätte, zu sagen: "Hey, du bist eigentlich ein echt netter Kerl, wir laden dich auf einen Drink ein."

Frage: Was heißt das für den Humor im Geschäftsleben?

Mankoff: Das ist übertragbar. Wenn Gräben noch überbrückbar sind, wenn es etwa nur um unterschiedliche Preisvorstellungen von Einkäufer und Verkäufer geht, kann Humor viel bewirken. Ich habe mich kürzlich in einem neuen Fitnessstudio angemeldet. Als es um den Preis ging, habe ich zu der Mitarbeiterin gesagt: Bekomme ich einen Rabatt, weil ich so ein heißer Typ bin? Sie lachte, und ich bekam meinen Rabatt. Einfach so, ohne verbissene Feilscherei. Die Gesellschaft, die Arbeitswelt sind oft furchtbar ernst, kalt und unmenschlich. Das verleitet uns dazu, selbst unmenschlich zu werden. Humor macht uns wieder menschlich. Wenn Sie mit anderen Leuten in einem Lift feststecken, können Sie bitter klagen und schimpfen und das Ende der Welt beschwören. Sie können aber auch darüber lachen.

Frage: Nicht immer klappt das mit dem Humor. Vielleicht will im feststeckenden Lift keiner einen Witz hören.

Mankoff: Natürlich kann man nicht immer Scherze machen. Es gibt echte Krisen, in denen Humor fehl am Platz wäre. Aber das Problem ist, dass die Menschen dazu tendieren, überall und jederzeit eine Krise zu sehen.

Frage: Warum auch nicht? Es sind überall Krisen – ökonomische, gesellschaftliche, ökologische, politische.

Mankoff: Aber es gibt wenige Krisen, die so katastrophal sind, dass Humor tabu wäre. Nehmen Sie das Finale in unserer Baseball-Liga. Das ist eine Veranstaltung, die den Amerikanern wirklich heilig ist, die andere Kulturen aber überhaupt nicht interessiert. Bei einem solchen Finale kommt es immer zu Momenten, die Millionen von Fans als schwere Krise verstehen. In einer solchen sehr ernsten Lage sagte einmal ein Spieler zum anderen: Entspann dich, Junge, einer Milliarde Chinesen ist es scheißegal, wie das hier ausgeht. Was meinen Sie, wie befreiend das für die beiden Spieler war.

Frage: Das Magazin New Yorker steht für eine bestimmte Art von Humor. Wie würden Sie ihn beschreiben?

Mankoff: Bei 95 Prozent des Humors im Alltag geht es darum, sich über andere lustig zu machen. Der Humor im New Yorker ist breiter angelegt. Vor allem geht es darum, dass die Leser weniger über andere, sondern eher über sich selbst lachen. Das ist eine recht hoch entwickelte Form von Humor. Für die Philosophen der alten Griechen war Humor noch eine Form von Aggression. Quasi Schläge ohne körperliche Folgen. In den humoristischen Schriften Großbritanniens des späten 19. Jahrhunderts ging es vor allem darum, dass die herrschende Aristokratie sich lustig machte über die armen, ungebildeten Leute. Heute haben wir uns von diesen primitiven Formen des Humors ein gutes Stück entfernt. Der Humor wurde menschlicher und gebildeter.