Frauen leiden unter einer Doppelbelastung: Sie gehen arbeiten und machen noch den ganzen Haushalt. Am Ende arbeiten sie viel mehr als Männer. So zumindest lautet eine gängige Vorstellung. Aber stimmt das? Nicht ganz, wie Zahlen der Industrieländerorganisation OECD zeigen. Betrachtet man nämlich die schlichte Zahl von Arbeitsstunden, so zeigt sich, dass Männer und Frauen gleich viel arbeiten.

Frauen arbeiten weniger bezahlt im Job, dafür aber viel mehr unbezahlt zu Hause, wie die Infografik zeigt, die das Statistikportal Statista für ZEIT ONLINE erstellt hat. Wie groß die Differenz zwischen bezahlter und unbezahlter Arbeit ist,  hängt stark von der Frauen-Teilzeitquote im jeweiligen Land ab.

So sind die Unterschiede zwischen Männern und Frauen in Japan am größten. Hier herrscht noch ein sehr traditionelles Frauenbild vor: Ein großer Teil der Frauen unterbricht mit der Geburt des ersten Kindes die Erwerbstätigkeit für einige Zeit komplett oder reduziert die Arbeitszeit deutlich. Gut 20 Stunden in der Woche verbringen die Frauen mit unbezahlter Arbeit, 22,5 Stunden weniger bezahlte Arbeit nehmen sie dafür in Kauf.  

In Frankreich sind es 12,6 Stunden in der Woche für unbezahlte Familienarbeit. In Deutschland sind es im Schnitt nur 6,6 Stunden. In Schweden, einem der Länder, in dem die Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen am weitesten ist, verrichten Frauen im Schnitt nur 4,2 Stunden unbezahlte Arbeit in der Woche.

Dass Männer und Frauen in vielen westlichen Ländern auf der Welt in etwa die gleiche Anzahl an Stunden arbeiten, beschreibt auch die Managementprofessorin Alison Wolf in ihrem Buch The XX Factor: How working Women are creating a new Society sehr anschaulich. Sie hat die neuesten Daten ausgewertet und stellt dar, dass sich die Geschlechter offenbar nach wie vor die Arbeiten entsprechend aufteilen: Er klotzt im Job ran, sie reduziert, aber kümmert sich um Haushalt und Kinder. Addiert man die Arbeitsstunden jeweils, kommen Männer und Frauen auf die gleiche Zahl von Stunden. Und das scheint in den meisten westlichen Ländern gleich zu sein, egal ob Kanada, USA oder in der EU.

In Deutschland arbeiten 45 Prozent der Frauen im erwerbsfähigen Alter in Teilzeit. Und 69 Prozent der Mütter. Die allermeisten von ihnen haben sich bewusst für Teilzeit entschieden, weil sie so Familie und Beruf besser vereinbaren können. So erklärt sich auch, wie es zu den großen Unterschieden an Arbeitsstunden für Haushalt und Erziehung kommen kann, wie eine Statistik der OECD erst im März gezeigt hatte.

Demnach verbringen Frauen durchschnittlich 164 Minuten am Tag mit Putzen, Kochen oder Bügeln, Männer gerade einmal 90 Minuten. Zusammen macht das über vier Stunden täglich für die Hausarbeit. In Schweden verbringen Frauen im Schnitt 95 Minuten am Tag mit Hausarbeit, Männer fast 80 Minuten. Ganz anders in Indien, wo Frauen am Tag 298 Minuten mit Hausarbeit und Kindererziehung verbringen und die Männer lediglich 18,5 Minuten.