In Spanien oder Lateinamerika heißt es Siesta, in Japan wird es Inemuri genannt. In vielen Ländern ist eine Mittagsruhe Teil der Kultur und gehört sogar als Teil einer längeren Mittagspause zum Arbeitsalltag dazu. Hierzulande dagegen ist das Nickerchen verpönt, lediglich Kleinkinder und Senioren halten einen Mittagsschlaf. Undenkbar wäre aber, dass sich in ganz normalen Jobs – im Handwerk, im Verkauf oder in der Produktion etwa – sich Arbeitnehmer für eine Schlafpause zurückziehen.

Zwar gab es immer mal wieder Versuche, unter dem Modewort Power-Nap einen kurzen Tagschlaf auch für Berufstätige einzuführen, aber durchgesetzt hat sich das nie. Hauptgrund: Das Image des Schläfchens zwischendurch ist zu schlecht. Und die Arbeitswelt eng getaktet. Wer während der Arbeit die Augen schließt oder sich sogar zum Schlummern zurückzieht, gilt als faul und arbeitsunwillig. Und wer das möglicherweise sogar regelmäßig tun möchte, dürfte sich den Ärger von Kollegen und Vorgesetzten zuziehen.  

In den wenigsten Unternehmen gibt es für ein Nickerchen überhaupt Gelegenheit. Viele Betriebe haben in den letzten Jahren Einzelbüros abgeschafft und Großraumbüros etabliert, in denen jeder jeden im Blickfeld hat. In einem Arbeitsklima der gegenseitigen Kontrolle will kaum jemand freiwillig aus dem Rahmen fallen. Aber selbst in vielen Vorzeige-Unternehmen wie etwa Google oder Unilever, wo pressewirksam mit aufwendigen Design gestaltete Ruheräume geschaffen worden, werden diese angeblich vergleichsweise selten genutzt.

Dabei diskutiert Deutschland derzeit über Entschleunigung und weniger Stress bei der Arbeit. Immerhin leidet mittlerweile jeder Dritte dauerhaft unter zu viel Druck bei der Arbeit. Warum nicht über eine Schlafpause während des Arbeitstages nachdenken?

Medizinern zufolge ist ein kurzer Tagschlaf gesund. Das belegt unter anderem auch eine Langzeitstudie der Harvard School of Public Health unter 24.000 Menschen aus Griechenland. Die Forscher hatten festgestellt, dass diejenigen, die mindestens dreimal in der Woche eine halbe Stunde lang schliefen, ein um 37 Prozent geringeres Risiko für einen Herzinfarkt hatten, weil im Schlaf Stresshormone schneller abgebaut werden.

Eine Stunde ist besser als 30 Minuten Schlaf

Mittlerweile zeigen aber neuere Studien, dass das viel gepriesene Power-Napping nicht die Wirkung hat, die man sich davon verspricht. Lange Zeit hielten Schlafforscher einen Kurzschlaf von etwa 20 bis 30 Minuten für besonders erfrischend. Das Großhirn könne in dieser Zeit gut regenerieren. Allerdings wurde davor gewarnt, länger zu schlafen, weil der Körper sonst in die Tiefschlafphase eintrete und es dann länger dauere, aufzuwachen und wieder leistungsfähig zu sein.

Eine Studie der amerikanischen Schlafforscherin Sara Mednick hat nun festgestellt, dass tatsächlich eine Schlafzeit von einer Stunde am fittesten macht. Die Schlafforscherin testeten verschiedene Zeiten mit drei Gruppen Probanden: Sie bekamen für den Test Denkaufgaben, die in drei Blöcke geteilt wurden. Bei allen Probanden waren die Arbeitsergebnisse im ersten Block am besten und sanken im zweiten dann wegen der Müdigkeit. Eine Gruppe durfte gar keine Schlafpause machen. Ihr Arbeitsergebnis verschlechterte sich im Laufe des Tages immer weiter. Eine zweite Gruppe durfte nach dem zweiten Block eine halbe Stunde ruhen und konnte ihr Leistungsniveau zumindest halten, war aber nicht mehr so fit wie am Morgen. Die dritte Gruppe durfte nach der zweiten Pause eine Stunde lang schlafen – und war danach wieder frisch wie am Morgen. Ihre Mitglieder erzielten die besten Arbeitsergebnisse; die längere Ruhezeit hatte auch den größten Erholungseffekt.