ZEIT ONLINE: Herr Egenter, sie sind Personalleiter von Hansgrohe, einem großen Hersteller für Sanitärprodukte. Ihr Unternehmen hat vor mehr als einem Jahr eine interne Sozialberatung geschaffen. Was bedeutet das?

Thomas Egenter: Wir haben in Deutschland zwei Standorte, Schiltach und Offenburg, die etwa eine dreiviertel Stunde voneinander entfernt sind. An jedem Standort steht jede Woche ein Sozialpädagoge für je drei Stunden in einer Sprechstunde zur Verfügung. Um die Beratung so anonym wie möglich zu gestalten, findet sie an einem neutralen und nicht einsehbaren Ort im Unternehmen statt. Möchte ein Mitarbeiter in die Sprechstunde kommen, meldet er sich bei dem externen Berater an.

Wir hatten zunächst darüber nachgedacht, dafür eine feste Stelle im Unternehmen zu schaffen. Allerdings befürchteten wir hier, dass unsere Mitarbeiter so vielleicht Bedenken bezüglich der Anonymität hätten. Deshalb entschieden wir uns, eine neutrale Person außerhalb des Unternehmens zu suchen. Elementar für das Gespräch ist meiner Meinung nach der persönliche Kontakt zwischen Mitarbeiter und Berater. Deshalb kam für uns auch keine rein telefonische Beratung in Frage.

ZEIT ONLINE: Was war der Anlass für Sie, die Sozialberatung einzuführen?

Egenter: Bevor wir die Sozialberatung einführten, gab es im Unternehmen schon ein sehr umfangreiches Gesundheitsmanagement mit vielen Bausteinen wie etwa Gesundheitskursen. Uns war aber klar, dass die psychische Gesundheit zukünftig ein sehr wichtiges Thema werden würde.

Um Mitarbeiter, aber auch Führungskräfte in kritischen Situationen frühzeitig und umfassend unterstützen zu können, haben wir diese Plattform geschaffen. Der Sozialpädagoge bietet der Belegschaft Hilfe bei der Bewältigung ihrer beruflichen und privaten Herausforderungen an. Dazu gehört die Beratung zur Kinderbetreuung oder Pflege von Angehörigen ebenso wie die Begleitung bei familiären und finanziellen Schwierigkeiten oder behördlichen Angelegenheiten. Aber auch bei innerbetrieblichen Problemen oder Überlastung steht er unseren Mitarbeitern zur Seite.

ZEIT ONLINE: Wie wird das Angebot von den Mitarbeitern angenommen?

Egenter: Wir erhalten aufgrund der Anonymität von unseren Mitarbeitern kein direktes Feedback. Als wir die Sozialberatung und den Sozialpädagogen 2014 auf den Betriebsversammlungen vorstellten, gab es nur positive Reaktionen. Und beim jährlichen Gesundheitstag, bei dem sich unsere Mitarbeiter rund um ihre Gesundheit informieren können, war der Infostand der Sozialberatung stark frequentiert.

ZEIT ONLINE: Wie gewährleisten Sie den Datenschutz?

Egenter: Wir bekommen von dem Berater monatlich eine Übersicht, auf der vermerkt ist, wie viele Mitarbeiter in der Beratung waren und welche Themen wie oft im Fokus standen. Das heißt, wie oft ging es um private, berufliche oder gesundheitliche Fragen. Mehr wird nicht vermerkt.

ZEIT ONLINE: Hatte der Betriebsrat keine Bedenken wegen der persönlichen Mitarbeiterdaten?

Egenter: Unser Betriebsrat hat sehr positiv reagiert, als wir unseren Wunsch, eine externe Sozialberatung im Unternehmen einzuführen, mitteilten. Er hat uns dabei auch tatkräftig unterstützt und war bei der Auswahl des Sozialberaters mit im Boot.

Wir haben jeher einen sehr offenen Umgang mit dem Betriebsrat. Das heißt nicht, dass wir uns immer einig sind. Beide Seiten gehen aber grundsätzlich lösungsorientiert miteinander um. Es gab bisher noch keine Situation, in der wir ohne Lösung vom Tisch aufgestanden sind.

ZEIT ONLINE: Welche zukünftigen Herausforderungen sehen Sie, wenn es um die Vereinbarkeit von Privatleben und Beruf geht?

Egenter: Wir haben schon sehr viel umgesetzt, die Kernarbeitszeit abgeschafft und flexible Arbeitszeiten eingeführt. Wir bieten unseren Mitarbeitern die Möglichkeit, im Homeoffice zu arbeiten, wir kümmern uns um die Ferienbetreuung von Kindern sowie die Kinderbetreuung generell. Einen Punkt, den wir noch angehen müssen, ist die Betreuung von Pflegefällen. Ich glaube, dass wir in den nächsten Jahren verstärkt damit konfrontiert werden, dass Mitarbeiter kurzfristig eine pflegerische Versorgung organisieren müssen.