In einer Führungsposition braucht man ein gutes Zeitmanagement. Nicht nur, weil die Anforderungen an Führungskräfte vielfältig und fordernd sind. Sondern vor allem, weil sich Führung zunehmend verändert. Führungskräfte müssen heute nicht nur fachlich sehr gut sein und eine Vision haben. Sie müssen stetig ihre Mitarbeiter motivieren können, sollen Vorbild sein und Feedbackgeber. Da reicht es nicht, täglich alle Punkte auf einer To-do-Liste abzuarbeiten. Prioritäten setzen und effizient arbeiten müssen Führungskräfte ohnehin.

Aber es gehört noch mehr dazu: Als Führungskraft muss man viele unbequeme Entscheidungen treffen. Das läuft nicht ohne Konflikte und – seien wir ehrlich – auch nicht ohne Druck ab.

Das geht nicht spurlos an einem selbst vorbei. Umso wichtiger, dass man mit sich selbst im Reinen bleibt. Das erfordert Selbstreflexion und die kostet Zeit – Zeit für sich selbst.

Es wichtig, dass sich Führungskräfte diesen Raum für sich selbst bewusst nehmen. Ich mache das regelmäßig und nutze die Zeit, um sich mit mir und meiner Führungsrolle auseinanderzusetzen. Dabei reflektiere ich nicht mein tägliches Tun, sondern setze mich bewusst mit den Gedanken, Annahmen und Vorstellungen auseinander, die mich unbewusst prägen. Jeder Mensch hat solche Glaubenssätze in sich. Oft stammen sie aus früher Kindheit, wurden uns von unseren Eltern, Lehrern, Professoren gesagt. Oft denken wir sie einfach so dahin, ohne zu merken, dass diese Gedanken unser Handeln als Führungskräfte prägen. Sie sind oft die Grundlage von dem, was wir gerade tun – oder dem, was wir gerade nicht tun, was wir vor uns herschieben oder ganz aussitzen.

Viele Führungskräfte kennen die Situation, wenn mal wieder alle Anforderungen kaum zu bewältigen sind und man denkt: Ich muss mich (noch) organisieren. Oft stecken hinter diesem Gefühl unsere unbewussten Glaubenssätze. Es kann sich lohnen, sich diese bewusst zu machen und sie eventuell zu verändern.

Glaubenssätze hinterfragen

Diese Form der Selbstwahrnehmung nennt man auch Introspektion. Introspektionsfähigkeit ist unverzichtbar, um den Realitätssinn zu schärfen, um den verschiedenen Anforderungen des Lebens gerecht zu werden und um spontan zu reagieren – und eine Haltung zu entwickeln. Gerade von Führungskräften wird eine Haltung erwartet.

Was genau heißt das? Die Wissenschaft versteht unter einer Haltung eine relativ stabile, zeitlich unabhängige Verhaltensdisposition. Jeder von uns hat andere wichtige Themen, bei denen sich unsere Haltung zeigt. Sie zu zeigen, kann Freiraum verschaffen. Denn mit jeder gefundenen Einstellung zu einer Situation kann man Hadern,  Ängste und unnötige Diskussionen verhindern. Und das wiederum hilft dabei, mit sich selbst im Reinen zu bleiben.

Sich seiner Haltung sicher zu sein, hat noch einen weiteren Vorteil:  Man ist mit sich selbst zufriedener, fühlt sich weniger gestresst, gerät seltener unter Druck. Auch das schafft Freiheit und Raum für Neues.

Führungskräfte mit einer Haltung haben mehr Lebensqualität

Natürlich ist man damit nie fertig. Gerade als Führungskraft ist man immer wieder mit neuen Herausforderungen konfrontiert, muss Entscheidungen zu völlig neuen Fragestellungen treffen und die Verantwortung für diese Entscheidungen tragen. Man ist daher auch immer wieder mit der Frage konfrontiert, ob die einmal gefundene Haltung noch passt. Das bedeutet einen lebenslangen (Lern)-Prozess, der je nach Lebensphase mal leichter und mal schwergängiger ist. Wichtig finde ich dabei: Es geht nicht um Perfektion. Kein Chef kann perfekt sein, keine Haltung wird jedem Mitarbeiter, jedem Kollegen, jedem Kunden gefallen.

Wer dennoch sich und seine Überzeugungen und Führungsrolle stetig reflektiert, schafft sich eine Welt, in der er sein eigener Dreh- und Angelpunkt ist. Das meine ich in einem positiven Sinne, in dem durchaus auch Demut gegenüber anderen möglich ist. Wer sich auf diese Weise erdet, behält sein Schicksal und als Führungskraft damit auch das des Unternehmens in seiner Hand und übernimmt Verantwortung.

Einschätzbar und standfest

Natürlich gibt es Krisen. Aber, wenn ich beispielsweise zu einer Krise mit beigetragen habe, sehe ich zwar meinen Anteil daran, halte mich aber nicht mit Hadern und Schuldgefühlen auf. Denn das führt zu nichts. Viel wichtiger ist es, mein Verhalten zu reflektieren und infolgedessen etwas zum Besseren zu bewegen. Dadurch wird die beklemmende Angst und Unsicherheit, zu versagen, unwahrscheinlicher.

Ich bin davon überzeugt, dass eine sich selbst reflektierende Führungskraft mit einer gesunden Haltung insgesamt mehr Lebensqualität hat – und es auch in Zukunft schafft, den fordernden Führungsaufgaben gerecht zu werden. Das führt letztlich auch dazu, in schwierigen Situationen mit Mitarbeitern und Kunden erfolgreich zu sein. Denn Führungskräfte mit einer klaren Haltung sind einschätzbar, in einem positiven Sinn berechenbar und standfest.