"Mein Mann und ich haben uns die Elternzeit bei beiden Kindern geteilt. Ich bin jeweils nach einem halben Jahr wieder eingestiegen und hatte immer Kontakt zu meiner Agentur. Jeder wusste, dass ich wiederkomme und sich an meiner Einstellung zu meiner Arbeit nichts ändern würde. Nur Muttersein – das war nichts für mich. Mein Lebensmodell war immer auf Job und Familie ausgerichtet. Und es funktionierte ja sogar richtig gut. Ich war Teamleiterin mit Personalverantwortung für 30 Leute. Und nach meiner zweiten Mutterschaft wollte ich natürlich da anknüpfen, wo ich ein halbes Jahr zuvor aufgehört hatte. Die Arbeit war Spaß und Leidenschaft.

Eine Woche vor Ende meiner Elternzeit wurde ich zu einem Personalgespräch eingeladen. Der Personalabteilung hatte ich schon lange vorher meinen Wunsch auf Arbeitszeitreduzierung mitgeteilt. Das sei möglich, hieß es. Aber nicht auf 50 Prozent, wegen meiner Leitungsfunktion. Das war mir klar, aber ich war doch flexibel und hätte mich schon arrangiert. Doch dann hieß es: Wegen Umstrukturierung werde man mich auf eine andere Stelle versetzen. De facto war das eine Herabstufung. Natürlich wusste ich, dass die Abteilung umgebaut würde und zum Teil waren das ja meine eigenen Vorschläge. Aber meine Stelle gab es immer noch – nur eben nicht mit mir! Ich hätte heulen können. Eine Begründung hat man mir nicht geliefert. Das ist auch so eine Sache, die an mir nagt. Sie haben ja nicht gesagt: "Jetzt haben Sie zwei Kinder und dann sind Sie nicht mehr so belastbar." Sie lassen deine Selbstzweifel im Raum stehen und du fühlst dich mies. Aber inzwischen erkenne ich, dass es an meiner Mutterrolle liegt, dass meine Karriere hier beendet ist. Mit zwei Kindern traut dir keiner mehr was zu.

Ich hätte nie gedacht, dass mir das passiert. Ich habe immer gerne gearbeitet, ich war so stolz auf meine Position und plötzlich ist alles vorbei. Auf meiner alten Stelle sitzt jetzt ein Mann. Ich beobachte ihn und manchmal bin ich fast versucht, ihm Tipps zu geben. Ich weiß, ich würde es besser machen. Aber es ist nicht gewollt."

Tina F.* (35) war Teamleiterin in einer großen Werbeagentur in München, wurde nach ihrer zweiten Schwangerschaft von ihrer Leitungsfunktion abgezogen und arbeitet nun als einfaches Teammitglied. Sie möchte unerkannt bleiben. 

"Bevor ich schwanger wurde, ging es immer nur bergauf"

"Zum Schluss war ich total isoliert. Auch räumlich. Ich saß ganz allein in einem Großraumbüro. Niemand hat mit mir gesprochen. Das war Mobbing pur, die Hölle. Heute – mit wenigen Jahren Abstand – finde ich es immer noch unfassbar, wie man mit mir umgegangen ist. Auf der einen Seite hast du ein kleines Kind, das so viel Glück bedeutet und Spaß macht. Auf der anderen Seite wird dir dieses Gefühl vermiest. Du fühlst dich bestraft.

Dabei war alles optimal gelaufen. Bevor ich schwanger wurde, ging es immer nur bergauf und ich dachte, wovon reden die Frauen bloß? Ich war sicher, ich bin so gut im Geschäft, dass ich Beruf und Kind problemlos vereinbaren könnte. Die anderen Frauen – und davon war ich überzeugt – hatten es einfach nicht drauf. Damals war ich als Architektin spezialisiert auf Vertragsrecht. Ich war Chefin einer Behörde einer großen Stadt am Rhein. Doch ich wollte mehr. Mehr Karriere auf jeden Fall und das schöne Gefühl des Erfolgs. Also habe ich nicht lange gezögert, als mir ein privater Projektentwickler ein attraktives Angebot unterbreitete. Ich unterschrieb und alles war so, wie es mir vorgestellt hatte. Cooler Job, gutes Geld, Erfolg und Anerkennung.

Dann, mit 35 Jahren, wurde ich schwanger. Inzwischen wusste ich, dass mein Chef mit Müttern, Kindern und Familie nichts, aber auch wirklich gar nichts anfangen konnte. Entsprechend verlief dann auch unser Gespräch. Er reagierte wie persönlich gekränkt. Später habe ich dann ein Jahr Elternzeit angemeldet. Ich wollte schon nach einem halben Jahr in Teilzeit wiederkommen. Wir waren ein kleines Unternehmen und Schwangerschaft und Elternzeit gab es da nicht. Also dachte ich, statt der üblichen 45 Stunden Anwesenheitspflicht biete ich 35 Stunden Teilzeit an. Als mein Sohn dann geboren war, bin ich wieder in die Firma, um die Details zu besprechen. Wieder mit meinem Chef – wieder unter vier Augen, die Personalerin war angeblich beschäftigt – sagte er zu mir: "Wir sind da ganz flexibel, alles kein Problem." Ich habe ihm blind vertraut und ich hatte nichts Schriftliches in der Hand. Das war mein Fehler.

Als ich nach einem halben Jahr zurückkehrte, wusste mein Chef angeblich nichts mehr von dieser Absprache. Mein schriftlicher Antrag wurde abgelehnt. Also nahm ich das ganze Jahr Elternzeit. Am Tag des Wiedereinstiegs in die Firma wurde mir eröffnet, dass ich auf eine volle Stelle gehen müsse. Man sei so ein kleines Unternehmen, dass man mir keine Teilzeit anbieten müsse. Die hatten so viele Nebengesellschaften, dass der Kernbetrieb immer sehr klein blieb, was sehr clever war.

Ich habe mir dann einen Rechtsanwalt genommen. Denn mein Arbeitgeber wollte mich am liebsten loswerden, ohne Abfindung, ohne irgendwas. Doch da war ich zäh. Ich wollte mir dieses letzte bisschen Stolz nicht auch noch nehmen lassen. Also habe ich die volle Stelle angenommen, was für mich eine 60-Stunden-Woche bedeutete. Aber ich hatte nichts mehr zu tun. Ich hatte einen Schreibtisch, einen PC, aber kein einziges Projekt, das über meinen Tisch ging. Stattdessen wurde ich genau beobachtet. Ob ich meine Pausen einhalte, ob ich privat telefoniere. Am Ende bin ich krank geworden. Ich war isoliert, mein Kind habe ich kaum noch gesehen. Nach langen Verhandlungen – auch vor dem Arbeitsgericht – wurde ich freigestellt. Ich habe einen Aufhebungsvertrag unterschrieben und war raus."

Anja K. hat inzwischen ihr zweites Kind bekommen. Sie lebt und arbeitet heute als selbstständige Projektentwicklerin in Nordrhein-Westfalen.