"Die geben sich so familienfreundlich. Es gibt sogar einen Familientag. Es gibt auch eine Kita – aber nur für Mütter, die ihr Kind da Vollzeit unterbringen müssen. Von 7.30 bis 18.30 Uhr siehst du flexible, ausgepowerte Frauen, die nach ihrem 45-Stunden-Job auch noch Super-Mütter sein wollen. Das ist alles ein großer Fake. Ich bin nicht die Einzige, die das erlebt hat. Als Mutter mit einem Teilzeitwunsch bist du abgemeldet.

Ich bin Architektin und habe Ladenbauprojekte betreut. Ich habe immer viel gearbeitet, mich weitergebildet und dachte, dass ich in dem Betrieb alt werden könnte. Dann wurde ich schwanger, habe zwei Jahre Elternzeit angemeldet und nach einem Jahr wollte ich in Teilzeit zurück. Das war mein Plan. Als es dann konkret wurde und ich die Zeiten absprechen wollte, wurde mir gesagt, dass man keine Arbeit für mich habe. Auch nicht in Teilzeit bei 28 Stunden die Woche. Man habe alle Bereiche abgeklopft, aber es gebe einfach keine Verwendung für mich. Man schickte mich weiter in die Elternzeit – also für das zweite Jahr. Dann hieß es wieder: "Sorry, wir haben leider nichts für Sie."

Da war mir klar: Die wollen dich loswerden. Ich kannte den Laden, die einzelnen Abteilungen, und ich wusste genau, wo der Bedarf besteht. Eine Anwältin hat dann für mich die Verhandlungen übernommen. Ich wurde freigestellt. Es sollte auf einen Aufhebungsvertrag hinauslaufen. Doch einen Tag vor Vertragsunterzeichnung haben die mir tatsächlich einen Job angeboten. Der hatte nichts mit meiner Qualifikation zu tun. Ich sollte nun Onlinemarketing machen. Ich habe zugesagt, was blieb mir auch anderes übrig? Die dachten, die schmeißt hin. Kein Wunder. Die haben mich nicht geschult, mein Abteilungseiter sagte grundsätzlich, er habe keine Zeit. In der Zeit, in der er mir etwas erkläre, könne er die Arbeit selbst erledigen. Er sagte: "Sie wissen ja, Sie haben keine Ahnung. Also kann ich auch nichts mit Ihnen anfangen." Das habe ich mir hundertmal angehört.

In der Abteilung waren wir zu viert. Das Klima: mies. Eine Kollegin war häufig krank, ein weiterer Kollege total mit Arbeit zu, dann mein Chef und meine Wenigkeit. Wir hatten ein Riesenprojekt vor der Brust und ich wusste, da kannst du nur scheitern. Ich habe es ausgehalten, gemobbt zu werden. Mein Chef hat mich grundsätzlich ignoriert und die anderen Kollegen befragt, was ich denn den ganzen Tag so tue. Ich bin krank geworden und schließlich hat der Konzern mir eine Abfindung angeboten. Ich kann nur sagen, das war mies. Und so wie es mir ergangen ist, ist es vielen anderen Kolleginnen nach der Elternzeit auch ergangen. Das ist eine Riesensauerei."

Rita B. (44) arbeitete zehn Jahre lang in der deutschen Dependance eines französischen Kosmetikkonzerns in Nordrhein-Westfalen. Heute ist sie Ladenbauerin.

"Aus der Teilzeit heraus kannst du deine Karriere auch vergessen"

"Und du bist raus, wenn du ein Kind bekommst und den Anspruch hast, es nicht ausschließlich fremdbetreuen zu lassen. So ist es mir ergangen. Als ich mit 31 Jahren schwanger wurde, hat mich der Personalchef gefragt, wie ich mir meine Arbeit in Zukunft, also als Mutter und Redakteurin, eigentlich vorstelle. Weniger als 100 Prozent seien nicht vereinbar mit dem Job, mit dem Verlag und überhaupt. Frauen hatten gefälligst nicht schwanger zu werden. Mein Arbeitgeber, also der Verlag, war keine kleine Klitsche. Im Gegenteil. "Wir" waren Marktführer mit zig Redaktionen in einem großen Landkreis mit 700.000 Einwohnern in Nordrhein-Westfalen.

Als mein Sohn schließlich geboren wurde, musste ich kündigen. Um dann später für einen Spottpreis als Pauschalistin wieder dort zu arbeiten. Meine männlichen Kollegen hatten das Problem nie. Deren Frauen kriegten Kinder und sie gingen einfach weiter arbeiten. Als ob nichts geschehen wäre. Wenn mich einer fragt, wo die familienfreundlichen Unternehmen heute sind, dann kann ich darauf keine Antwort geben. Die Frauen nehmen, was sie kriegen können. Gerade im Journalismus ist es doch häufig so, dass bis zu einem gewissen Alter alles möglich erscheint. Doch kurz bevor du dran wärst mit der Beförderung, kriegst du ein Kind – und dann bist du raus. So oder so. Aus der Teilzeit heraus kannst du deine Karriere auch vergessen.

Viele meiner Kolleginnen sind genau wie ich vor die Wahl gestellt worden: ganze Stelle oder gar nichts. Was ist das für eine Alternative? Das hat doch nichts mit Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu tun. Ich musste gehen und arbeite seitdem als freie Journalistin. Ich verdiene deutlich weniger als fest angestellte Redakteure. Ich hatte keine andere Wahl und es gab auch keine Unterstützung aus dem Kollegenkreis."

Sabine B. arbeitet als freie Journalistin für Tageszeitungen in Nordrhein-Westfalen. "Richtig" Geld verdient sie mit Marketingtexten.

*Name von der Redaktion geändert