Wenn der Ex-Partner nicht reagiert, sollte ein Anwalt hinzugezogen werden. Ein offizieller Brief verdeutliche, "hier formuliere ich meinen Anspruch und zur Not klage ich den ein", so die Familienanwältin. Sollte es letztlich zu einem Gerichtsbeschluss kommen, der die Unterhaltspflicht und dessen Höhe festlegt, muss der nicht zahlende Elternteil rückwirkend zahlen – inklusive der Anwaltskosten. Doch es gibt auch hartnäckige Fälle, in denen trotz eines Beschlusses nicht gezahlt wird. Da verschwinden Männer ins Ausland und warten die Zwangsvollstreckung ab. Manch einer kündigt sogar, andere verschleiern ihre Einkünfte.

Die Gründe, warum Väter und manchmal auch Mütter nicht zahlen, sind meistens schlichter Natur. "Werden Männer verlassen, wollen sie letztlich die Frau bestrafen, indem sie keinen Unterhalt zahlen. Sie unterstellen ihr, sich mit den Zahlungen ein schönes Leben machen zu wollen", berichtet die Rechtsanwältin aus ihrer Erfahrung.

Ähnlich war es auch im Fall von Nicola Müller. "Mein Mann hat nie etwas gezahlt. Er hat offiziell aufgehört zu arbeiten. Von seiner Schwarzarbeit wusste ich, konnte sie aber nicht nachweisen", sagt sie. 72 Monate lang übernahm das Jugendamt den Unterhaltsvorschuss vom Jugendamt, danach war Schluss. Ihr Ex-Mann heiratete unterdessen eine neue Frau und bekam noch weitere Kinder.

Wenn Beruf und Kind nicht mehr zu vereinbaren sind

Doch es gibt noch andere Ursachen dafür, warum Alleinerziehende in die soziale Schieflage geraten können. "Ich habe meine Tochter seit ihrem zweiten Lebensjahr allein erzogen und war immer berufstätig", erzählt Sabine Biermann*. Die 41-jährige Düsseldorferin entschloss sich, die Arbeitszeit zu reduzieren, als die schulischen Leistungen der Tochter nachließen und auch das Mutter-Kind-Verhältnis zunehmend schwieriger wurde. Ihren Job im Einzelhandel konnte sie in Vollzeit nicht mehr mit den Bedürfnissen ihrer Tochter in Einklang bringen. Jetzt hat sie zwar mehr Zeit, aber deutlich weniger Einkommen. Unterhalt hat auch sie nie für ihre Tochter gesehen. Ihr Ex-Partner ist ein bekannter Künstler. Auch er hat nach der Trennung noch einmal neue Kinder bekommen. "Ich spare nichts und zahle zu wenig für meine Rente ein. Unterstützung bekomme ich von meinen Eltern, vom Staat nicht", stellt sie fest.  

Hilfe erhoffen sich die Kritiker durch eine Reform des Ehegattensplittings, das gegenwärtig nur gut verdienende Paare steuerlich begünstigt. Die SPD schlägt vor, ein Familiensplitting mit einer Kinderkomponente einzuführen. Es würde Kinder zum Kriterium der Förderung machen. Alle Eltern würden profitieren, egal ob sie verheiratet, unverheiratet oder alleinerziehend sind. "Ich höre immer wieder, dass sich die Frau auf ihren Mann verlassen hat", berichtet Nicola Berkhoff vom VAMV in Nordrhein-Westfalen aus ihren Beratungen alleinerziehender Mütter. Meist habe sich das Paar für das klassische, steuerbegünstigte Modell entschieden: Der Mann verdiente gut und es gab den steuerlichen Anreiz für die Frau, nicht mehr zu arbeiten, sondern sich um Haus und Kind zu kümmern. "Häufig führt dieses Muster in die Armut. Denn nach einer Trennung ist eine Frau für sich selbst verantwortlich. Wenn dann auch noch der Unterhalt ausbleibt, ist eine Frau doppelt benachteiligt." Und die Kinder gleich mit.

*Name von der Redaktion geändert.