ZEIT ONLINE: Ihr ehrenamtliches Engagement ist beachtlich. Wo haben Sie sich bisher engagiert, Frau von Platen?

Henrike von Platen: Im Jahr 2000 habe ich mit 12 Frauen den Aktionärsverein Hexensabbat gegründet, einen Investmentclub, um gemeinschaftlich am Aktienmarkt Anlagen zu tätigen. Um andere Berufsgruppen und Frauen kennenzulernen, begann ich 2008, mich beim BPW Germany, dem Verband Business and Professional Women, zu engagieren. Das ist der deutsche Ableger eines weltweiten Zusammenschlusses von Geschäftsfrauen. Zunächst war ich im Bundesvorstand tätig und ab 2010 sechs Jahre Präsidentin des Verbandes.

Wir haben uns viel mit Chancengleichheit in Beruf, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft beschäftigt. Das führte dazu, dass ich mich parallel auch für die Equal-Pay-Day-Kampagne engagierte. Am Equal Pay Day wird daran erinnert, dass Frauen immer noch schlechter bezahlt werden als Männer. Ich bin davon überzeugt: Wenn das Einkommen stimmt, wären viele Probleme gelöst. Nun ergab sich aus diesem Engagement das FairPay-Bündnis: Hier habe ich mit anderen Frauenverbänden und Politikerinnen im Juni eine Online-Petition für eine gerechte Entlohnung von Frauen gestartet. Denn ich möchte eine flächendeckend gerechte Entlohnung noch erleben.

ZEIT ONLINE: Was motiviert Sie, alles das ehrenamtlich zu machen?

von Platen: Ich will die Welt verändern. Dabei ist nicht Geld die treibende Kraft für mich. Die größte Motivation ist, wenn ich tatsächlich etwas bewegen kann. Es war für mich ein toller Moment, als das Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen, also die Frauenquote für die Wirtschaft,  im Bundestag beschlossen wurde – und ich war Teil dieser Veränderung!

ZEIT ONLINE: Aber alles nebenbei ehrenamtlich machen – ist das nicht eine große Belastung?

von Platen: Ein Ehrenamt neben einer Berufstätigkeit bedeutet einen zeitlichen Verlust zu Lasten des Privatlebens – klar. Die Verbindung von allem ist eine große Herausforderung. Selbst wenn mich Freunde und Familie stets unterstützen, habe ich doch oft ein schlechtes Gewissen.

Zum Glück bin ich auch im ehrenamtlichen Engagement sehr schnell – in der Entscheidungsfindung und in der Umsetzung. Manche Menschen freut das sehr, weil ich deswegen mehr Zeit für sie habe. Andere behaupten, ich sei nicht teamfähig. Denn bei hohem Tempo lässt man auch mal Menschen hinter sich. Damit umzugehen, ist für mich eine weitere Herausforderung.