In Deutschland mangelt es an Rechtsberatung für Flüchtlinge. Von den bundesweit knapp 165.000 zugelassenen Anwälten sind nur rund 1.500 auf Asyl- und Ausländerrecht spezialisiert. Zu wenig, um den Bedarf zu decken.

Allein im vergangenen Jahr wurden beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) 476.649 Asylanträge gestellt. So gut wie jeder Dritte legte außerdem Widerspruch nach einer ablehnenden Entscheidung ein. Tendenz steigend. 

Doch die meisten Asylbewerber müssen lange auf eine Beratung warten. Oft ist ein Termin bei einem Anwalt erst lange nach der ersten Anhörung beim Bamf möglich. "Bei mir dauert es sechs bis acht Wochen. Schneller gibt es zurzeit keinen Termin", sagt Thomas Oberhäuser. Er ist einer der wenigen auf Asylrecht spezialisierten Anwälte, hat eine Kanzlei in Ulm und engagiert sich außerdem als Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Ausländer- und Asylrecht im Deutschen Anwaltsverein (DAV). Er vermutet, dass viele seiner Kollegen das Rechtsgebiet eher meiden. Zum einen, weil Asylrecht in der Ausbildung zu kurz komme, Fachliteratur fehle und sehr viel Eigeninitiative gefragt sei. "Man muss sich selbst reinhängen in die komplexe Thematik. Außerdem ist der Streitwert meistens so gering, dass es nicht richtig lukrativ ist", sagt er. Wer als Anwalt allein Asylbewerber und Migranten vertreten wolle, müsse schon außerordentlich viel Idealismus mitbringen.

Der Markt ist da, der Verdienst nicht

Asylverfahren werfen nicht viel ab. Ebenso wenig Strafverfahren wegen illegaler Einreise und/oder Urkundenfälschung. Das, Probleme mit der Unterbringung oder der Tatsache, dass sie zum Beispiel die Stadt nicht verlassen dürfen und hierzu Fragen haben, sind Beispiele für typische Fälle. Im Ausländerrecht kommen häufig Fragen nach Familiennachzug, Aufenthaltsrechten, Einbürgerung, Arbeitsrecht, Visum und Sozialleistungen hinzu. Mittlerweile liegt der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland bei 21 Prozent. Rechtsanwalt Oberhäuser ist davon überzeugt, dass es einen Markt gibt für die juristische Beratung von Menschen, deren Wurzeln nicht nur in Deutschland liegen.

In der Juristenausbildung sollte seiner Meinung nach daher Ausländer- und Asylrecht eine größere Rolle spielen. Dazu sei ein politisches Umdenken nötig. "Es war ja fast immer politisch gewollt, dass der rechtliche Beistand für Asylbewerber wenig lukrativ sein sollte. Es sollte kein Anreiz bestehen, diese Menschen, die der Staat nicht aufnehmen wollte, gut zu vertreten", sagt der Jurist. Solange Asylsuchenden das Image von Bittstellern anhafte, wollten auch Juristen nichts mit ihnen zu tun haben. Erst im vergangenen Jahr hat die Bundesanwaltskammer den Titel des Fachanwaltes für Migrations- und Asylrecht überhaupt zugelassen.

Manuel Kabis will etwas für Menschen tun, die einen Asylantrag gestellt haben. Der Anwalt aus Dortmund vertritt schon seit über 25 Jahren Asylbewerber und Migranten. Im Laufe seines Berufslebens hat er Mandanten aus über 60 Ländern vertreten. Kabis glaubt, Ausländerrecht sei für den Nachwuchs auch deshalb uninteressant, weil es Teil des Verwaltungsrechts sei. "Das hat man in der Uni schon nicht gerne gemacht."

Bei Kabis wurde das Interesse an Ausländerrecht hingegen schon früh geweckt. Zunächst waren es türkische Gastarbeiter, denen der gebürtige Freiburger zu Beginn zu ihrem Recht verhalf. Das war in den achtziger Jahren, und der heute 53-Jährige hatte es vor allem mit Fällen von Diskriminierung zu tun. Beispielsweise bekamen seine Klienten keine Wohnung, weil sie aus der Türkei kamen. "Das Migrationsrecht hat mich nie mehr losgelassen", sagt der Jurist.