Hat ein Unternehmen fünf oder mehr Mitarbeiter, haben diese das Recht auf die Gründung eines Betriebsrats. So zumindest steht es im deutschen Arbeitsrecht. Abseits der Paragrafen sieht die Praxis in deutschen Betrieben aber anders aus. So wird nach Angaben des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung fast jede sechste Betriebsratsgründung von den Arbeitgebern behindert.

"Sie schüchtern Kandidaten ein, drohen mit Kündigung oder verhindern die Bestellung eines Wahlvorstands", heißt es in der Studie der Stiftung. Besonders gegen Neugründungen von Betriebsräten gehen Unternehmen demnach häufig aggressiv vor. "Der Chef droht etwa mit einer Versetzung", sagte Forscher Martin Behrens der Süddeutschen Zeitung, "da reichen schon Andeutungen." Ebenfalls populär: Gerüchte gegen einen Anwärter streuen, um seinen handzahmen Konkurrenten in den Betriebsrat zu bugsieren. Oder einem Kandidaten Geld bieten, damit er gar nicht erst antritt.

Die WSI-Forscher haben 159 hauptamtliche Gewerkschafter aus den Bereichen Metall, Chemie, Nahrung und Gastgewerbe zu ihren Erfahrungen befragt. Mehr als die Hälfte kannte Fälle, in denen Unternehmen versucht hatten, Betriebsratswahlen zu behindern.

"Überproportional häufig inhabergeführt"

Besonders rau soll es demnach in der Nahrungs- und Genussmittelindustrie und dem Gastgewerbe zugehen – in der Fleischindustrie, bei Großbäckern oder Fast-Food-Ketten. Dort hatten 76 Prozent der hauptamtlichen Gewerkschafter Kenntnis von Störmanövern der Arbeitgeber gehabt. Insgesamt wurden 221 Betriebe bekannt, in denen es zu Behinderungen gekommen sei. In einem Drittel dieser Unternehmen sei die Wahl dann auch vereitelt worden. 

Aber auch in der Metall- und Elektroindustrie (53 Prozent) und im Bereich Bergbau, Chemie und Energie (43 Prozent) hatten die Befragten Kenntnis von Behinderungen bei der Aufstellung eines Arbeitnehmergremiums. Die betroffenen Firmen waren den Angaben zufolge "überproportional häufig inhabergeführt".

Die Forscher sprechen sich für einen besseren Schutz vor Eingriffen des Managements aus. "Hier wäre insbesondere wünschenswert, dass bereits bei der Vorbereitung von Betriebsratswahlen alle daran beteiligten Beschäftigten vom ersten Tag an vor Kündigungen geschützt werden", so das WSI.