Erkrankte Beschäftigte dürfen in aller Regel nicht zu Personalgesprächen ins Unternehmen zitiert werden. Das Bundesarbeitsgericht stellte klar, dass krankgeschriebene Arbeitnehmer im Grundsatz nicht dazu verpflichtet sind, im Betrieb zu erscheinen, um dort an einem Personalgespräch mit dem Arbeitgeber teilzunehmen. (10 AZR 596/15)

Es könne aber Fälle geben, in denen sie ausnahmsweise müssen, sagte der vorsitzende Richter Rüdiger Linck. Das Erscheinen des Erkrankten in der Firma müsse dann aber aus betrieblichen Gründen unverzichtbar und der Arbeitnehmer gesundheitlich dazu in der Lage sein. Arbeitgeber dürften zudem mit kranken Mitarbeitern in einem angemessenen Rahmen schriftlich oder telefonisch Kontakt aufnehmen.

Damit hatte die Klage eines Krankenpflegers aus Berlin teilweise Erfolg. Dieser war abgemahnt worden, weil er mit Verweis auf seine Krankschreibung nicht zu drei terminierten Personalgesprächen erschienen war. Sein Arbeitgeber wollte mit ihm nach einer erneuten längeren Ausfallzeit über künftige Beschäftigungsmöglichkeiten sprechen. Die Abmahnung erklärte das Gericht nun für unwirksam.

Den Antrag auf Feststellung, dass der Kläger generell während seiner Arbeitsunfähigkeit nicht zur Teilnahme an Personalgesprächen verpflichtet sei, lehnten die Erfurter Richter aber ab.

Zu der Frage, ob kranke Mitarbeiter überhaupt zu einem Personalgespräch verpflichtet werden können, hatte schon das Landesarbeitsgericht Nürnberg im September 2015 ein richtungsweisendes Urteil gefällt: Es entschied damals, dass ein nachweislich arbeitsunfähiger Beschäftigter gerade nicht dazu gezwungen werden kann. Und zwar unabhängig von der Frage, ob er gesundheitlich dazu in der Lage wäre (Az.: 7 Sa 592/14). Allerdings: Auch gegen diese Entscheidung wurde Revision eingelegt, die ebenfalls beim Bundesarbeitsgericht anhängig ist (Az.: 2 AZR 855/15).