Im Informationszeitalter können wir intelligente Schrauben mit ebensolchen Büroklammern vernetzen – etwa um den Verbrauch automatisch und in Echtzeit zu registrieren und rechtzeitig nachbestellen zu können. Telekom-Chef Timotheus Höttges wirbt: "Alles, was digitalisiert werden kann, wird digitalisiert. Und alles, was vernetzt werden kann, wird vernetzt." Aber: Vernetzte Menschen sind manipulierbar und auch vernetztes Verbrauchsmaterial kann angegriffen werden. Doch Datenschutz und ein sensibler Umgang mit Daten werden trotz der erheblichen Risiken noch immer nicht überall in der Wirtschaft ernst genommen. Dabei wollen alle bei Big Data mitspielen – und können sich in Zeiten der Digitalisierung auch nicht entziehen.

Auch da, wo Entscheidungen zur Telematik gefällt werden – oder auf Basis dieser Entscheidungen Geräte und Dienste entwickelt, eingerichtet, verwaltet oder genutzt werden–, fehlt es häufig an Sensibilität im Umgang mit Daten. Das erklärt freilich, warum so viele Anwendungen und Geräte auf den Markt kommen, bei denen es Datenschützern eiskalt den Rücken herunterläuft.

Die Unbedarftheit im Umgang mit Daten beginnt schon früh – in der Schule, in der Ausbildung, an Universitäten. Studien zufolge gehen gerade Jugendliche leichtfertig mit ihren persönlichen Daten um. Eine andere Untersuchung der Universität Erlangen-Nürnberg hat gezeigt: Zwar glauben 78 Prozent der Studierenden, dass sie sich des Risikos unbekannter Internetlinks bewusst seien – trotzdem klickt jeder Zweite solche Links aus Neugierde an.

Der Verein Deutschland sicher im Netz empfiehlt, zehn Prozent einer jeden Informatik-Vorlesung auf die Sicherheit zu verwenden. Fraglich dabei ist aber, welche Inhalte vermittelt werden sollen – und vor allem wem? Den Kryptographen? Den Spezialisten für Robotik oder Computergrafik?

Fraglich ist auch, wie viel Sicherheitsschulungen Natur- und Wirtschaftswissenschaftler, Juristen und Mediziner benötigen. Oder jene, die eine kaufmännische oder gewerbliche Berufsausbildung absolvieren? Die Hochschulrektorenkonferenz äußert sich dazu nicht.

Oft sind Chefs das größte Risiko

Aber nicht nur junge Menschen und Berufsanfänger haben Defizite bei der Informationssicherheit. Es sind vor allem die Entscheidungsträger in Politik und Wirtschaft, denen wichtiges Know-how fehlt. Schlagzeilen wie "Datensicherheit: Chefs sind das größte Risiko" gibt es immer wieder.

Und auch der Bundestag, der "Chef" der Regierung, wurde 2015 Opfer eines Angriffs. Laut Ermittlern wurden zum Ausspionieren der Rechner "gängige Methoden und öffentlich verfügbare Tools" genutzt, "wie sie auch von weniger professionellen Tätern verwendet werden". Die anschließende Aufklärung des Vorgangs soll Abgeordneten zufolge "desaströs" gewesen sein. Fraglich ist, ob Angriffe auf Länder- oder kommunaler Ebene glimpflicher ablaufen würden.

Nach eigenem Bekenntnis war das Internet für die Bundeskanzlerin 2013 noch "Neuland". Der Datenhandel scheint ihr wichtiger zu sein als die Datensicherheit. Genauso ihre Minister: Anstatt die Löcher in den Servern seines Ministeriums zu stopfen, verlangt der Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, Alexander Dobrindt, nach Highspeed-Mobilfunk fürs vernetzte Fahren. Anstatt für die Datensicherheit bei der ihm unterstellten Bundespolizei zu sorgen, will Innenminister Thomas de Maizière immer noch mehr Daten sammeln. Anstatt Bedenken bezüglich Datenschutz und Datensicherheit bei "intelligenten" Stromzählern auszuräumen, will Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel diese Technik in jeden Haushalt bringen. Anstatt nachzuweisen, dass elektronische Patientendaten nicht herrenlos im Internet abgefragt werden können, droht Gesundheitsminister Herrmann Gröhe denen, die die digitale Revolution im Gesundheitswesen blockieren.