Es gilt, die ökonomischen Rahmenbedingungen der heutigen Gesellschaft grundlegend zu modifizieren. Den Menschen muss mehr Zeit zur Verfügung gestellt werden, ihre Sinn gebenden Beschäftigungen (heraus) zu finden und auszuüben. Ein erster Schritt könnte dafür die Reduktion der wöchentlichen Arbeitszeit sein. Allein die Arbeitszeit an sich verbunden mit weiteren Stunden für Hin- und Rückweg rauben schon den Großteil des Tages. Addiert man die weiteren täglichen oder wöchentlichen Notwendigkeiten wie Arztbesuche, Besorgungen oder Kinderbetreuung hinzu und denkt an die erforderliche Regenerationszeit, sind 24 Stunden schnell gefüllt. Es ist also kein Wunder, dass sich Menschen ihre Arbeit als Identitätsbezug erwählen. Denn für andere Tätigkeiten haben sie keine Zeit mehr. Eignet sich der Beruf jedoch nicht als identitätsstiftend, sind Frustration und Unzufriedenheit häufig eine Folge.

Es muss Freiraum geschaffen werden. Wer sofort den Verlust von wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit beklagt, dem sei entgegnet, dass die Arbeitszeitreduktion sogar eher der Effizienz förderlich sein sollte. Eine kürzere Arbeitszeit reduziert die Leerphasen und erhöht die Ausgeglichenheit der Arbeitenden. Als alleinige Maßnahme ist sie jedoch nicht ausreichend.

Das radikale Umdenken, Schritt zwei: bedingungsloses Grundeinkommen

Sie muss verbunden werden mit der Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens. Denn nur auf diese Weise erhalten alle Mitglieder einer Gesellschaft die Möglichkeit, ohne existenziellen Druck verschiedenste Lebensentwürfe, Betätigungsfelder und Selbstbilder auszuprobieren. Ist die eigene Existenz nicht gesichert oder prekär, spielen Fragen zur individuellen Sinngebung eine untergeordnete Rolle.

Die eigenständige Identitätsfindung wird somit zu einem Privileg sozial Bessergestellter. Dies muss unterbunden werden, damit die bestehende soziale Ungleichheit nicht noch mehr zunimmt. Einen Lösungsansatz stellt hierfür ein bedingungsloses Grundeinkommen dar. Denn es ermöglicht zumindest eine theoretische Chancengleichheit aller Gesellschaftsmitglieder. Natürlich ist die Millionärin nicht so sehr darauf angewiesen wie ein Minijobber. Aber es jedem zur Verfügung zu stellen fördert den Gleichheitsgedanken. Zusätzlich reduziert es sozio-ökonomische Diffamierungen (der "faule", "sozialschmarotzende" Hartz-IV-Empfänger sei hier als Beispiel genannt.)

Die Utopie der für den Menschen arbeitenden Maschinen muss also gar nicht erreicht werden, um die Lebensbedingungen jedes Einzelnen zu verbessern. Es reicht, wenn der Mensch sein Leben vom reinen Diktat der Arbeit befreit. Denn er ist mehr als eine wertschöpfende/-steigernde Maschine, deren Sinn sich einzig in individueller Selbstausbeutung generiert. Also lasst uns die skizzierten Ideen nicht ins Reich des Unmöglichen platzieren, sondern ernsthaft darüber diskutieren. Eine sinnerfüllte Existenz gilt es doch jedem zu ermöglichen.