21 ist die mystische Zahl, die in Deutschland nicht schwinden will und unser Gerechtigkeitsbewusstsein stört: Frauen verdienten in Deutschland im Jahr 2016 21 Prozent weniger Gehalt als Männer.

Dieser Wert liegt über den durchschnittlichen 16,7 Prozent der EU-Mitgliedsstaaten. Die sogenannte Lohnlücke vergleicht dabei nur die Gehälter von in Vollzeit arbeitenden Frauen mit denen der in Vollzeit arbeitenden Männer – gleichwohl drückt sich in dem sogenannten unbereinigten Gender Pay Gap auch aus, dass Frauen häufiger in schlecht bezahlten Berufen arbeiten, während Männer häufiger in durch starke Tarife abgesicherten Jobs tätig sind. Aber selbst wenn man Männer und Frauen mit gleicher Tätigkeit, Erfahrung und Qualifikation vergleicht, bleiben sieben Prozent Lohnunterschied. Die Gründe dafür wurden in den letzten Jahren immer und immer wieder diskutiert. Frauen verkauften sich zu schlecht, heißt es dann oft. Sie machten weniger Überstunden. Sie arbeiteten bei den kleineren Unternehmen. Oder sie forderten schlicht zu wenig. Zur Wahrheit gehört aber oft auch: Frauen wird manchmal auch einfach nicht so viel zugestanden wie Männern.

Egal, ob man sich die unbereinigte Lohnlücke oder den bereinigten Gender Pay Gap ansieht, Tatsache bleibt: Gesellschaftliche Rollenerwartungen, unterbezahlte "weibliche" Berufe, aber auch staatliche Anreize wie das Ehegattensplitting und mangelnde Kinderbetreuungsangebote führen dazu, dass Frauen weniger Einkommen haben und stärker von Altersarmut bedroht sind als ihre männlichen Partner.

Dabei zeigen Studien, dass 96 Prozent der Frauen in Deutschland ihre wirtschaftliche Unabhängigkeit wichtig ist. Das hat Jutta Allmendinger, Leiterin des Wissenschaftszentrum Berlin (WZB), 2013 in einer Studie herausgefunden. Die Frauen von heute wollen so viel verdienen, dass sie ohne Hilfe von Partner oder Staat gut leben und sich sowie ihre Familie ernähren können.

"Für viele junge Frauen ist es schwierig im Blick zu haben, was es später bedeuten wird, wenn sie länger Teilzeit arbeiten, oder wenn sie für drei Jahre wegen eines Kindes aussteigen," sag Hanna Wolf vom Projekt Was verdient die Frau? Wirtschaftliche Unabhängigkeit!, das vom Deutschen Gewerkschaftsbund und dem Bundesfamilienministerium finanziert wird. "Frauen in Deutschland sehen sich mit widersprüchlichen Anreizen konfrontiert", so die Expertin.

Widersprüchliche Anreize für Familien

Dazu gehört etwa die Unterhaltsreform, die schon 2008 stattfand und nach einer Trennung keinen Unterhalt mehr für den Ex-Partner vorsieht, auch wenn dieser sich um die gemeinsamen Kinder kümmert und deshalb seine Berufstätigkeit aufgegeben hat. Und dazu gehört auch das Ehegattensplitting, bei dem der schlechter verdienende Partner – und das ist in der Regel die Frau – die höheren steuerlichen Abzüge hinnehmen muss, während der besser verdienende Partner steuerlich begünstigt wird. Dazu zählen aber auch Minijobs und die kostenlose Familienversicherung. Wolf betont deshalb, wie wichtig es ist, in der Gesellschaft darüber zu informieren und zu sensibilisieren, warum und wie Frauen wirtschaftlich unabhängig werden und bleiben können.

Denn trotz des Wunsches nach finanzieller Unabhängigkeit sieht die Realität für sehr viele Frauen anders aus: Die Sozialwissenschaftlerin Irene Pimminger stellte 2012 fest, dass in Deutschland rund ein Drittel der beschäftigten Frauen zwischen 25 und 60 Jahren nicht genug verdienen, um ihre unmittelbare Existenz in einem Monat abzudecken. Sieht man in die Zukunft, verdoppelt sich diese Zahl: Für die langfristige finanzielle Absicherung – also um sich auch für Alter oder Arbeitslosigkeit abzusichern – reicht rund zwei Dritteln der Frauen das Geld nicht.