Frage: Herr Otto, Sie haben in Ihrem Unternehmen kürzlich eine Fuck-Up-Night veranstaltet; ein Abend, bei dem man sein Scheitern feiert. Haben Sie auch mitgemacht?

Michael Otto: Nein, doch in anderen Runden spreche ich auch häufig über meine Misserfolge. Ich finde das wichtig. Man muss bestimmte Fehler nicht zweimal machen.

Frage: Verraten Sie uns einen Ihrer Fehler?

Otto: Wir haben mal ein mobiles Zahlsystem gegründet. Doch es gab nicht genug Verbraucher, die es nutzen wollten. Letztlich mussten wir es wieder einstellen, mit entsprechendem Verlust. Das war ein Flop. Doch nur wer solche Fehler zulässt, kann überhaupt Neues entwickeln.

Frage: Wenn ich bei Ihnen arbeiten würde, dürfte ich zweimal den gleichen Fehler machen?

Otto: Das sollte möglichst nicht der Fall sein.

Frage: Dürfte ich zwei unterschiedliche Fehler machen?

Otto: Durchaus.

Frage: Wir reden viel über die Scheiter-Kultur, doch es bleibt meist theoretisch. Wie bekommen wir unser Denksystem verändert?

Otto: Es beginnt ja schon in der Art der Teamzusammenarbeit. Mir gefällt beispielsweise die Scrum-Methode. Da sagt nicht der Vorgesetzte, was zu machen ist. Sondern sie oder er gibt ein Ziel vor, und die Mitarbeiter überlegen und entscheiden selbst, wie sie das Ziel am besten erreichen. Schließlich haben sie oft bessere Kenntnisse als die Führungskräfte. Sie erarbeiten dann eigenständig Baustein für Baustein, und wenn Fehler gemacht werden, werden sie sofort korrigiert.