ZEIT ONLINE: Herr Zubanov, Sie haben in einer Studie unter Studenten untersucht, ob verbale Anerkennung motiviert. Spornt Loben zur Leistung an?

Nick Zubanov: Ja, eindeutig – aber überraschenderweise steigern nicht die ihre Leistungsbereitschaft, die gelobt wurden, sondern die, die kein Lob erhielten. Wir hatten für die Studie mehrere Kontrollgruppen unter Studienanfängern eingerichtet. Während in einigen Gruppen bestimmte Mitglieder gelobt wurden, gab es in anderen Gruppen keine verbale Anerkennung Einzelner. Schließlich hat sich gezeigt, dass diejenigen ihre Leistung verbessert haben, die in den Gruppen waren, wo Lob ausgesprochen wurde.

ZEIT ONLINE: Womit lässt sich das begründen?

Zubanov: Es gibt mehrere mögliche Theorien, aber wie wir bei unseren Experimenten herausgefunden haben, liegt der wesentliche Grund für das Verhalten darin, der Leistungsnorm entsprechen zu wollen. Wenn man ein gewisses Verhalten mit lobenden Worten würdigt – in unserem Fall das gute Abschneiden bei der ersten Semesterprüfung – ist Loben eine Form der Kommunikation darüber, was der Norm entspricht. Damit legt man die Höhe der Latte fest, die jemand springen muss, um Teil der Gruppe zu sein.

Diejenigen, die diese Information mitbekommen, ohne selbst zu den Gelobten zu gehören, korrigieren daraufhin ihre Einschätzung zur geforderten Norm. Um der zu entsprechen, verstärken sie ihre Bemühungen. So ist das Lob eine elegante Form von Kritik an denen, die unter der Norm liegen.

ZEIT ONLINE: Bedeutet Ihre Erkenntnis auch, dass Neid anspornt – Neid auf die Guten?

Nick Zubanov © privat

Zubanov: Die Auslegung der Studie und ihre Ergebnisse lassen keine Analyse über die Rolle von Neid zu. Lob war in unserer Studie ausdrücklich nur eine einmalige Sache und das Lob wurde von jemandem ausgesprochen, der nicht sehr wichtig war für die zukünftige Karriere der Studenten. Ich gehe daher nicht davon aus, dass der emotionale Wert des Lobs besonders hoch und dass Neid der Auslöser für die gesteigerte Leistung war. Es ging den Studenten nicht darum, auch gelobt zu werden. Sie wollten der Norm entsprechen.

ZEIT ONLINE: Wirkt Lob nachhaltig oder muss man täglich nachlegen?

Zubanov: Lob hat keinen dauerhaften Bestand. In unserem Experiment konnten wir eine leistungssteigernde Wirkung zwar noch bei der folgenden Prüfung feststellen. Bei der Abschlussprüfung der Kursteilnehmer war dieser Effekt aber schon nicht mehr erkennbar.

ZEIT ONLINE: Wie sehr kann Lob die Leistung im Studium beeinflussen?

Zubanov: Das folgende Zitat stammt von Mary Kay Ash, einer erfolgreichen amerikanischen Geschäftsfrau: "Es gibt zwei Dinge, die für die Menschen noch wichtiger sind als Sex und Geld: Anerkennung und Lob." Damit bringt sie es auf den Punkt, auch wenn es vielleicht etwas zu sehr zugespitzt formuliert ist, um wissenschaftliche Aussagekraft zu entfalten. Andererseits: Anerkennung ist zwar ein starker Motivator, aber nicht der stärkste. Das ist natürlich immer noch das Geld.

ZEIT ONLINE: Loben Sie Ihre Studenten regelmäßig? Falls Sie das tun: Schreiben die überdurchschnittlich gute Klausuren?

Zubanov: Ich lobe meine Studenten, allerdings gibt es nicht viele, die es schaffen, mich mit ausgezeichneten Studienergebnissen zu beeindrucken.

ZEIT ONLINE: Manche Studenten wurden in Ihrem Experiment mehr oder weniger gelobt, andere überhaupt nicht. Welche Gruppe hat am meisten vom Loben profitiert?