Die Krise ist in den Geldbeuteln der Menschen angekommen: Zum zweiten Mal in Folge sind im zweiten Quartal dieses Jahres die Reallöhne gesunken, wie das Statistische Bundesamt am Montag in Wiesbaden berichtete. Sie lagen um 1,2 Prozent unter dem Vergleichswert aus dem Vorjahr. Verantwortlich sind diesmal aber nicht in erster Linie steigende Preise, sondern die sinkenden Bruttomonatsverdienste. Sie fielen im Jahresvergleich um einen Prozent. Die Preise kletterten mit einem Plus von 0,3 Prozent hingegen nur geringfügig.

Die im Jahresvergleich äußerst seltene Flaute auf den Gehaltsabrechnungen wird den Statistikern zufolge vor allem von der Kurzarbeit in der Industrie und den weggefallenen Boni für Banker und Versicherungsangestellte verursacht. Das von der Arbeitsagentur ausgezahlte Kurzarbeitergeld wird als Sozialleistung nicht in der Einkommensstatistik berücksichtigt. Ein Teil der Einkommensverluste von rund fünf Prozent in der Industrie wird für die Betroffenen ausgeglichen, ohne dass es in der Statistik abgebildet wird. Besonders hart traf es in der Krise die Beschäftigten der Metallindustrie, die brutto zwölf Prozent weniger auf der Abrechnung stehen hatten. In der Autoindustrie betrug das Gehaltsminus 8,8 Prozent.

Die Angestellten von Banken und Versicherungen mussten bei den im zweiten Quartal regelmäßig besonders hohen Sonderzahlungen kräftige Einbußen von 21,1 Prozent verkraften. Die Boni und anderen Sonderzahlungen machten nur noch ein Fünftel des Einkommens dieser Gruppe aus. Vor einem Jahr war es noch ein rundes Viertel gewesen. Das Gesamteinkommen bei den Finanz- und Versicherungsdienstleistern sank um 4,1 Prozent.

In anderen Branchen konnten sich die Beschäftigten hingegen durchaus über Zugewinne freuen. Relativ gut schnitten unter anderem die Erzieher mit einem Bruttolohnplus von fünf Prozent ab, das auf den erreichten Tarifabschluss zurückzuführen ist. Auch Beschäftigte in der öffentlichen Verwaltung (+3,2 Prozent), dem Gesundheitswesen (+3,8 Prozent) und im Bergbau (+4,8 Prozent) verdienten etwas mehr Geld. Spitzenreiter waren aber die Erbringer von sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen wie zum Beispiel Wirtschaftsprüfer oder Arbeitsvermittler mit einem Plus von 7,4 Prozent.

Die höchsten Durchschnitts-Bruttoverdienste wurden in den Wirtschaftszweigen Energieversorgung (4171 Euro) sowie Information und Kommunikation (4162 Euro) gezahlt. Am wenigsten gab es im Gastgewerbe mit 1885 Euro zu verdienen.