"Die meisten Frauen in solchen Positionen machen das, weil ihr Mann gestorben oder krank ist, wie Friede Springer oder Liz Mohn", sagt Catherine von Fürstenberg-Dussmann. "Aus eigener Kraft schafft es kaum eine." Die Aufsichtsratvorsitzende der 1,4 Milliarden schweren Dussmann-Gruppe meint ihre Führungsposition. Sie übernahm das Amt im April dieses Jahres, weil ihr Ehemann und Firmengründer Peter Dussmann nach einem schweren Schlaganfall nicht mehr in der Lage war. Seither führt die gebürtige Amerikanerin die Dussmann Verwaltungs AG mit ihren mehr als 53.000 Mitarbeitern. Das Unternehmen bietet weltweit Dienstleistungen wie Gebäudetechnik, Reinigung, Catering und Altenpflege.

Ob sich in ihren Worten ein bestimmtes Frauenbild ausdrückt, bleibt unklar. Die Position ist neu für sie, die ein Leben an der Seite des Firmenvaters geführt hat – nicht aber als Managerin. Auch für die Dussmann-Mitarbeiter war es nach Jahrzehnten mit Peter Dussmann an der Spitze eine Umstellung. "Ich habe meinen eigenen Stil", sagt die 58-Jährige. "Ich bin nicht Peter Dussmann, habe aber eine große Liebe für seine Firma."

Dussmann wurde in St. Louis im US-Staat Missouri geboren und studierte Literatur und Schauspiel in Denver und London. Später führte sie ein eigenes Dekorationsgeschäft, das sie mit viel Energie in den USA aufgebaut hatte. Ihren Ehemann lernte sie 1980 kennen. Das Paar heiratete, und Catherine von Fürstenberg-Dussmann gab ihr Geschäft auf. Jetzt vertieft sie sich wieder in Geschäftsberichte, Personalentscheidungen und strategische Überlegungen.

Im Büro ihres Mannes in der 7. Etage des Dussmann-Hauses in Berlin-Mitte hat sie nur wenig verändert. Es ist ein lichtdurchfluteter Raum über zwei Etagen, vieles ist in sattem Blau gehalten: Der Teppichboden, die Sofas, die Vorhänge. Ihr fast leerer Schreibtisch steht im vollverglasten Dachgeschoss, das über eine gläserne Wendeltreppe zu erreichen ist. Manchmal winken Bauarbeiter aus der Nachbarschaft herüber. Ihre zwei Katzen, Otto und Leo, sind immer dabei. "Mein Job ist es, die große Linie zu bestimmen. Ich bin wie ein Kutscher, der seinen Pferden sagt, wo es lang geht. Aber laufen müssen sie alleine. Ich sorge dafür, dass keiner beißt und alle in die richtige Richtung laufen", erklärt Fürstenberg-Dussmann, die in ihrer Freizeit eine passionierte Reiterin ist.

Der Aufsichtsrat ist prominent besetzt mit dem ehemaligen Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement, dem früheren Vorstandsmitglied der Deutschen Bank, Tessen von Heydebreck, und dem Aufsichtsratschef der Axel Springer AG, Giuseppe Vita. Nach dem Schlaganfall ihres Mannes unterstützte sie auch der frühere Bahnchef Heinz Dürr für ein halbes Jahr als Aufsichtsratsvorsitzender; inzwischen ist er aber wieder ausgeschieden. Catherine Dussmann will neue Akzente setzen und weiter wachsen, ­ aber organisch, Zukäufe auf fremdem Terrain sind nicht geplant. Die Krise hat das Unternehmen bisher weitgehend verschont. Trotz mancher Angebote will sie die Firma keinesfalls verkaufen. "Das ist wichtig für unsere Mitarbeiter", betont sie.

Ihr Leben verläuft nun zweigeteilt: Dreieinhalb Tage arbeitet sie in Berlin, den Rest der Woche ist sie in Südfrankreich und kümmert sich um ihren Mann. Peter Dussmann ist halbseitig gelähmt und kann nur "ja" und "nein" sagen. "Aber er versteht alles, was ich sage, und manchmal denke ich, er ist nach wie vor der Boss", erzählt sie. 1999 hatte er den ersten Schlaganfall. "Die Ärzte sagten, dass zu 90 Prozent wieder etwas passiert." Zwei Jahre vor dem erneuten Hirnschlag bezog Dussmann seine Frau immer mehr in die Geschäfte ein. So war sie schon bei den Bewerbungsgesprächen mit dabei, als sich ihr Mann vor zwei Jahren aus dem Tagesgeschäft in den Aufsichtsrat zurückzog und einen neuen Vorstandsvorsitzenden suchte. "Er war der beste Lehrer für mich. Als ich die Rolle dann übernehmen musste, war das, wie wenn man von einem Zimmer ins nächste geht."