Bis 12 Uhr hat er Zeit, dann muss Sven Lück kochen. Sein dreijähriger Sohn und seine Frau warten wie jeden Tag auf ihr warmes Mittagessen. Lück ist Papa, Hausmann und freier Musiker. Die Erziehung teilt er sich mit seiner Frau, die als Lehrerin für das Einkommen der Familie sorgt. Nachmittags hat der 33-Jährige frei und arbeitet an seinen Bandprojekten. Aber nur noch bis März. Dann wird der 33-jährige Familienvater noch einmal eine Berufsausbildung beginnen – in Teilzeit. Die Familie ist auf ein festes, zweites Gehalt angewiesen. Lücks Einnahmen als freier Musiker sind nicht planbar, also hat sich Lück als erster Teilnehmer für eine neue, vier Jahre dauernde Teilzeit-Ausbildung zum Altenpfleger in Freiburg angemeldet.

Hospitiert hat der 33-Jährig bereits in dem Alten- und Pflegeheim, in dem er seine Ausbildung absolvieren wird. "Ich habe sofort gemerkt, dass ich das gefunden habe, was ich bis zu meiner Rente machen will", erzählt er begeistert. Aber solange sein Sohn klein ist, wäre eine Ausbildung in Vollzeit für den Papa nicht möglich. Schichtdienst, der um 7 Uhr am Morgen beginnt? Unmöglich. Zudem ist klar, dass seine Frau Kathrin die Hauptverdienerin der Familie bleibt. "Sie liebt ihren Beruf, sie ist eine tolle Lehrerin", sagt ihr Mann. Nach der Geburt des Kindes hatten sie die klassische Rollenverteilung getauscht: Als freier Musiker konnte Lück die Betreuung des Kindes eher übernehmen als seine Frau mit dem regelmäßigen, festen Einkommen. Dabei soll es bleiben. "Aber ich freue mich wieder mehr soziale Kontakte über die Arbeit zu bekommen und einen neuen Beruf zu lernen, der mich ausfüllt", sagt er. 

Als "Teilzeit-Mann" ist Sven Lück bundesweit gesehen noch immer eine Ausnahme. Auch wenn es derzeit keine exakten Zahlen gibt, wie das Statistische Bundesamt auf Anfrage mitteilt. Bei den Ausbildungsverträgen existiert erst seit zwei Jahren ein neues Merkmal "Teilzeit-Ausbildung". Deshalb haben die Statistiker noch keine vollständigen Daten zum auszählen. Die Tendenz ist trotzdem klar. Es sind weiterhin die jungen Mütter, die eine Ausbildung oder Umschulung in Teilzeit machen. Sie haben erkannt, dass es für sie eine Chance ist, Familie und Beruf miteinander zu vereinbaren. Diese Chance hätten aber auch junge Väter. Seit 2005 besteht laut Paragraf 8 des Berufsbildungsgesetzes die gleiche Möglichkeit für sie. Auch nach der Handwerksordnung können alle anerkannten Ausbildungsberufe in Teilzeit gelernt werden.

Beatrix Hahner von der Industrie- und Handelskammer Lübeck (IHK) betreut seit vier Jahren ein Projekt zur Teilzeit-Ausbildung. 300 Ausbildungsverträge mit Frauen wurden zwischenzeitlich geschlossen – und nur einer mit einem Mann. Dieser "Quotenmann", Vater eines Kindes, lernte Veranstaltungskaufmann. Auch in Flensburg, weiß Hahner von der dortigen Kollegin, ist derzeit ein junger Mann unter zahlreichen Frauen in Teilzeit-Ausbildung. Im Süden Deutschland sieht es nicht anders aus: Bei der Stadtverwaltung Freiburg gibt es einige junge Mütter in Teilzeit-Ausbildung. Junge Väter? Fehlanzeige.

Obwohl sie seit 2005 das IHK-Projekt leitet, kommt Beatrix Hahner in Erklärungsnot, warum sich so wenige junge Familienväter für diese Ausbildungsform begeistern. Dabei könne sich jede Mutter und jeder Vater an sie wenden; übrigens auch Menschen, die einen pflegebedürftigen Angehörigen betreuen. Hahner sieht sich als Schnittstelle und berät zweigleisig: Die Ausbildungssuchenden sowie die Betriebe, die sich über die Möglichkeiten der Teilzeit-Ausbildung informieren möchten. Die meisten Teilzeit-Auszubildenden im IHK-Kammerbezirk Lübeck sind Anfang bis Mitte 20 und haben kleine Kinder.

An dieses Klientel richtet sich auch das Freiburger Teilzeit-Angebot der Evangelischen Altenpflegeschule, für das sich Sven Lück angemeldet hat. Neu an diesem Modell ist, dass der Unterricht nur bis 13 Uhr geht und die Azubis keine Schichten machen müssen, in denen die Kinder nicht betreut sind. Die Kinderbetreuung zu organisieren hält Beatrix Hahner überhaupt für die größte Hürde. Dabei kann sie nicht helfen, das müssen die Auszubildenden selbst stemmen. Als junge Mutter oder junger Vater müssten die Bewerber schon "sehr gut aufgestellt sein", um die Ausbildung mit Kind zu bewältigen.

Sven Lücks Sohn ist bereits drei Jahre alt und geht in den Kindergarten. In den Ferienzeiten übernimmt seine Frau die Betreuung. Das geht nur, weil sie Lehrerin ist. Eine Ausbildung in Vollzeit wäre für Lück schwierig. Den Eltern ist wichtig, dass sie genügend Zeit für ihr Kind haben. Und wie reagiert das Umfeld auf den Teilzeit-Mann? Lück hat keine negativen Erfahrungen gemacht. Weder als Hausmann und Vater, noch fürchtet er Vorurteile, wenn er in Teilzeit arbeitet.