Der Diamantengutachter – Seite 1

Diamanten werden mit hohem Aufwand gefördert. Der kostspielige Abbau lohnt sich, denn Diamanten sind gefragt wie eh und je . Der Wert dieser glitzernden Edelsteine wird durch Qualitätskriterien wie Farbe oder Gewicht ermittelt. Schon winzige Nuancen entscheiden über Tausende Euro Wertunterschied. Und vor allen anderen Fragen steht diese: Sind die schmucken Steine echt? Die Antwort gibt der Diamantengutachter.

Das ist der Beruf von Gerd Märker. Seine offizielle Berufsbezeichnung lautet öffentlich bestellter und vereidigter Diamantsachverständiger für geschliffene und rohe Diamanten und Spezialist auf dem Gebiet der Diamantenkunde. Die Bezeichnung "öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger" ist für die Kunden die Garantie für einen geprüften Fachmann mit entsprechenden Kenntnissen der Materie, sozusagen das Gütesiegel. Die öffentliche Bestellung erhält der Gutachter erst, nachdem er mehrere Prüfungen erfolgreich bestanden hat. Auch später wird er kontrolliert – von der Industrie- und Handelskammer . Für die Echtheit des geprüften Edelsteins garantiert der Gutachter mit seinem Stempel und seiner Unterschrift. Irrt sich der Gutachter muss er für den entstandenen Schaden haften.

© Tim Boyle/​Getty Images

Ist der Stein echt, geht es um die Qualität. "Der Diamant ist der einzige Edelstein, für den es feste Richtlinien gibt", sagt Märker. Vier elementare Bewertungskriterien gibt es. Sie werden  die "4 C´s" genannt. Gemeint sind Carat, Color, Clarity und Cut, also Gewicht, Farbe, Reinheit und Schliff des zu beurteilenden Diamanten. Penibel achtet der Diamantengutachter darauf, ob der Stein rein ist oder Einschlüsse hat. Lupenrein ist das Beste, Steine mit kleinen Einschlüssen haben mittlere Qualität, Diamanten mit Einschlüssen, die mit bloßem Auge zu erkennen sind, haben schlechte Qualität.

"Bei einem nicht lupenreinen Diamanten werden die Einschlüsse unter Umständen exakt vermessen", sagt Märker. Auch die Farbe muss der Gutachter richtig einordnen. Farbe? Je nach Fremdstoffgehalt können die Edelsteine blau, gelb, braun, rot oder grün schimmern. Und dann erst das Gewicht! Das wird in Karat angegeben. Ein Karat entspricht 0,2 Gramm.

Der Diamantengutachter hat natürlich auch besondere, exakte Messwerkzeuge, er braucht einen 3-D-Laserscanner, eine Diamantenlupe, einen Farbvergleichssatz, eine Waage, eine UV-Lampe und einen Diamanttester, der anhand des thermischen Widerstands Fälschungen erkennen kann. Außerdem bedient sich der Gutachter bisweilen der Spektralanalyse und Ramanspektroskopie. Damit kann er die Zusammensetzung des Steins erkennen und herausfinden, ob der Diamant schon einmal behandelt oder gar manipuliert wurde. "Trotz aller technischen Hilfsmittel: Einen Diamanten exakt einzuordnen erfordert jahrelange Erfahrung", erklärt Märker. Ein gutes räumliches Sehvermögen, hohe Konzentration sowie viel Disziplin und Geduld seien auch notwendig.

 

Prinzipiell kann sich jeder zum Diamantengutachter ausbilden lassen. Zugangsvoraussetzungen gibt es nicht. Diamantengutachter ist kein klassischer Lehrberuf, die Ausbildung erfolgt in Eigeninitiative durch das Besuchen von Kursen bei der Deutschen Gemmologischen Gesellschaft e.V. In der Abschlussprüfung müssen bereits klassifizierte Steine geprüft und der exakte Wert und Reinheitsgrad festgestellt werden. Die meisten angehenden Prüfer haben bereits einen Beruf, in dem sie viel mit Edelsteinen zu tun haben. Sie sind Juweliere oder wie Märker Diamantenschleifmeister. 

Neben den fachlichen Qualifikationen bekommt der zukünftige Sachkundige auch die oberste Maxime der Branche eingebläut: Freundschaftsdienste gibt es nicht. "Der Experte darf sich nicht von finanziellen Aspekten verleiten lassen. Seriosität ist das oberste Gebot", sagt Märker. Auch wenn die große Mehrzahl seiner Kunden – vermögende Privatleute, Banken, Unternehmen – als seriös einzustufen sind; auch hier gibt es schwarze Schafe. Einmal habe ihm ein Kunde ein unseriöses Angebot unterbreitet, angenommen habe Märker es nicht. Seither ist er doppelt vorsichtig. "Habe ich auch nur den geringsten Verdacht auf unrechtmäßige Absichten seitens des Auftraggebers, breche ich die Beratung sofort ab", sagt Märker. Daher ist im Einzelfall schon einmal eine ausgiebige Recherche über den Kunden vorab Pflicht, auch zur Eigenabsicherung. Neben Unseriosität kann sich Märker auch Fehleinschätzungen bei der Wertbeurteilung eines Diamanten nicht erlauben. "In beiden Fällen wäre mein Ruf als Sachverständiger und Angehöriger eines auf Ehrlichkeit und Vertrauen basierenden Berufsstandes ruiniert", sagt Märker. Zum Glück hat er sich noch nie geirrt.

Arbeitszeit: ca. 1 bis 2 Tage in der Woche

Ausbildung: Ausbildung anhand von Kursen

Verdienst: 100 bis 120 Euro pro Stunde