Muss man immer den Beruf ausüben, den man einmal erlernt hat? Keineswegs. ZEIT ONLINE stellt in den kommenden Wochen Menschen vor, die in einer zweiten Karriere eine neue Berufung gefunden haben. Im zweiten Teil unserer Serie stellen wir den Personalberater Franz-Hermann Hirlinger vor. Eigentlich wollte er gerne Auslandskorrespondent werden. Doch dann verschlug es den Japanexperten in die Finanzbranche, wo er als Banker Karriere machte. Mit Mitte 50 machte er sich selbstständig. Heute sucht er als Berater für mittelständische Unternehmen aus Deutschland Mitarbeiter in Japan und genießt ein Leben ohne ständigen Erfolgsdruck.

Wer Menschen kennt, die noch einmal eine zweite oder sogar dritte Karriere gestartet haben, darf sehr gerne Vorschläge an die Redaktion richten. Wir freuen uns über Ihre Einsendungen!

ZEIT ONLINE: Herr Hirlinger, sind Sie zurzeit in Tokyo?

© Franz-Hermann Hirlinger

Franz-Hermann Hirlinger: Ja, und hier ist es acht Stunden später und frühlingshaft warm.

ZEIT ONLINE: Klingt traumhaft. Leben Sie deshalb in Japan, weil das Wetter einfach besser ist und die Zeit vorgeht?

Hirlinger: (lacht) Auch, ja. Ich lebe hier ja schon mein halbes Leben lang. Ich liebe dieses Land.

ZEIT ONLINE: Die Liebe zu Asien ist die große Klammer um Ihre Karriere. Oder sollte ich lieber sagen Ihre Karrieren?

Hirlinger: Ja, das stimmt. Man kann bei mir wohl schon von Karrieren sprechen.

ZEIT ONLINE: Eigentlich wollten Sie Journalist werden, kamen über Umwege zu einer Führungsposition in der Bayerischen Landesbank und haben in einem Alter, in dem andere schon von ihrer Rente träumen, ein ganz neues Unternehmen gegründet. Heute sind Sie Personalberater. Konnten Sie sich nie festlegen?

Hirlinger: Nein, aber ich hatte oft das Gefühl, dass ich etwas Neues anfangen wollte. Gelernt habe ich Industriekaufmann, dann habe ich Betriebswirtschaft und Kommunikationswissenschaften studiert. Damals bot der DAAD Stipendien für Studenten an: 20 Monate Japan – zehn Monate studierte man die Sprache und zehn Monate arbeitete man in Unternehmen. Ich nahm an diesem Programm teil und war begeistert von diesem Land. Gearbeitet habe ich dort übrigens im ARD-Studio in Tokyo. Ich wollte sehr gerne Auslandskorrespondent werden, am liebsten in Asien.

ZEIT ONLINE: Und das hat nicht geklappt?