Manche nennen sie "Aasgeier". Insolvenzverwalter kommen dann, wenn ein Unternehmen Pleite angemeldet hat. Sie wickeln die Geschäfte ab und entscheiden darüber, ob das Unternehmen noch weitergeführt werden kann oder nicht. Es ist diese kaufmännische Herausforderung, die Andreas Sembach aus Bremen an der Tätigkeit reizt. Sembach ist Fachanwalt für Insolvenzrecht. "Man übernimmt vorübergehend die Aufgaben des Geschäftsführers. Da ist Unternehmerdenken gefragt", sagt er. 

Der Auftrag für eine Insolvenzverwaltung kommt vom zuständigen Amtsgericht, bei dem das Unternehmen zuvor einen Insolvenzantrag gestellt hat. Am liebsten ist es Sembach natürlich, ein Unternehmen sanieren zu können. Die Entscheidung darüber muss schnell getroffen werden und das bedeutet eine Menge Arbeit. Der Insolvenzberater muss die Akten zu prüfen, Gläubiger und Banken kontaktieren, die Bücher checken: Welche Aufträge hat die Firma noch? "Oft ist die Lage zu schlecht, als dass der Betrieb gerettet werden kann", sagt Andreas Sembach. Und dann? Wie kommuniziert er diese Entscheidung?

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"Als Insolvenzverwalter ist man auch immer Therapeut und Kummerkasten", sagt Sembach. Schließlich muss er oftmals ganze Lebenswerke abwickeln. Das schmerzt. Doch zu viel Mitgefühl behindere die Arbeit. Insolvenzverwalter müssen eine gesunde Distanz zur Sache haben und sollten objektiv bleiben, rät der Anwalt. "Das fällt nicht immer leicht." Ziel ist es, die bestmögliche Verwertungschance zu suchen. Denn die Gläubiger warten auf ihr Geld. Und Zeit ist bekanntlich Geld. Darum muss die Abwicklung recht zügig geschehen. Verzögerungen lassen den Schuldenberg anwachsen. 

Zuerst begutachtet der Insolvenzverwalter, welche Werte das Unternehmen noch besitzt. Der Wert aller noch vorhandener Vermögensgüter heißt Insolvenzmasse und die wird veräußert. "Im Prinzip wird vom Bleistift bis hin zum Firmengebäude alles verkauft, was noch Geld einbringt, um zumindest einen Teil der Schulden bei den Gläubigern zu tilgen", sagt Sembach. Oft werden auch nur Teile eines Unternehmens verkauft, um den Betrieb doch noch zu retten.

Insolvenzverwalter ist kein Lehrberuf, auch gibt es keine staatlich anerkannte Ausbildung. Die Tätigkeit übernehmen überwiegend Fachanwälte für Insolvenzrecht, Betriebswirtschaftler oder Steuerberater. Theoretisch könnte aber jeder den Beruf ausüben. Allerdings werden die Aufträge von den Amtsgerichten vergeben. "Man muss einschlägige Kenntnisse nachweisen und bei einem alteingesessenen Insolvenzverwalter in die Lehre gegangen sein. Insolvenzverwalter wird man nur durch Learning by Doing", sagt Sembach. Oft beginnt die Laufbahn mit der Betreuung von Privatinsolvenzen oder kleineren Firmenauflösungen. Seinen Ruf muss sich der Insolvenzverwalter Stück für Stück erarbeiten. Erst nach einigen erfolgreich abgewickelten Insolvenzen kommen größere und somit auch lukrativere Aufträge. Denn nach der Höhe der Insolvenzmasse richtet sich auch der Verdienst des Insolvenzverwalters. Sie werden prozentual an der veräußerten Insolvenzmasse beteiligt. Das heißt: Auch wenn die Aufträge zahlreich sind, ob sich die Arbeit lohnt, ist nicht immer gesagt.

  • Arbeitszeit: variiert
  • Gehalt: Prozentuale Beteiligung
  • Ausbildung: nicht staatlich geregelt