Eines steht fest: Mit Pumps kommt sie in ihrem Job nicht weiter. Sie braucht festes Schuhwerk. Manchmal, sagt Birgit Patzelt, werde sie von Wanderern schon mit spöttischen Sprüchen bedacht. Dass sie fürs Wandern bezahlt werde, heißt es dann. Doch die 47-Jährige nimmt das gelassen. Patzelt ist Rangerin im Nationalpark Harz, einem der 14 wichtigsten Naturreservate zwischen Schleswig-Holsteinischem Wattenmeer und Berchtesgadener Alpen, und sie weiß, dass ihr Arbeitsplatz beneidenswert ist. "Es gibt keinen Beruf, in dem ich mich glücklicher fühlen würde", sagt die Frau aus Wernigerode, das am nördlichen Rand des größten Waldnationalparks Deutschlands liegt.

20 Kilometer legen die Ranger, die der offiziellen Berufsbezeichnung nach eigentlich Natur- und Landschaftspfleger sind, pro Tag zurück – im Durchschnitt wohlgemerkt. Zu Fuß, auf dem Mountainbike oder auf Skiern durchstreift Patzelt bei jedem Wetter das Gebiet. Den Brocken, mit 1142 Metern der höchste Berg Norddeutschlands und mit zwei Millionen Besuchern jährlich Haupttourismusattraktion des Nationalparks, muss sie manchmal drei oder vier Tage in einer Woche besteigen. "Das schlaucht schon", sagt Patzelt. Dennoch: Für Patzelt gibt es "keinen Tag ohne Freude am Wandern".

Die zierliche Frau arbeitet seit 1983 in der Forstwirtschaft, 1997 kam sie zum Nationalpark. Anfangs war sie skeptisch, denn "da waren nur Männer". Patzelt setzte sich durch. Gemeinsam mit einem Kollegen kümmert sie sich um ein Programm für Kinder aus der Umgebung: Als Juniorranger können die Kleinen die Natur erforschen. Diese Arbeit liegt der Rangerin am Herzen. "Man muss bei Kindern früh ansetzen, um sie für die Natur zu begeistern", sagt sie. Patzelt hat selbst zwei Söhne. Gemeinsam mit Peter Lustig hat der Nationalpark inzwischen den sogenannten "Löwenzahnpfad" angelegt. Hier können ganze Schulklassen Natur sehen, fühlen, tasten und riechen. Es dürfen Blätter gezupft und Erde durchwühlt werden.

Egal ob mit Kindern oder während geführter Wanderungen mit Erwachsenen, Patzelt versucht immer, den Parkbesuchern die Natur des Harzes näher zu bringen. Während die Rangerin mit festem Schritt über die Holzstege in den Harzer Hochmooren stapft, erklärt sie die umliegende Flora und Faune. Für sie ist der Job als Rangerin mehr als bloße Erwerbsarbeit. Er ist Berufung. Zu ihren Aufgaben gehört es natürlich auch, darauf zu achten, dass die Wege instand sind, kein Müll auf dem Boden liegt, niemand unerlaubt mit dem Auto durch den Park fährt oder Hunde frei laufen lässt. Als Rangerin kann sie Verwarngelder verhängen. Sie setzt aber lieber auf Einsicht. "Wir sind nicht dazu da, die Landeskasse aufzufüllen", sagt sie.

Auch mit den Wildtieren hat die Rangerin Kontakt. Einmal, vor einigen Jahren, lieferten Wanderer ein anscheinend verlassenes Hirschkalb am Forstamt ihres Ehemanns ab. Mit der Flasche zog Patzelt das Tier groß, ließ es später auf der Koppel hinterm Haus aufwachsen. Sie konnte sich über Pfeiflaute sogar mit dem Junghirsch verständigen. Irgendwann war das Tier einfach zu groß und sollte in den Wernigeröder Wildpark umgesiedelt werden. Das Vorhaben scheiterte, der Hirsch mochte nur Menschen und die ansässige Herde verstieß den Neuankömmling vom ersten Tag an. "Der Mensch sollte nicht in die Natur eingreifen", sagt Patzelt dann. Dafür, dass er sie trotzdem versteht und wertschätzt, möchte die Rangerin noch viele Jahre arbeiten und viele Kilometer zurücklegen. Auch wenn mal einer spottet.