Was genau ist eine Mediatorin eigentlich? Langweilt sich ein Einkaufswagenschieber bei der Arbeit? Wie wird man eigentlich Detektiv? Menschen einfach von ihrer Arbeit erzählen lassen. Das hat der Coach Nick Melekian gemacht und rund 60 Männer und Frauen zu ihrem Arbeitsalltag befragt. Entstanden ist ein 586 Seiten umfassender Berufsratgeber mit dem schlichten Titel Berufsgeschichten.

"Es gibt so viele Ratgeber zur Berufswahl. Aber ich habe keinen einzigen gefunden, bei dem man lesen konnte, was die Leute eigentlich den ganzen Tag lang tun und wie sie ihre Arbeit finden", sagt der Autor. So entstand die Idee, ein Buch zu schreiben, das mehr als einen Überblick über Ausbildungswege und Verdienstmöglichkeiten geben soll. "Ich möchte greifbare Erfahrungsberichte aus der Berufs- und Arbeitswelt anbieten, die so niedergeschrieben sind, als ob die interviewten Personen sie selbst verfasst hätten", sagt Melekian.

Berufsgeschichten zeichnet sich tatsächlich durch eine unverfälschte Sprache aus. Rund sechs Jahre lang hat Nick Melekian seine Interviewpartner bei ihrer Arbeit und zu Hause besucht und sie zu ihrem Beruf befragt. Er wollte die persönlichen Motive kennenlernen und erfahren, welchen Stellwert der Job im Leben seiner Interviewpartner hat, wie wichtig ihnen die Anerkennung von außen ist und wieso seine Gesprächspartner ausgerechnet diese Tätigkeit und diese Position innehaben. "Berufswahl ist kein Luxus, sondern ein gewinnbringender Grundpfeiler unserer Gesellschaft, in der jeder im günstigsten Fall genau das tun kann, was sie oder er am besten kann", sagt der Autor.  Dem Autor ging es auch darum zu ergründen, was Menschen unter Arbeit überhaupt verstehen.

Darum war dem Autor eine Mischung aus verschiedensten Bereichen mit den unterschiedlichsten Arbeitsbedingungen wichtig. Nicht die glanzvollen Berufe stehen in dem Buch im Vordergrund. Unterteilt hat Melekian die Berufe nach Tätigkeitsprofil, nicht nach Branche: In dem Kapitel "Begleitende Weggefährten" kommen beispielsweise Menschen in sozialen Berufen zu Wort: Hebamme, Lehrerinnen, Therapeuten; aber auch ein Kneipenwirt oder ein Taxifahrer. Ein anderes Kapitel trägt den Titel "Still im Hintergrund". Der Einkaufswagenschieber berichtet von seinem Job, die Hausfrau über ihren Alltag, aber auch die Bibliothekarin berichtet von ihrem Beruf. Bademeister, Friedhofsmitarbeiter, Makler, Metzger oder Dönerladenbesitzer, Nachhilfelehrer, IT-Berater oder Sales Manager: Auffällig ist, dass Melekian den Begriff "Karriere" kaum verwendet. Stattdessen geht es um Berufsverläufe, um Persönlichkeitsentwicklung, um das Suchen und Finden von Menschen nach einer sinnvollen Tätigkeit. 

So lautet das Fazit des Autors, dass der strebsame, gerade Weg zur Berufsfindung und zur erfolgreichen Karriere die absolute Ausnahme zu sein scheint. Die meisten von Melekians Interviewpartner sind durch einen persönlichen, zeitaufwendigen, "im Nachhinein heilsamen Findungsprozess gegangen", sagt der Autor. Berufsgeschichten liefert authentische, schnörkellose Einblicke in die Arbeitswelt. Ein Buch, das besonders für Menschen in einer Phase der beruflichen Umorientierung und für junge Menschen in der Berufsfindungsphase lesenswert ist und das abrückt vom unreflektierten Karriere- und Erfolgsstreben.

Berufsgeschichten von Nick Melekian ist im Verlag Shaker Media erschienen und kostet 29,95 Euro. ISBN 978-3-86858-510-0, 586 Seiten. Mehr Informationen und alle Berufsporträts im Überblick gibt es auch auf der Website des Autors.