Was waren Ihre aufregendsten Erlebnisse auf einer Dienstreise? Verstanden Sie Ihre Geschäftspartner in Asien nicht, fand das Meeting in Afrika an einem ungewöhnlichen Ort statt, ging die Präsentation für den Kunden in den USA mit dem Gepäck verloren? Melden Sie sich in der Redaktion und schildern Sie uns Ihre Abenteuer auf einer Geschäftsreise. Die besten Einsendungen veröffentlichen wir demnächst auf ZEIT ONLINE.

"Sehr geehrte Damen und Herren, da ich derzeit im Ausland festsitze, bin ich für unbestimmte Zeit nicht erreichbar." Endlich kann ich die Abwesenheitsmitteilung abstellen. Meine wohl abenteuerlichste Dienstreise ist beendet. Eigentlich sollte ich nur vier Tage in Delhi sein, wegen der Aschewolke über Europa wurden es fast zwei Wochen. Jetzt türmt sich die Arbeit im Büro, müssen viele der abgesagten Termine nachgeholt werden und immer noch erreichen mich besorgte Nachfragen: "Stecken Sie etwa immer noch fest?"

Nein, mir steckt nur noch die abenteuerliche Rückreise in den Knochen. Und die deutlich verlängerte Auseinandersetzung mit der indischen Kultur. Immerhin habe ich auf dieser Dienstreise so manche indische Businessregeln kennengelernt. Zum Beispiel, dass man in Indien vor dem Diner trinkt. Vier bis sechs Stunden lang. Am Tag eins nach Ablauf unserer eigentlichen Reisezeit nutzen meine Kollegen aus Belgien und Dänemark und ich die Zeit für ein Treffen mit indischen IT-Unternehmern in einem vornehmen Golf-Club zum Diner. Bei angenehmen 35 Grad am Abend und Kerzenschein sitzen wir draußen am Pool und warten auf das Essen. Statt opulentem Essen ordern unsere Gastgeber aber nur ein wenig Fingerfood und Getränke. Gin-Tonic, Cocktails, Wein, indischer Whiskey. Irgendwann vergessen wir den Hunger und auch, dass wir eigentlich zum Abendessen hier sind. Wir staunen nicht schlecht, als sich unsere Gastgeber kurz vor Mitternacht erheben und schwankend zum Diner ins Restaurant einladen. Nach einem Drei-Gänge-Menü fühlen wir uns gegen drei Uhr morgens deutlich nüchterner. "Ihr Europäer trinkt immer erst nach dem Essen, wir machen das vorher. Dann ist der Kater am nächsten Morgen nicht so schlimm", sagt einer der Gastgeber.

Tatsächlich ist der Kater am nächsten Tag nicht ganz so furchtbar. Wir üben uns in Geduld und Yoga und arbeiten alles das weg, was man Tausende Kilometer entfernt und mit schwankender Stromversorgung wegarbeiten kann. Am Tag drei allerdings bricht Nervosität aus. Wir suchen neue Geschichten. Während der dänische Kollege, ein Wirtschaftsjournalist mit Leib und Seele, von der Kulturredaktion seiner Zeitung beauftragt wird, ein Dossier über zeitgenössische, indische Kunst zu schreiben und sich in die fremde Materie einarbeitet, absolvieren wir anderen das restliche Touristenprogramm, das wir während unseres geplanten Aufenthalts nicht geschafft haben. Stadttour, Gandhi-Grab, Gewürzmärkte. Arbeiten ist an diesem Tag allerdings nur eingeschränkt möglich. Die Internetverbindung im Hotel ist durch die häufigen Stromausfälle plötzlich unterbrochen. Das bringt das Hotelmanagement indes nicht aus der Ruhe. Eine erste Nachfrage an der Rezeption wird mit einem Kopfnicken beantwortet. Als drei Stunden später noch immer nichts geschehen ist, fragt der belgische Kollege erneut nach. Diesmal versammeln sich einige Hotelmitarbeiter rund um den Router in der Lobby. Sie schauen und diskutieren. "Broken." – "Yes, yes. Broken." Zwei weitere Stunden später ist noch immer nichts geschehen. Nachts drückt der Kollege aus Dänemark einfach den Reset-Knopf. Mit Erfolg.

Am Tag vier wache ich mit entsetzlichen Bauchschmerzen auf. Den Abend zuvor verbrachten wir mit indischen Mitarbeitern europäischer Botschaften, die uns ein typisch indisches Abendessen in einem typisch indischen Restaurant zeigen. Passend dazu habe ich jetzt eine typisch indische Lebensmittelvergiftung und verbringe den Tag mit Magenkrämpfen und Schüttelfrost bei 43 Grad Außentemperatur und 32 Grad Raumtemperatur im Bett.

Am Tag fünf kehrt seltsame Ruhe ein, eine Mischung aus Resignation und Erschöpfung. An diesem Abend treffen wir wieder indische Geschäftsleute. Diesmal auf dem Dach eines Luxushotels. Und diesmal sind wir vorbereitet und haben Grundlage für das indische Trinkgelage geschaffen.