"Geht nicht, gibt’s nicht", ist das Motto von Tanja Böhme. Sie ist gelernte Kerammodelleurin. "Der Kerammodelleur bildet das Zwischenstück zwischen Designer und Produzenten. Leider ist dieser abwechselungsreiche Beruf weitgehend unbekannt", sagt die Modelleurin. Ihr Job ist es, das umzusetzen, was sich kreative Formgestalter an neuen keramischen Produkten ausdenken. "Egal, wie kompliziert die Form des Gegenstands auf dem Papier erscheinen mag", sagt Böhme. Eine Einschränkung gibt es allerdings: Der Artikel muss technisch umsetzbar und anschließend mit wenig Aufwand in Serie produzierbar sein. "Grundsätzlich aber ist der Wunsch des Designers heilig", sagt die Modelleurin und lacht. Der Spagat zwischen Funktionalität und Design ist manchmal allerdings gar nicht so einfach.

Für die Realisierung des ersten Musters bedarf es einer detaillierten Zeichnung. Mit Hilfe des Entwurfs fertigt Tanja Böhme zunächst ein dreidimensionales Gipsmodell an. Gestalterisches Können ist dabei wichtig. Oft ist es mit einem Modell nicht getan, in Absprache mit den Designern wird das Modell mehrmals verändert. Hat man sich auf die Form geeinigt, wird diese Musterform aus Gips angefertigt. Die Modelleure verwenden dabei unterschiedliche Maschinen und Werkzeuge, Feilen und Raspeln. Erst wenn auch diese Musterform den Vorstellungen des Designers entspricht, wird die Arbeitsform produziert. Sie ist notwendig, damit ein Keramikstück in die Serienfertigung gehen kann.

© Tim Boyle/Getty Images

Kerammodelleure üben ein Handwerk aus, bei dem viel Geschick und ein geschultes Auge notwendig ist. Das Material verliert beim Brennen und Trocknen an Substanz. "Wir nennen das im Fachjargon Schwindung. Und dieser Verlust muss einkalkuliert werden. Darum müssen wir die Formen größer produzieren", erklärt Tanja Böhme. Erst mit den Berufsjahren gelingt es, auf Anhieb das richtige Maß zu finden. Bei komplizierten Designs ist dies oft nicht einfach. "Man muss immer Problemlösungen parat haben. Es ist immer wieder eine Herausforderung, den Vorstellungen der Designer nachzukommen."

Die Ausbildung zum Kerammodelleur heißt Industriekeramiker für Modelltechnik. In der Branche verwendet allerdings kaum jemand diese Berufsbezeichnung. "Hier ist der Begriff Kerammodelleur gebräuchlich", sagt die Handwerkerin.

Die duale Ausbildung ist staatlich anerkannt und dauert drei Jahre. Der praktische Teil erfolgt beispielsweise in Unternehmen, die Fliesen, Sanitärbedarf oder Geschirr produzieren. Gelehrt werden in erster Linie der Umgang mit Werkzeugen und der Formenbau. Das theoretische Wissen – dazu gehören unter anderem Kenntnisse über die Porzellanherstellung und Materialkunde – wird an der Berufsschule unterrichtet. Ausbildungsvoraussetzung ist ein guter Hauptschulabschluss. Außerdem sollte der Lehrling handwerkliche Kenntnisse, ein gewisses manuelles Geschick sowie ein Auge für Proportionen mitbringen. Auch genaues Arbeiten und viel Kreativität sind nötig. In der Regel arbeiten Kerammodelleure in den Modellabteilungen bei Porzellanherstellern.

  • Gehalt: ca. 1700 Euro brutto
  • Ausbildung: drei Jahre, staatlich geregelt
  • Arbeitszeit: 38 bis 40 Std./Woche