"Ich hätte auch nie gedacht, dass die mich nehmen", sagt Lena Herber. In Brasilien lernte sie innerhalb eines Jahres fließend Portugiesisch sprechen. Selbstbewusst und erwachsen kam sie zurück nach Deutschland und machte ihr Abitur. Danach begann sie Bildungsmanagement in Berlin zu studieren. Ganz bewusst habe sie sich für diesen Studiengang entschieden: Lena Herber will Bildung so mitgestalten, dass einen höheren Bildungsgrad zu erreichen, nicht mehr vom Zufall abhängt oder von einem besonders starken Willen einzelner Schüler.

Noch immer ist es in der Klasse ganz leise. Aber es ist eine andere Stille. Gebannt haben die künftigen Schulabgänger zugehört. Wie geht es ihnen jetzt? Langes Schweigen. Dann meldet sich der 16-jährige Dave. "Danke, dass du hier warst", sagt er. "Es ist schön zu sehen, dass man aus etwas Kleinem etwas Großes machen kann." Jetzt meldet sich auch Joey. "Ich habe gesehen, dass ich an mich glauben darf."

Wie lange der Eindruck bei den Schülern halten wird, bleibt fraglich. Wenn die Neuntklässler in den kommenden Wochen und Monaten Bewerbungen für einen Ausbildungsplatz schreiben werden und Absagen erhalten, wenn die Jugendlichen von anderen für ihr Hauptschüler-Dasein gehänselt werden, sie von einigen Lehrern und Eltern demotiviert werden, können sie sich dann an die Geschichte der 28-Jährigen erinnern? Auch Lena Herbers Sozialisation in der Hauptschule wirkt bis heute nach. "Das Gefühl, dass ich nicht gut genug bin, begleitet mich bis heute." Aber sie hat gelernt, an sich zu glauben und bei Zweifel immer wieder aufzustehen. Und sie hat gelernt, sich nicht von anderen Menschen sagen zu lassen, was sie kann.