Wilde Verfolgsjagden auf der Autobahn? Fehlanzeige. Faustkämpfe oder gar Schießereien? Kommt auch nicht vor. Die Arbeit von Detektiven ist weit weniger spektakulär, als es auf der Kinoleinwand zu sehen ist. "Über die Darstellung von Detektiven in Filmen kann man eigentlich nur schmunzeln, die entspricht nicht der Realität", sagt Josef Riehl, Pressesprecher vom Bundesverband deutscher Detektive (BDD). Ja, auch für Detektive gibt es in Deutschland einen Verband.

"Ein guter Detektiv zeichnet sich dadurch aus, dass er unbemerkt bleibt" sagt Riehl. Überhaupt geht es in der Arbeit von Detektiven weniger um klassische Gewalt- und Raubdelikte als vielmehr um Produktpiraterie und Seitensprünge. Die meisten Aufträge, ungefähr 80 Prozent, bekommen die Privatermittler aus der Wirtschaft. Meist geht es um Vergehen wie Marken- und Patentrechtsverletzungen, Computerkriminalität, Umweltvergehen und Versicherungsbetrug. Auch Untersuchungen zum Verhalten von Mitarbeitern werden in Auftrag gegeben. Die geringere Anzahl der Aufträge kommt aus dem privaten Bereich. Hier bringen Detektive größtenteils bei Beziehungsangelegenheiten Licht ins Dunkel. "Grundsätzlich", sagt Riehl, "gibt es kein Delikt, was nicht Untersuchungsgegenstand von Detektiven sein kann".

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Sonderrechte haben Detektive bei ihren Ermittlungen nicht. Sie dürfen nicht in Häuser eindringen oder sich als Amtsperson ausgeben. "Detektive müssen immer sehen, wie sie an ihre Informationen herankommen, dürfen sich aber nicht außerhalb des Rechtsbereichs bewegen. Sie müssen sich genauso ans Gesetz halten wie andere Bürger auch", sagt Riehl. Und Ermittlungsergebnisse, die nicht mit legalen Mitteln zustande gekommen sind, dürfen vor Gericht nicht verwendet werden.

Dennoch: Ein wenig Schwindeln gehört zur Arbeit dazu. Ein beliebter Trick ist die Ermittlung unter "Legende". Dabei geben sich die Detektive beispielsweise gegenüber Nachbarn als Bekannter der gesuchten Zielperson aus, um so Informationen oder Aufenthaltsort zu erfahren. Besteht der Verdacht von Produktpiraterie geben sie sich oft als Unternehmer aus und heucheln Interesse an einer Ware, um so auf die Spur der Markenfälscher zu kommen.

Gängig ist auch die Observation aus beispielsweise als Gewerbefahrzeug getarnten Pkws heraus. Wichtigste Hilfsmittel sind Videoüberwachung, Spiegelreflexkamera mit Teleobjektiv, aber auch unauffällige Minikameras, Mikrofone und GPS-Technik. Technisches Verständnis ist für die Arbeit unabdingbar. Noch wichtiger als die richtige technische Ausrüstung jedoch ist Menschenkenntnis, Weitblick, Kreativität, Neugier und Reaktionsschnelle. "Detektive müssen sehr flexibel sein und sich neuen Situation schnell anpassen können", sagt Riehl. Auch Verschwiegenheit, Stressresistenz, Geduld und eine gewisse Portion Skepsis gehören zu den Fähigkeiten, die Detektive mitbringen sollten.

Ziel jeder Ermittlung sind natürlich Sachhinweise, die vor Gericht Bestand haben. Die gesammelten Ermittlungsergebnisse werden auch den Behörden zur Verfügung gestellt.

Aber warum nicht gleich die Polizei rufen? Riehl kennt den Grund. "Detektive werden immer dann tätig, wenn ein berechtigter Verdacht vorliegt, der aber noch nicht ausreicht, um die Polizei aktiv werden zu lassen. Die Ermittlungsergebnisse der Detektive kann dazu führen, dass es erst eine Angelegenheit der Polizei wird."

Die meisten Detektive arbeiten selbstständig oder sind in Detekteien angestellt. Einen typischen Arbeitstag gibt es nicht. Längere Beobachtungen vom Fahrzeug aus wechseln sich mit reiner Internet- und Telefonrecherche ab. Auch das Ausspähen von Transportwegen und Produktionsstätten, etwa bei Markenrechtsverletzung, gehört dazu. Ebenso wenig wie einen planmäßigen Berufsalltag gibt es Regelarbeitszeit. "Eine Observation kann auch schon mal über mehrere Stunden gehen, auch an Sonn- und Feiertagen", sagt Riehl.

Die Ausbildung zum Detektiv ist nicht staatlich geregelt. Auch ist der Begriff Detektiv nicht gesetzlich geschützt. Jeder, der ein Gewerbe nach §14 der Gewerbeordnung anmeldet , darf sich Detektiv nennen.

Wie aber unterscheidet man gute Detektive von jenen, die stümperhafte Arbeit leisten und nur auf das schnelle Geld aus sind? "Seriöse und fähige Detektive sind Mitglied im BDD und können das Zertifikat 'Geprüfter Detektiv' vorweisen. Das Zertifikat bekommt man nach der erfolgreichen Ausbildung an der ZAD, der Zentralstelle für Ausbildung im Detektivgewerbe", sagt Riehl.

  • Gehalt: als Selbstständiger: variiert; als Angestellter: ab 1500 Euro/Brutto
  • Ausbildung: keine staatlich geregelte Ausbildung
  • Arbeitszeit: variiert, je nach Auftragslage