Ihre alte Aufgabe war für Regine Stachelhaus bis zuletzt eine Herzensangelegenheit. Am Mittwoch legte sie als Geschäftsführerin von Unicef Deutschland auf der Mitgliederversammlung noch den Geschäftsbericht vor. Am Donnerstag ist sie als neuer Vorstand für Personal, Recht, Compliance, IT und Einkauf beim Energiekonzern Eon in Düsseldorf angetreten. Eine Spende von "Lebensarbeitszeit" sei das Engagement für die Kinderschutzorganisation gewesen, sagt die 55-jährige Schwäbin, die nach 24 Jahren als Führungskraft bei Hewlett-Packard, zuletzt als Geschäftsführerin der Drucker-, Scanner- und Kamerasparte, in den vergangenen eineinhalb Jahren bei Unicef auf viel Geld verzichtete.

Privat hat sie sich schon immer sozial engagiert. Neben ihrem inzwischen erwachsenen Sohn hat sie ein Pflegekind aus Eritrea aufgezogen. Unicef kann sie jetzt mit einem "ruhigen, guten Gefühl" verlassen, wie sie selber sagt. Das Hilfswerk, das durch einen Skandal um verschwendete Spendengelder in Schieflage geraten war, ist wieder in der Spur. Die Organisation mit 8000 ehrenamtlichen Helfern, 80 hauptamtlichen Mitarbeitern und einem zehnköpfigen, prominent besetzten Vorstand ist unter Stachelhaus? Ägide ab Anfang 2009 professioneller geworden und transparenter. Sie veranlasste einen umfangreichen Geschäftsbericht, der noch deutlicher offenlegt, wofür die Spenden eingesetzt werden. Die Spendeneinnahmen, die um rund ein Fünftel eingebrochen waren, haben sich wieder stabilisiert.

Stachelhaus ist bereit für die nächste Aufgabe, bei der sie wieder Neuland betritt. Als erste Frau wird sie bei einem großen deutschen Energiekonzern einen Vorstandsposten übernehmen. Immer wieder war sie in ihrer Zeit bei Unicef angesprochen worden, aber nur bei Eon hat sie sich die Aufgabe genauer angeschaut – und überzeugen lassen.

Die Strombranche reizt sie. In Afrika hat Stachelhaus erlebt, was passiert, wenn stundenlang der Strom ausfällt, und am eigenen Leib erfahren, dass Energie der Lebensnerv einer Gesellschaft ist. Nie ging sie dort ohne Taschenlampe aus dem Haus. In Angola steckte sie im Aufzug fest. Zudem steht die Branche vor rasanten Veränderungen, wie sie Stachelhaus schon in der IT-Branche kennen und schätzen gelernt hat: Die Netze werden intelligent und wachsen mit dem Internet zusammen.

Stachelhaus wird bei Eon nicht einfach das Personalressort von Vorgänger Christoph Dänzer-Vanotti übernehmen. Es wird um die Sparten Einkauf und IT ergänzt. Vorstandschef Johannes Teyssen begreift es als Service-Ressort, das die anderen Bereiche mit Dienstleistungen unterstützt. Der Personalchef bekommt so im Vorstand ein neues Gewicht.

Die Juristin Stachelhaus, die bei HP Erfahrungen in der IT und dem serviceorientierten Vertriebsgeschäft machte, passt nach Einschätzung eines führenden Arbeitnehmervertreters ideal zu der Funktion. Dass die beiden Gewerkschaften Verdi und IG BCE eine unabhängige Kandidatin akzeptierten, spricht für sich. In der Energiebranche galt es als ungeschriebenes Gesetz, dass der Arbeitsdirektor aus den Reihen der Gewerkschaften berufen wird. Bei RWE ist das so, und bei Eon war das so. Für Stachelhaus dürfte ihre Neutralität aber ein Vorteil sein. Vorgänger Dänzer-Vanotti, ein IG-BCE-Mann, war immer wieder auf Widerstand bei Verdi gestoßen.