Als Jürgen Ostermann von seiner Beförderung zum Director of Operations beim Getränkehersteller Eckes-Granini erfuhr, war dem Biotechnologen klar: Sein Schul- und Urlaubsenglisch würde nicht reichen, um dem internationalen Aufsichtsrat fließend Rede und Antwort zur Produktion in 14 europäischen Ländern stehen zu können. Um sich im neuen Job nicht zu blamieren, buchte der Manager einen zweiwöchigen Intensivkurs für Business-Englisch im britischen Torquay.

Organisiert hat den Kurs ein Auslandssprachendienst, bei dem auch hochrangige Politiker und Vorstandsmitglieder schon ihre Fachvokabeln gepaukt haben. Morgens nahm Ostermann Einzel- und nachmittags Gruppenunterricht, die Abende verbrachte er mit seiner Gastfamilie, mit der er sich im Smalltalken übte.

"Früher waren Sprachreisen etwas für Schöngeister", sagt Claus Kunze vom Fachverband Deutscher Sprachreiseveranstalter (FDSV), "doch es zeigt sich, dass die berufliche Motivation immer wichtiger wird für das Vokabelbüffeln im Ausland." Sogar in Krisenzeiten blieb daher die Nachfrage nach der Sprach-Nachhilfe konstant. Unverändert zählt der FDSV jährlich um die 160.000 deutsche Sprachreisende, die Hälfte davon Erwachsene. Über 80 Prozent von ihnen wollen Englisch lernen.

Zwar kann sich jeder zweite Deutsche laut einer Studie der Europäischen Kommission auf Englisch unterhalten – zur Kür im beruflichen Umfeld gehört aber mindestens das zur Branche und eigenen Position passende Fachvokabular. Wer die Karriereleiter hinaufklettern und global bestehen will, muss Grammatik und Vokabeln verhandlungssicher anwenden können.

Während internationale Konzerne wie Daimler, Siemens und Bertelsmann Englisch zur Konzernsprache erklärt haben und ihre Mitarbeiter schulen, müssen Freiberufler und Mitarbeiter kleinerer Unternehmen selbst aktiv werden. So wie Christian Marx. Der Informatiker hat sich in Frankfurt als IT-Berater selbstständig gemacht.

Er unterstützt Finanzdienstleister wie die Deutsche Börse oder die Deutsche Bank bei der Entwicklung ihrer IT-Systeme, doch Teile der IT-Abteilung des Kunden sitzen häufig im Ausland. Missverständnisse bei der Kommunikation sind tabu, also hat er zwei Wochen lang in London einen Business-Englisch-Kurs belegt. Kurs und Unterkunft haben zusammen 2200 Euro gekostet, eine sinnvolle Investition, wie der 38-Jährige meint.

Bei solchen Beträgen wiegt die Entscheidung für einen Sprachreise-Anbieter schwer. Das richtige Kursangebot zu finden, ist nicht einfach. Die Inhalte müssen fachlich passend, die Lehrer engagiert und die Unterkunft komfortabel sein.

Wie schwierig die Wahl fällt, zeigt eine Untersuchung der Stiftung Warentest, die acht Sprachreise-Anbieter geprüft hat. Nur einer von ihnen hat "gut" abgeschnitten. IT-Berater Marx war mit seiner Wahl zufrieden: Da er sich seinen Lehrer nur mit einem einzigen Mitschüler teilte, war der Kurs exakt auf ihren Berufsalltag zugeschnitten. "Jetzt heißt es, am Ball bleiben und üben", sagt der Hesse.

Und auch Jürgen Ostermann will weiterbüffeln. Als nächstes stehen Vokabeln rund um das Vertragsrecht auf seinem Stundenplan.

(Zuerst erschienen auf Karriere.de)