Eigentlich geht es in der Werkstatt von Goldschmied Bernhard Thein genauso zu wie beim "richtigen" Schmied : Es gibt einen Amboss, Hammer und Zangen, einen Brenner zum Schmelzen von Metall und zahlreiche Feilen. Allerdings ist alles eine Nummer kleiner und filigraner. Der Amboss ist nur so groß wie eine Faust und überhaupt braucht der Goldschmied eher Geschick als Muskelkraft.

Und noch etwas unterscheidet den Goldschmied vom normalen Schmied: Das Material ist edler. Edelmetalle wie Gold, Silber oder Platin werden verarbeitet. "Der Beruf des Goldschmieds hat eine lange Tradition. Es ist zwar ein klassischer Handwerksberuf. Aber es sind auch künstlerische Fähigkeiten notwendig", sagt Thein.

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Die Schmuckstücke werden entweder nach der Idee der Goldschmiede oder nach Kundenwunsch hergestellt. Zuerst fertigt der Schmied eine detaillierte technische Zeichnung an, dann wird ein Entwurf des Schmuckstücks hergestellt. "Oft müssen erst einige Feinzeichnungen gemacht werden, damit sich der Kunde vorstellen kann, wie der fertige Ring aussieht", sagt Thein. Erst dann geht es an die Produktion, die beinahe ausschließlich in Handarbeit erfolgt. Schmelzen, walzen, hämmern, sägen, in Form bringen. Stimmt alles, werden die Einzelteile montiert. Maschinen zur Serienproduktion von Schmuckstücken sieht man in den meist kleinen Goldschmiedewerkstätten so gut wie nicht.

"Im Goldschmiedehandwerk wird traditionell noch viel in Handanfertigung gemacht, weil sich so sehr viele Möglichkeiten bieten. Es gibt viele Techniken, um Schmuck anzufertigen", erzählt der Goldschmied. Dazu gehören beispielsweise Ziselieren und Granulieren. Bitte was?

'"Beim Ziselieren wird das Metall durch Hämmern in die richtige Form getrieben", erklärt Goldschmied Thein. Dies sei mit einiger Übung gar nicht so schwierig. Die Königsdisziplin der Goldschmiede ist aber das Granulieren. Hier werden viele kleine Metallkügelchen so miteinander zu einer Form oder einem Relief verschweißt, dass sie sich nur an den Verbindungspunkten berühren. "Diese Verfahren sind teilweise Jahrhunderte alt. So etwas können Maschinen nicht."

Dennoch wird Schmuck auch industriell hergestellt. Trauringhersteller beispielsweise produzieren nur Eheringe und ansonsten nichts. "Da sieht die Arbeit des Goldschmieds anders aus als in einem kleinen Handwerksbetrieb", sagt Thein. Und genau da liegt für ihn der Unterschied: Handgefertigtes ist individueller und hat meist auch eine höhere Qualität. "Selbst ein von Hand hergestellter, einfacher Silberring ist ein Unikat. Da fließt immer auch Herzblut in das Schmuckstück", sagt Thein. Auch wenn sich Kunden genau das wünschen, manche seien sich der Einzigartigkeit, die bei Goldschmieden im Preis inklusive ist, oft nicht bewusst. "Ich bekomme oft die Frage gestellt: Haben Sie denn keinen Katalog, wo ich mal gucken kann? Ich antworte dann: Den habe ich extra nicht. Schließlich will ich mit dem Kunden zusammen ein einzigartiges Schmuckstück herstellen", erzählt der Schmied.

Und wie sind die Berufsperspektiven? Sorgen macht sich Thein für seinen Berufsstand nicht. "Goldschmiedekunst per Hand wird immer Bestand haben. Auch alter Schmuck muss gepflegt und aufgearbeitet werden. So was geht nur per Hand."

Die Ausbildung zum Goldschmied ist staatlich anerkannt und dauert 3,5 Jahre. Neben den erforderlichen handwerklichen Fähigkeiten, viel Geschick und Feingefühl müssen die Auszubildenden auch mit den Kunden umgehen können. Im theoretischen Unterricht werden die Azubis in Werkstoffkunde geschult. Dazu gehört auch die Edelsteinkunde. Welchen Stein kann ich wie verarbeiten? Welches Material hat welche spezifischen Eigenschaften? Außerdem notwendig: Rechnen, speziell die Volumenberechnung. Wie schwer wird ein Schmuckstück? Wie viel Material muss ich einkalkulieren? "Das ist wichtig bei einem Kostenvoranschlag", sagt Thein.

Der Preis für ein von Hand gefertigtes Geschmeide richtet sich nach dem Preis der Metalle, die verwendet werden. Hinzu kommt die Arbeitszeit. Der Spagat zwischen angemessenem Arbeitslohn und einem, für den Kunden attraktiven Preis ist nicht immer einfach. Und genau darin liegt die Schwierigkeit. "Viele können gut handwerklich arbeiten, aber schlecht kalkulieren, sodass der Aufwand des Herstellens eines Schmuckstückes oft nicht honoriert wird", sagt Thein und nennt die Schattenseite seines Berufs, "als Goldschmied wird man nicht reich. Dennoch: Goldschmied ist man mit Leib und Seele. Die kreative und abwechselungsreiche Arbeit entschädigt oft für den relativ geringen Verdienst".

  • Ausbildung: staatlich anerkannt, Dauer 3,5 Jahre
  • Arbeitszeit: 38 bis 40 Stunden
  • Gehalt: Als Lehrling: 300 – 400 Euro; Goldschmiedegeselle: je nach Erfahrung 1350 – 2000/Brutto