Frauen sind in Handwerksberufen auf dem Vormarsch. Mit einem Anteil von 27 Prozent habe die Zahl der Frauen unter den 160.000 neuen Auszubildenden ein Rekordhoch erreicht, sagte der Generalsekretär des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), Holger Schwannecke, der Neuen Osnabrücker Zeitung . Auch der Frauenanteil bei den Meisterprüfungen habe sich in knapp 20 Jahren auf etwa 20 Prozent verdoppelt.

Eine Frauenquote im Handwerk bezeichnete Schwannecke deshalb als "schlicht überflüssig". Immer mehr Töchter beerbten den Vater als Betriebsinhaber. Und selbst körperlich anstrengende, also typische Männerberufe, seien dank technischer Hilfsmittel für Frauen mittlerweile attraktiv.

Frauen sind in Deutschland besonders in Führungspositionen nur schwach vertreten. Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) will aus diesem Grund zusammen mit dem Justizministerium ein Gesetz vorlegen , das Firmen in Deutschland das Festlegen einer Frauenquote auf der Führungsebene vorschreibt.

Noch nicht vergeben sind sechs Wochen vor Beginn des neuen Ausbildungsjahres immer noch viele Lehrstellen. "Wir rechnen am Ende mit mehr als 50.000 Stellen, die unbesetzt bleiben, weil geeignete Bewerber fehlen", sagte der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Hans Heinrich Driftmann, der Welt am Sonntag laut Vorabbericht. "Die demografische Trendwende schlägt voll auf dem Ausbildungsmarkt durch."

Ein weiteres Problem bei der Stellenbesetzung sei die mangelnde Ausbildungsreife vieler Schulabgänger, erklärte Driftmann. Mehr als die Hälfte aller Betriebe müsse für seine Auszubildenden Nachhilfe organisieren. "Die Unternehmen werden immer mehr zu Reparaturbetrieben", klagte der DIHK-Präsident.

Auch die Bundesregierung zeigte sich alarmiert. "Immer mehr Unternehmen haben Schwierigkeiten, ihre Ausbildungsstellen mit geeigneten Kandidaten zu besetzen", sagte Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) der Zeitung. "Umso wichtiger ist es, dass wir einerseits keinen Jugendlichen für den Ausbildungsmarkt verloren geben, andererseits junge Leistungsträger angemessen fördern."

Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) kündigte eine verstärkte individuelle Förderung der Jugendlichen mit Schwierigkeiten an. Dabei will sie früh in der Schulausbildung ansetzen, nicht erst wenn die Jugendlichen die Schule verlassen. "Mehr Praxis ist wirkungsvoller als mehr Schule und Unterricht", sagte die Ministerin der Zeitung.

Dadurch könnte auch die Zahl derjenigen, die die Schule ohne Abschluss verlassen, weiter gesenkt werden. Künftig sollten Berufslotsen junge Leute bei der Suche nach einer Lehrstelle und im ersten Ausbildungsjahr begleiten. "Jugendliche aus schwierigen familiären Verhältnissen haben ja oft niemanden, der ihnen beim schwierigen Übergang von der Schule in den Beruf hilft", sagte Schavan.