ZEIT ONLINE: Und welche wären das?

Stackelberg: Manchen Menschen ist schon damit geholfen, wenn sie eine Entscheidung vertagen können. Denn viele setzen sich sehr unter Druck, rasch in Aktion zu treten, was zu zusätzlichem Stress führt. Stress führt bekanntlich zu einem Tunnelblick. So könnte der Vorschlag für den älteren Arbeitnehmer lauten, erst einmal die Rationalisierungsmaßnahmen abzuwarten. Möglicherweise verliert er ja gar nicht seine Arbeit, weil die Auswahl nach dem Sozialplan vorsieht, dass jüngere Ledige gehen müssen. Man könnte ihm auch weitere Alternativen aufzeigen: Vielleicht wird er eine Abfindung bekommen, vielleicht wird ihm ein Angebot zur Frührente gemacht, vielleicht kann er sich selbständig machen. Angst reduziert sich, wenn wir um Alternativen wissen und die Perspektive ändern.

ZEIT ONLINE: In Ihrem Buch geben Sie Tipps für verschiedene Angstsituationen, zum Beispiel die Angst vor einem Bewerbungsgespräch , einer Gehaltsverhandlung oder einer Präsentation. Was sollte man hier tun?

Stackelberg: Hinter diesen Ängsten steckt häufig Versagensangst, der man mit guter Vorbereitung und überzeugenden Argumenten begegnen kann. Die Situationen kann vorher gedanklich oder mit Freunden durchgespielt werden. Es gibt zudem eine Vielzahl an Ratgebern, die nützliche Tipps enthalten. Statt an die Angst sollte man an die gute Vorbereitung denken. Wenn man vor einem Vorstellungsgespräch sehr nervös ist, sollte man sich klarmachen, dass man letztlich nichts zu verlieren hat: Vorher hat man den Job noch nicht und danach eben auch nicht. Und jedes Bewerbungsgespräch macht mich sicherer und routinierter.

ZEIT ONLINE: Man verliert möglicherweise die Hoffnung.

Stackelberg: Auch dann hilft der Perspektivenwechsel. Wer schon ein Jahr lang eine Stelle sucht, der kann vor dem 86. Bewerbungsgespräch auch zwei oder drei Wochen Auszeit nehmen und sich erholen. Denn sonst bringt man eine entsprechende Klappt-sicher-wieder-nicht-Aura mit und das wird oft zur selffullfilling prophecy .

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ZEIT ONLINE: Was mache ich, wenn ich Angst vor meinem Chef oder den Kollegen habe?

Stackelberg: Man sollte das Gespräch suchen. Meistens entpuppt sich der vermeintliche Monsterchef als Mensch. Oft hilft es schon, sich in den anderen hineinzuversetzen. Besonders ängstliche Menschen neigen dazu, Reaktionen von Ranghöheren negativ und auf sich zu beziehen. Aber vielleicht hat der Chef während meiner Präsentation grimmig geguckt, weil er an etwas ganz anderes gedacht hat? Das finde ich aber nur heraus, wenn ich den Dialog suche. Die Bitte für ein solches Gespräch sollte man in einem geeigneten Augenblick und auf eine angenehme Art kommunizieren. Die meisten Mitarbeiter kennen ihre Vorgesetzten ja auch schon eine Weile und wissen in etwa, wie sie einzuschätzen sind. In einem solchen Gespräch sollte man klar auf den Punkt kommen, viele ich-Botschaften senden und Wünsche formulieren. Man sollte Sätze sagen wie: "Ich fühle mich stark belastet", nicht "Sie fordern zu viel". Das gilt auch für Konflikte mit Kollegen.

Die Fragen stellte Tina Groll .